Ilona Schmidt aus Kamen hat sich schon lange auf den Urlaub gefreut. Dann wurden ihre Urlaubsziel zu Risikogebieten. Die erste Hürde: Das Gesundheitsamt war nicht zu erreichen.

Kamen

, 24.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Kamenerin Ilona Schmidt lebt zurzeit sehr zurückgezogen, denn sie gehört zur Risikogruppe, für die eine Infektion mit dem Coronavirus gefährlich werden kann. Die 65-Jährige verlässt das Haus vorsorglich nur noch selten und erledigt Einkäufe, Physio, Reha und andere wichtige Termine alle an einem Tag in der Woche.

Den Kontakt zu Freunden hält sie vor allem über das Internet und Telefon aufrecht. Kein Wunder ist es da, dass Schmidt sich nach frischer Luft, neuen Eindrücken und Gesellschaft sehnt. Mit zwei Kurzurlauben will sie sich diesen Wunsch erfüllen.

Beherbergungsverbote und Fragen über Fragen

Doch die Vorfreude wurde jäh getrübt, als plötzlich Bundesländer anfingen, Betreuungsverbote zu verhängen. Für Schmidt taten sich auf einmal viele Fragen auf. Was war zu tun, damit der Urlaub im November nicht ins Wasser fällt?

Geplant sind ein Drei-Tages-Trip nach Willingen ins Sauerland, um dort mit ihrer Freundin Uschi deren 81. Geburtstag zu feiern – zu zweit, in einem netten kleinen Hotel.

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Kur darauf soll es für zehn Tage mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin an die Ostsee in Schleswig-Holstein gehen – in ein Ferienhaus mit Blick aufs Meer. Ein Trip, den sie sich alleine nicht hätte leisten können. Als ihr Bruder anfragte, war die Freude umso größer.

Doch dann kam Corona und die Unsicherheit. Die hat sich mittlerweile wieder etwas gelegt, denn Hessen hat das Betreuungsverbot wieder aufgehoben. In Schleswig-Holstein hieß es zunächst bangen – und recherchieren.

Ilona Schmidt wird auf eigene Faust zur Corona-Reiseexpertin

Schmidt ist mittlerweile zu einer wahren Corona-Reiseexpertin geworden. Allerdings aus der Not heraus, denn beim Gesundheitsamt des Kreises Unna habe sie niemanden ans Telefon bekommen. Sie recherchierte dann selbst im Internet und entschied sich, notfalls einen Corona-Test im Klinikum Dortmund zu machen. Das Klinikum hat ein eigenes Labor und das Ergebnis wäre rechtzeitig da. Derzeit sieht es aber nicht danach aus, dass sie einen machen muss: Ein Gericht hat jetzt auch das Beherbergungsverbot in Schleswig-Holstein gekippt.

Ilona Schmidt (r.) freut sich auf ihren Urlaub in Willingen, um dort den 81. Geburtstag ihrer Freundin Uschi (l.) zu feiern. Mittlerweile ist das Beherbergungsverbot in Hessen aufgehoben und die Frauen haben eine Sorge weniger.

Ilona Schmidt (r.) freut sich auf ihren Urlaub in Willingen, um dort den 81. Geburtstag ihrer Freundin Uschi (l.) zu feiern. Mittlerweile ist das Beherbergungsverbot in Hessen aufgehoben und die Frauen haben eine Sorge weniger. © privat

Die Kamenerin ist entspannt – auch weil sie mittlerweile bestens informiert ist. Sie ärgert sich aber dennoch etwas darüber, wie manches gelaufen ist. Dafür, dass sie etwa einen Test selbst bezahlen müsste, nur weil sie nicht in den Herbstferien verreist, hat sie wenig Verständnis. „Dann sollte das lieber nach Einkommen geregelt werden“, findet die 65-Jährige, die von einer kleinen Rente leben muss.

Auch, dass das Gesundheitsamt nicht so leicht zu erreichen war, ärgert sie – aber nicht nur, weil sie selbst darauf angewiesen war. „Ich verstehe ja, dass das Gesundheitsamt überlastet ist, aber für mich war das die erste Anlaufstelle. Sämtliche Freundinnen haben kein Internet, um zu recherchieren. Die sind aufs Telefon angewiesen.“

Corona-Hotline des Gesundheitsamtes im Kreis Unna stark belastet

„Ja, die Hotline ist derzeit stark belastet“, lässt das Gesundheitsamt durch Pressesprecher Max Rolke ausrichten. Das hänge auch mit den neuen Allgemeinverfügungen zusammen, zu denen viele Fragen eingingen. „Hinzu kommen in der Reisezeit eben viele Fragen zum Reisen. Und mit steigenden Zahlen auch wieder Fragen rund um die Quarantäne“, so das Gesundheitsamt. Unter www.kreis-unna.de/corona unter „Häufig gestellte Fragen“ hat es die am häufigsten Fragen aus den Hotline-Gesprächen beantwortet. Vor einem Anruf lohnt es sich also, auf die Internetseite des Kreises zu schauen.

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Aber wie ist das mit älteren Menschen wie den Freunden von Ilona Schmidt, die sich nicht mit der Technik auskennen? Auf die Frage, ob es möglicherweise eine Tageszeit gibt, zu der die Hotline nicht so überlastet ist, antwortet das Gesundheitsamt mit „Nein“. Die Hotline sei eine Anlaufstelle für alle Bürger und unabhängig von der Tageszeit durchgehend gefragt. Der einzige Tipp, denen die Experten geben können ist, es regelmäßig weiter versuchen oder auf andere Hotlines ausweichen:

  • Coronavirus-Hotline NRW-Gesundheitsministerium: Tel. (0211) 9119 1001 (Mo.- Fr. 8 bis 18 Uhr)
  • Coronavirus-Hotline des Bundesgesundheitsministeriums: Tel. (030) 34 64 65 100

Das Oberverwaltungsgericht in Schleswig-Holstein hat das sogenannte Beherbergungsverbot für Touristen aus Corona-Hotspots am Freitag gekippt.

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