Der Leiter der größten Kamener Schule begrüßt die Einführung der Maskenpflicht im Unterricht. Nur so könne die Schule in einen „annähernd regulären Betrieb“ gehen, sagt Frank Stewen.

Kamen

, 05.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Frank Stewen erwartet nach den Sommerferien 1300 Schüler zurück an der Gesamtschule Kamen. Das erste Mal seit der Corona-Schulschließung vor den Osterferien mit anschließender schrittweiser Rückkehr von Abschlussjahrgängen wird wieder die gesamte Schülerschaft da sein. Dann gilt anders als bisher auch im Unterricht eine Maskenpflicht, nicht nur auf dem Schulflur.

Schulleiter zur Maskenpflicht: „Ich war erleichtert“

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat die Bedingungen, unter denen die Schulen wieder in den „angepassten Schulbetrieb in Corona-Zeiten“ übergehen sollen, am Montag bekannt gegeben. „Ich war erleichtert, auch wenn das schräg klingt“, sagt Stewen.

Denn die Gesamtschule muss ihre bisherigen Planungen nicht über den Haufen werfen. „Wir haben einen regulären Start vorbereitet und hatten größte Sorgen, dass wir extreme Anpassungen vornehmen müssen“, sagt Stewen. „Durch die Maskenpflicht haben wir die Möglichkeit, annähernd in einen regulären Betrieb zu gehen. Ob das aus medizinischer Sicht vernünftig ist, ist eine andere Diskussion. Für uns ist das eine Arbeitserleichterung.“

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Viele Menschen in einem Raum, wenig Abstand und wenig Durchlüftung – diese Faktoren begünstigen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Coronavirus-Ansteckung durch winzige Virus-Tröpfchen. Deshalb galt vor den Sommerferien noch, dass im Klassenraum die Tische und Stühle auf Abstand stehen und nur kleine Gruppen unterrichtet werden. Doch nun sollen alle Kinder wieder zur Schule gehen können, sodass die Landesregierung einen umstrittenen Kompromiss zwischen Bildungsanspruch, Platzangebot und Infektionsschutz eingeht.

Das Ergebnis ist die Maskenpflicht im Unterricht, und das Abstandsgebot von 1,50 Meter gilt nur insofern, als es räumliche Verhältnisse zulassen. „Wir haben schon vor den Sommerferien Maßnahmen zur Einhaltung der Abstände gemacht, auch im Sinne eines erzieherischen Prozesses, das werden wir auch jetzt machen, sofern das möglich ist bei den räumlichen Gegebenheiten“, so Stewen. „Allein im Schulzentrum mit der Gesamtschule und der Realschule sind wir 1800 Personen“, merkt er an. „In einem Klassenraum mit 30 Schülern ist Abstand schon nicht mehr denkbar. Wir brächten, wenn wir es richtig machen, vier Quadratmeter pro Schüler. Solche Klassenräume für alle haben wir nicht.“

Eiserne Maskenreserve bei der Schule

Die Maskenpflicht wirft einige Fragen auf: Reicht eine Stoffmaske oder Einwegmaske für den gesamten Unterrichtstag? Was ist, wenn ein Schüler keine Maske dabei hat, weil er sie vergessen hat oder weil sich Mitschüler einen schlechten Scherz erlaubt haben? Grundsätzlich müssen Eltern und Schüler sich selbst darum kümmern, dass die Schüler eine Maske haben. Stewen hat einen Anfrage ans Gesundheitsamt gestellt und hofft zudem, dass eine auch durch Spenden zustande gekommene eiserne Reserve der Gesamtschule noch rechtzeitig vor dem Schulstart durch vom Land versprochene Masken aufgestockt werden kann.

Eine Frage ist auch, ob die Lehrer eine Maske tragen müssen. „Ich werde wegen des Vorbildcharakters eine Empfehlung aussprechen“, sagt Stewen. Laut Vorgabe vom Land haben Lehrkräfte einen Mund-Nasen-Schutz nur zu tragen, wenn im Unterrichtsgeschehen der empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann.

Die Schule darf von einer Maskenpflicht für Schüler laut Vorgaben „zumindest zeitweise oder für bestimmte Unterrichtseinheiten bzw. in Prüfungssituation“ absehen. Stewen hofft, dass die Schüler das Maskentragen ernst nehmen. Dass die Schulministerin die Maske verbindlich vorgibt, mache es den Lehrern erheblich leichter, Konsequenzen zu ziehen. „Wer sich nicht an die Pflicht hält, kann hier nicht sein. Der Gesundheitsschutz steht über dem Recht auf Bildung. Das ist eine klare Kante. Es wird sicherlich Diskussionen geben, was das mit den Schülerinnen und Schülern macht, wenn sie einen ganzen Tag die Maske aufhaben.“

Ein digitales Klassenbuch gab schon vor der Pandemie Auskunft darüber, welche Schüler an welchen Unterrichtsstunden teilgenommen haben. Diese Dokumention ist für die mögliche Verfolgung von Infektionsketten wichtig, falls sich doch jemand in der Schule anstecken sollte. Die Gesamtschule weist allen Schülern im Klassenraum einen nummerierten Sitzplatz zu. Wahlpflichtunterricht, bei dem sich sonst feste Klassenverbände durchmischen, bleibt erlaubt. „Eine größere Herausforderung ist der Mensabetrieb, auch dort gibt es Sitzplatznummern, wo man sich fest eintragen muss.“

Bis zum kommenden Mittwoch (12. August), dem ersten Schultag, müssen die offenen Fragen geklärt sein. Am Montag zuvor treffen sich erstmals alle Lehrkräfte der Gesamtschule wieder „face to face“, wie Stewen sagt. Von den 118 Kolleginnen und Kollegen werden nach vorläufigen Stand fast alle an Bord sein.

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