Germanenschatz reist zu Berliner Ausstellung

dzArchäologie auf Reisen

Die Germanen, die vor vielen Jahren im Seseke-Körne-Winkel lebten, hinterließen so machen archäologischen Schatz. Rund 40 der Stücke sollen nun in einer Berliner Ausstellung gezeigt werden.

Kamen

, 24.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Auf einem blauen, samtenen Tuch liegen im Haus der Stadtgeschichte wahre Schätze. Metallsplitter, sogenannte Armbrust-Fibeln und kleine Statuetten der Götter Mars und Minerva liegen dort neben einem Haufen brauner Kisten. Die Funde, die im Bereich des Seseke-Körne-Winkels ausgegraben wurden, sollen bald ihren Weg zu der Berliner Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“, finden, die das Museum für Vor- und Frühgeschichte und der Verband der Landesarchäologen vom 21. September bis zum 6. Januar im Gropius-Bau ausrichten. Robert Badermann, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, ist mit seinen Mitarbeitern mit dem Packen beschäftigt.

Am Montag, 27. August, sollen die rund 40 Stücke, die von Germanen stammen und auf die Zeit zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert nach Christus datiert werden können, nach Münster reisen. Von dort geht es mit einer Kunstspedition zusammen mit anderen Exponaten nach Berlin.

Germanenschatz reist zu Berliner Ausstellung

Diese vergoldete Platte wurde zur Verschönerung von Möbelstücken eingesetzt und deutet auf einen gewissen Wohlstand des Besitzers hin. © Stefan Milk

Bedeutende Funde

„Dass jetzt einer durch die Berliner Ausstellung geht, und sagt: ‚Ich muss sofort nach Kamen reisen!‘, ist wohl etwas hoch gegriffen“, sagt Badermann schmunzelnd. Dennoch sei die Teilnahme an dem Projekt ein Beweis dafür, dass die Funde in Westick von Bedeutung sind. Die Berliner seien sogar auf das Haus der Stadtgeschichte zugekommen, da die Funde durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Doktorarbeit von Patrick Könemann mit dem Titel „Die kaiserlichen Bunt- und Edelmetallfunde von Kamen-Westick“, die nun erschienen ist. „Das ist ein gutes Nachschlagewerk“, sagt Badermann.

Germanenschatz reist zu Berliner Ausstellung

Sogenannte Armbrust-Fibeln, benannt nach ihrer gebogenen Form, hielten die Gewänder zusammen. © Stefan Milk

Die Funde, die nun für eine Zeit nach Berlin wandern, sagen viel über das Leben der Germanen aus, die vor etwa 2000 Jahren in der Region lebten. Ein vergoldeter Möbelschlag deutet auf einen gewissen Reichtum des ehemaligen Besitzers hin. Die Statuetten der römischen Götter Mars und Minerva zeigen, dass wahrscheinlich ein enger Austausch mit den Römern stattgefunden hat. „In Westick wurden zudem viele römische Münzen gefunden“, sagt Ursula Brägelmann, Mitarbeiterin des Hauses der Stadtgeschichte.

Germanenschatz reist zu Berliner Ausstellung

Eine Statuette, die den römischen Krieggott Mars darstellt, ist eines der rund 40 Stücke, die nun nach Berlin reisen. © Stefan Milk

Grabungen am Winkel

In der Kaiserzeit vor rund 2000 Jahren standen mindestens drei dreischiffige Wohnstallhäuser und zwei zweischiffige Pfostenbauten sowie Nebengebäude im Seseke-Körne-Winkel. Die Funde legen nahe, dass zahlreiche Metallhandwerker dort aktiv gewesen sind. 1910 hatte Heimatforscher Otto Prein dort erste römische Scherben gefunden. 1926 folgte eine Ausgrabung durch Ludwig Bänfer, die Spuren von zwei Häusern zutage förderte. Erst als die Kläranlage Kamen gebaut wurde, gab es von 1998 bis 2001 weitere Grabungen durch Philipp Hömberg, der einen weiteren großen Pfostenbau lokalisierte. Zudem gab es in dem Bereich umfangreiche Sondierungsarbeiten im Jahr 2014. Dennoch seien nur etwa zehn Prozent der Fläche untersucht worden, erklärt Badermann. Viele Schätze schlummern also wahrscheinlich noch im Westicker Boden.

  • Die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ findet vom 21. September bis zum 6. Januar in Berlin statt. Veranstaltungsort ist der Gropius-Bau.
  • Die Ausstellung präsentiert spektakuläre archäologischen Neufunde der letzten 20 Jahre von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert.
  • Die Internetseite der Ausstellung
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