Gepanzerter Hightech-Blitzer der Autobahnpolizei bei Unfall beschädigt

dzAutofahrerschreck

Ob er Böses im Schilde führte, konnte die Autobahnpolizei den Unfallverursacher nicht fragen: Denn der Autofahrer, der den mobilen Hightech-Blitzer auf der A2 beschädigte, flüchtete nach dem Crash.

Kamen, Dortmund, Unna

, 04.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der gepanzerte mobile Hightech-Blitzer der Autobahnpolizei Dortmund ist durch einen Unfall so schwer beschädigt worden, dass er längere Zeit nicht mehr zu gebrauchen war. Der sogenannte „Enforcement Trailer“, ein grauer Anhänger, stand am 30. September in einer Baustelle auf der A2 nahe der Anschlussstelle Kamen/Bergkamen, als der Unfall passierte.

Durch eine Anfrage bei der Autobahnpolizei kam der Unfallschaden erst jetzt heraus. „Der Enforcement Trailer war nach einem Unfall defekt“, sagte Peter Bandermann, Sprecher der Autobahnpolizei Dortmund, deren Wache in Kamen liegt.

Der Superblitzer mit dem futurisch wirkenden Gehäuse fiel den Angaben zufolge nach dem Crash am 30. September für mehrere Wochen aus. Die Autobahnpolizei habe deswegen ein „Leihgerät“ genutzt. Näheres über die Umstände des Unfalls und den Schaden nannte der Behördensprecher nicht. Der Unfallverursacher sei unbekannt.

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Wie ein zusammengefalteter Roboter

Der Enforcement Trailer steht seit 2017 im Dienst der Autobahnpolizei beim Polizeipräsidium Dortmund. Dabei handelt es sich im Behördendeutsch um ein „bewegliches Geschwindigkeitsüberwachungsgerät in Form eines Anhängers“. Dieser ist 2,98 Meter lang, 1,52 Meter breit und 1,87 Meter hoch und sieht aus wie eine schlafender, zusammengefalteter Roboter aus einem Science-Fiction-Film.

Bei dem Unfall erwies sich der Klotz mit dem hochmodernen Innenleben als nicht ganz so unkaputtbar, wie es die Beschreibung vermuten lässt. In den Herstellerangaben heißt es: „Während des Betriebs lässt sich der Anhänger vollständig auf den Wagenboden absenken und so gegen unbefugten Abtransport sichern. Zusätzlich schützen eine abgedichtete, beschusssichere Hülle sowie optional ein Alarmsystem die Technik vor Sachbeschädigung.“

Durch einen Unfall am 30. September 2019 wurde dieser Superblitzer der Autobahnpolizei Dortmund beschädigt.

Durch einen Unfall am 30. September 2019 wurde dieser Superblitzer der Autobahnpolizei Dortmund beschädigt. © Archiv

Autonom arbeitender Autofahrerschreck

Der Enforcement Trailer kann nach Herstellerangaben bis zu zehn Tage ohne menschliche Hand seinen Dienst an einer Stelle verrichten. Währenddessen funkt er nach Hause. „Drahtlose Fallübertragung und Zustandsüberwachung des Messsystems“ nennt sich das. Der autonom arbeitende Autofahrerschreck wird „insbesondere an Messstellen (beispielsweise in Baustellen auf der Autobahn) eingesetzt, die für einen alternativen Messbetrieb ungeeignet wären“, heißt es in einer Antwort der Landesregierung vom 19. Februar 2019 auf eine Kleine Anfrage des Unnaer Landtagsabgeordneten Hartmut Ganzke (SPD).

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Seit die Autobahnpolizei den mobilen Luxus-Starenkasten einsetzt, misst sie doppelt so viele Geschwindigkeitsverstöße. Damit hat sie den Bußgeldstellen in Dortmund und im Kreis Unna erkleckliche Einnahmen beschert: Die Zahl der gemessenen Temposünden auf den Autobahnen im Revier der Autobahnpolizei Dortmund stieg von 118.578 im Jahr 2016 auf 220.228 im Jahr 2018. Vier Millionen Euro landeten 2018 allein in der Unnaer Kreiskasse.

Dass das Erfolgsmodell längere Zeit kaputt war, kam erst jetzt durch eine Anfrage dieser Redaktion nach der Jahresbilanz 2019 heraus. Diese liegt voraussichtlich erst Ende Februar vor und wird vermutlich durch den Ausfall geschmälert sein. Das Gerät ist inzwischen wieder repariert und ist seit dem 6. Januar 2020 wieder im Einsatz.

Einsatz auf der A1 zwischen Kamen und Unna

Der Hightech-Blitzer steht derzeit in der Brückenbaustelle, die sich in Fahrtrichtung Köln auf der A1 in Höhe Afferder Weg in Unna zwischen der Anschlussstelle Kamen/Bergkamen und dem Kreuz Dortmund/Unna befindet.

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Zu hohe Geschwindigkeit ist eine Hauptunfallursache auf den heimischen Autobahnen. „Wir blitzen nicht, um Autofahrer abzuzocken, sondern haben die Aufgabe, für Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen“, widerspricht Autobahnpolizeisprecher Peter Bandermann dem häufig geäußerten Vorwurf moderner Wegelagerei. „Wir wollen tödliche Unfälle verhindern. Wir wollen nicht bei Angehörigen anklopfen müssen und sagen, dass ein Familienmitglied auf der A1 bei Kamen verunglückt ist.“

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