Der Kamener Georg Palmüller ist seit mehr als drei Jahrzehnten Ahnenforscher aus Leidenschaft. Sein Hobby hat ihn vor rund 20 Jahren auch mit der Frau fürs Leben bekannt gemacht.

Kamen

, 22.08.2019, 14:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass Georg Palmüller sich irgendwann in seinem Leben für Ahnenforschung interessieren würde, liegt bei der Geschichte seiner Familie fast auf der Hand: Der Vater des Kameners stammt aus Ungarn. Er wurde als 18-Jähriger während des Zweiten Weltkriegs von der ungarischen Armee eingezogen, die Hilfsdienste für die deutsche Wehrmacht leisten musste. Er geriet in Dänemark in britische Gefangenschaft und die Briten rieten ihm schließlich, in Deutschland zu bleiben, weil seine Heimat von den Sowjets besetzt war. Die Familie mütterlicherseits stammt aus den Niederlanden und kam im Jahr 1900 durch den Bergbau von Zwolle nach Kamen.

Erste Ahnentafel auf einem Schmierzettel

Bei seinen ungarischen Verwandten war Georg Palmüller 1972 mit zwölf Jahren zu ersten Mal zu Besuch. Einige Jahre später als er 15 war, malte ihm ein Onkel aus Ungarn auf einem Schmierzettel so etwas wie den Familienstammbaum auf – etwas, was ihn damals noch nicht besonders interessierte.

Den Zettel behielt er trotzdem. Gut zehn Jahre später, Palmüller war Mitte 20, fiel ihm der Zettel erneut in die Hände. Diesmal erwachte sein Interesse an der Familiengeschichte. Er fragte sich unter anderem, wie seine ungarische Familie an den deutschen Nachnamen kam.

Georg Palmüller findet bei der Ahnenforschung auch die Frau fürs Leben

Georg Palmüller mit einer geschnitzten Ahnentafel seiner Familie, einem Geschenk seiner Frau. © Marcel Drawe

Schwierige Suche in Ungarn nach den deutschen Vorfahren

Zu einem Experten für Ahnenforschung wurde er dabei zwangsläufig. Es war nicht einfach, nachzuvollziehen, wie seine Familie von Deutschland nach Ungarn kam. „Das lag unter anderem daran, dass in Ungarn die Kirchenbücher nur bis 1770 zurückreichen“, sagt Palmüller. Damals war die Familie aber schon in Ungarn.

Erst nach langer Suche fand er die wahre Geschichte heraus: Die Familie Palmüller in Ungarn ging offenbar auf zwei Waisenjungen zurück, die ein Schäfer um 1750 angeworben hatte, um eine Schafherde nach Ungarn zu begleiten, die er dorthin verkauft hatte.

Familie zog mit den Schafen durchs Land

Viele Jahre blieb die Familie eine Schäferfamilie, was seine Suche noch mehr erschwerte. Sie zogen mit den Schafen durchs Land und hatten lediglich ein festes Winterquartier. Auch die Suche nach seinen niederländischen Vorfahren stellte Palmüller vor Probleme: Bis sie 1811 von Napoleon eingeführt wurden, hatten die Familien im Raum Zwolle keine Nachnamen.

Der Kamener recherchierte, knüpfte Kontakte zu anderen Ahnenforschern und zum „Zentrum für Familienforschung“, das in Dortmund bei den Mormonen angesiedelt ist. Bei den Mormonen ist Ahnenforschung Bestandteil der Religion und sie haben Kirchenbücher und andere Dokumente überall auf der Erde verfilmt – auch die aus Ungarn.

Georg Palmüller findet bei der Ahnenforschung auch die Frau fürs Leben

Ahnenforscher Georg Palmüller mit Sohn Philipp und seiner Frau Nancy Myers. Das deutsch-amerikansiche Paar hat sich vor 20 Jahren durch die Ahnenforschung kennengelernt. © Marcel Drawe

Bei der Ahnenforschung die Frau fürs Leben kennengelernt

Sein Interesse an der Ahnenforschung, der er im Laufe der Jahre mehr und mehr Zeit widmete, führte schließlich auch dazu, dass er 1999 seine spätere Frau Nancy Myers kennenlernte. „Damals habe ich eine E-Mail von Nancy bekommen, ob ich ihr bei der Suche nach ihren deutschen Vorfahren helfen kann“, erinnert sich der Ahnenforscher. Irgendjemand aus seinem Bekanntenkreis hatte seine Adresse an die US-Amerikanerin weitergegeben.

Da die familiären Wurzeln von Nancy Myers mütterlicherseits in Berleburg liegen, entschloss Palmüller sich, sie zu begleiten. Wegen einer Autopanne, deren Folgen sie zu bestehen hatten, kamen sich die beiden näher. Sie wurden ein Paar und heirateten.

Stammtisch für Ahnenforschung in Unna

Die Ahnenforschung ist seitdem ihr gemeinsames Hobby geblieben, das einen großen Teil ihres Lebens beansprucht. Wer ihr Haus in Kamen betritt, kann das kaum übersehen: An der Wand über dem Esstisch hängt eine geschnitzte Ahnentafel der Familie Palmüller. In Regalen stehen Ordner mit historischen Fotos und Dokumenten.

Monatlicher Stammtisch

Treffpunkt für Ahnenforscher in Unna

Der Ahnenforscher-Stammtisch, den Georg Palmüller leitet, trifft sich jeweils am ersten Donnerstag im Monat um 17 Uhr im „Landhaus Massener Heide“ in Unna. Ausnahme ist der Oktober, weil der erste Donnerstag auf den Feiertag, 3. Oktober, fällt. Deshalb trifft sich der Stammtisch erst am 10. Oktober.
Richtig interessant finden beide die Ahnenforschung, weil sie sich parallel mit dem Alltagsleben der Menschen in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten beschäftigen, das oft von existenzieller Not geprägt war. Mittlerweile versucht der Kamener Ahnenforscher auch anderen Menschen zu helfen, die auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Familie sind. Er leitet den Ahnenforscher-Stammtisch, der sich seit einigen Jahren regelmäßig am ersten Donnerstag im Monat im Landhaus Massener Heide in Unna trifft.

Außerdem ist Georg Palmüller schon seit etwa 30 Jahren Berater für Ahnenforschung im „Center für Familiengeschichte“ bei den Mormonen in Dortmund. Er selbst ist nicht Mormone, sondern evangelisch – auch das ist ein Erbe der Familiengeschichte.

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