Das denkmalgeschützte VHS-Haus am Geist, das ein historisch wertvolles Apotheken-Inventar birgt, wird zum Schmerzzentrum. Mit einer medizinischen Nutzung geht es damit zurück zu den Wurzeln.

Kamen

, 03.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Dort, wo die Kamener bisher Fitnesskurse buchen, um gesund zu bleiben, können sie künftig Schmerzen bekämpfen, falls sie dann doch nicht mehr gesund sind. Das VHS-Haus am Geist 1, aus dem die Volkshochschule Kamen-Bönen in den nächsten Tagen auszuziehen wird, kehrt zurück zu seinen Wurzeln und wird medizinisch genutzt. Der Gesundheitsdienstleister Isomed, bekannt in Kamen durch zwei Standorte am Hellmig-Krankenhaus (Reha Kamen) und an der Lünener Straße (Reha Kamen, Haus II), wird dort ein Schmerzzentrum unter dem Namen „Alte Apotheke. Privates Schmerzzentrum“ einrichten.

Geheimnis ums VHS-Haus ist gelüftet: Alte Apotheke wird zum Schmerzzentrum

Investor Michael Nosiadek und Isomed-Inhaber Helmut Gärtner stellen ihre Pläne zum Umbau und zur neuen Nutzung des VHS-Hauses am Geist vor. Nosiadek hatte über unsere Zeitung erfahren, dass das Haus zum Verkauf steht und stieg danach sofort in Verhandlungen ein. © Stefan Milk

Das Geheimnis ist gelüftet: Ein Schmerzzentrum

Damit ist das Geheimnis gelüftet, was mit dem denkmalgeschützten Haus passieren soll. Der neue Eigentümer und Investor Michael Nosiadek und Isomed-Inhaber Helmut Gärtner kündigten an, zusammen mit den Denkmalbehörden Hand in Hand zu arbeiten. Die oberste Denkmalpflegerin der Region, Dr. Bettina Heine-Hippler, ist nach mehreren Vorgesprächen, wie der historische Wert des Hauses erhalten werden kann, mehr als zufrieden. „Ich könnte Herrn Nosiadek auch als Denkmalpfleger einstellen“, lobte sie. Während im Erdgeschoss und im alten Gartenhaus ein Schmerzzentrum entsteht, werden in den beiden Obergeschossen drei Wohnungen, zwei mit 64 Quadratmetern und eine mit 94 Quadratmetern entstehen. Die Investition wird auf mehr als eine Million Euro beziffert. Über die Verkaufssumme des öffentlichen Gebäude machte die Stadt auf Anfrage der Redaktion keine Angaben. Zudem reagierte sie empfindlich auf öffentliche Kritik an der Informationspolitik. Nur über unsere Zeitung war das heimliche Verkaufsverfahren an die Öffentlichkeit gelangt, Ortsheimatpfleger hatten sich danach kritisch positioniert - nunmehr sind sie sehr einverstanden mit dem Konzept, wie Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß am Mittwoch mitteilte. Kurios: Über den Bericht unserer Zeitung fand sich schließlich der Käufer. Nosiadek: „Ich habe das mitten in der Nacht auf dem iPad gelesen, nachdem ich zuvor stundenlang über Bauvorschriften gebrütet hatte“, sagt er und schmunzelt.

Geheimnis ums VHS-Haus ist gelüftet: Alte Apotheke wird zum Schmerzzentrum

Die Schubladenfächer der Adler-Apotheke, in der die Geschäftsstelle der Volkshochschule Kamen-Bönen untergebracht war. Der Schrank ist künftig Teil des Schmerzzentrums „Alte Apotheke“. © Stefan Milk

Denkmalgerechtes Aufarbeiten von der Türklinke bis zum Giebel

Von der Türklinke bis zum Giebel. Auf die Frage, was das Gebäude historisch auszeichnet, könnte Heine-Hippler endlose Ausführungen machen. „Das ist eine ganze Latte. Es hat unzählige Stunden gebraucht, um alles zu besprechen“, sagt sie. Die Begeisterung, mit Nosiadek zusammenzuarbeiten, ist ihr deutlich anzumerken. „Er will Dinge umsetzen, die würde ich niemals fordern“, sagt sie. So soll der alte Schaugiebel, die vorgesetzte Fassade des repräsentativen Gebäudes, nach historischem Vorbild hergestellt werden. Dass sich das Gebäude bei dem Umbau verändert, sei auch für ein Baudenkmal zulässig und willkommen. „Es ist normal, dass der Eigentümer eigene Ansprüche hat.“ Doch in den Abstimmungsgesprächen sei deutlich geworden, wie groß das Interesse des Investors sei, jedes Detail zu berücksichtigen. „Man merkt, wie wichtig ihm das ist. Und erst dadurch kann so ein Gebäude zum Gesamtkunstwerk werden.“ Sie sei „superbegeistert“ und es sei ihr „eine Freude, dieses Projekt bei der Umsetzung zu betreuen“.

Geheimnis ums VHS-Haus ist gelüftet: Alte Apotheke wird zum Schmerzzentrum

Gruppenbild mit Investor, Betreibern, Denkmalpflegern und städtischen Mitarbeitern (v.l.) Dr, heine-Hippler, Ingelore Peppmeier, Mats Gärtner, Michael Nosiadek, Helmut Gärtner, Elke Kappen und Kai Sporea. © Stefan Milk

Fertigstellung bis Mai kommenden Jahres geplant

Durch den Auszug der VHS in diesen Tagen ist es Investor Nosiadek schon möglich, mit den Arbeiten zu beginnen, bevor der Kaufvertrag am 1. September wirksam wird. Ziel ist, den Umbau des altehrwürdigen Gemäuers aus dem Jahr 1886 bis zum Mai kommenden Jahres abzuschließen. „Das gelingt nur, wenn es keine Überraschungen in Wänden und Böden gibt“, sagt er. VHS-Gebäude und Gartenhaus werden mit einem gläsernen Wintergarten verbunden, der eine Höhe von etwa vier Metern hat. „Unsere Patienten sollen ja trockenen Fußes die Räume wechseln können“, ergänzt Helmut Gärtner. Sechs Mitarbeiter werden dort vor Ort sein, teilweise an den Standort gebunden, teilweise wechselnd von anderen Standorten, je nachdem, welche Fachkräfte benötigt werden. Behandelt werden Privatpatienten, Selbstzahler und gesetzlich versicherte Patienten, die von ihrer Krankenkasse eine Bezuschussung erhalten. Eine Heilmittelpraxis allein mit gesetzlich versicherten Patienten hätte die Investitionskosten nicht decken können, so Gärtner über ein Projekt, das auch unternehmerischen Mut erfordert: „Vor 20 Jahren hätte ich mich das nicht getraut.“

Apotheken-Inventar öffentlich zugänglich

Etwa 1000 Patienten jährlich

Isomed und Reha Kamen

  • Das Private Schmerzzentrum „Alte Apotheke“ am Geist 1 wird dritter Isomed-Standort in Kamen.
  • Die Mittel, die in der Privaten Schmerzklinik „Alte Apotheke“ eingesetzt werden, sind Physiotherapie, Manuelle Therapie, Osteopathie, Psychologie, Ergotherapie und Ernährungsberatung.
  • Die Eröffnung ist für Mai kommenden Jahres geplant. Etwa 1000 Patienten jährlich können dort betreut werden.
  • Isomed beschäftigt etwa 150 Mitarbeiter an sieben Standorten, darunter Marl, Werne, Lünen und Dortmund. Die Zentrale ist in Kamen.

Insgesamt wird es vier Behandlungsräume geben, einen davon im Gartenhaus. Zudem gibt es dort einen Raum für die sogenannte „Funktionelle Behandlung“, wo mit Fitnessgeräten zusätzlich an der körperlichen Stabilität gearbeitet wird. „Nach einem Beinbruch hat man durch den Gips erst einmal Spaghetti-Beine“, erläutert Gärtner. Ein gezielter Aufbau der Muskulatur und der Koordinationsfähigkeiten diene auch der Sturzprophylaxe. Glanzlicht des Hauses soll der Empfangsbereich für die Patientenaufnahme werden, für den das historische Apotheken-Inventar die Kulisse bietet. Nosiadek: „Ein großartiger Raum, der öffentlich zugänglich ist und nicht verschlossen.“ Kamener die sich für das Denkmal interessieren, haben also die Möglichkeit, dort Einblick zu erhalten. Auch all jene, bei denen es noch nicht im Rücken zwickt oder im Knie kracht.

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