Gegen das Insektensterben: Farbenpracht auf den ersten Blühstreifen

dzDoch Gefahr durch die Hitze

Ein Blütenmeer an den Randstreifen der örtlichen Felder. Dort, wo die Landwirte ihre Saat ausgebracht haben, tummeln sich nun Insekten. Doch Hitze und Trockenheit bilden auch eine Gefahr.

Kamen

, 27.06.2019, 11:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Blaue, gelbe und weiße Blüten - ein Farbenmeer dort, wo sonst ein unwirtlicher Grünstreifen war. Auf jenen ersten Metern, wo der Kamener Landwirt Frank Bowinkel sein im Frühjahr angekündigtes Blühstreifen-Vorhaben verwirklicht hat, ist die Saat aufgegangen und aufgeblüht - und damit auch sein Vorhaben, mehr insektenfreundliche Flächen zu schaffen. Jetzt tummeln sich dort Wild- und Honigbienen und zahlreiche weitere Insekten.

Gegen das Insektensterben: Farbenpracht auf den ersten Blühstreifen

Frank Bowinkel schüttete das Saatgut in den Saatguttank, wo es später mit einem pneumatischen Gebläse über einen gleichmäßigen Luftstrom verteilt wurde, um auf drei Metern Breite gleichmäßig ausgebracht zu werden. © Stefan Milk

Heißes Wetter lässt Blühstreifen dörren

Das heiße und trockene Wetter birgt für die Blühstreifen - wie auch für die andere Vegetation - Gefahren. „Die Bereiche, auf denen später eingesät wurde, benötigen jetzt dringend Wasser“, schildert der 36-jährige Landwirt. Ab Anfang Mai hatte er eine artenreiche Blumenmischung ausgebracht, um bisher triste Ackerrandstreifen in ein Blütenmeer zu verwandeln. Nach seinem öffentlichen Aufruf, sich an der Aktion zu beteiligen, hatten sich 75 Teilnehmer gefunden, die seine Aktion gegen das Insektensterben unterstützen. Statt der zuvor geplanten drei Kilometer Blühstreifen wurden es nahezu fünf Kilometer - an der Derner Straße in Kamen und an der Nordfeldstraße/Auf dem Braam in Bergkamen.

Gegen das Insektensterben: Farbenpracht auf den ersten Blühstreifen

Frank Bowinkel bei der Aussaat für Blühstreifen an seinen Feldern. Im Vordergrund zu sehen sind die Metallstriegel, die die Saatrille, aus der die Pflanzen keimen, zustreichen wird. Trockenheit bereitet nun Probleme an einigen Blühstreifen-Standorten. © Stefan Milk

Phacelia, Mohn und Buchweizen in Blüte

An der Derner Straße in Höhe der Eisenbahnbrücke sind die ersten Blühstreifen angelegt worden. Dort blüht jetzt hellblau die Phacelia, dunkelrot der Mohn und weiß der Buchweizen. „Man kann jetzt erkennen, dass die früh ausgesäten Bereiche klar im Vorteil sind“, sagt Bowinkel. Jene Bereiche, die später angelegt wurden, keimten für den Frühjahrsregen zu spät. Für mehr Wachstum wäre mehr oder wenig Niederschlag nützlich. „Auf Regen müssen wir jetzt alle hoffen“, sagt der Landwirt auch mit Blick auf seine Nutzpflanzen. Durch das trockene und heiße Vorjahr sei man schon mit einem Defizit an Bodenfeuchtigkeit in das neue Erntejahr gegangen. „Wir hatten zwar mehr Regen im Frühjahr, doch dadurch wurde kein Wasservorrat in den Böden angelegt. Das ist immer noch alles auf Kante genäht“, sagt er. Für die schweren Lehmböden der Region, die im Vergleich zu leichten Sandböden viel mehr Wasser speichern können, sei das untypisch. Immerhin: Das Getreide, so Bowinkel, mache einen ganz guten Eindruck, vor allem die Gerste. Der Weizen benötige aber noch mehr Regen. Und tropische Nächte über 20 Grad seien für das Korn schädlich.

Gegen das Insektensterben: Farbenpracht auf den ersten Blühstreifen

Die Mischung, die ab Mai ausgesät wurde und nun aufgegangen ist, besteht aus Buchweizen, Rauhafer, Öllein, Inkarnatklee, Phacelia, Sonnenblume, Wicke, Koriander, Fenchel, Dill, Rotklee, Futtermalve, Borretsch und Ringelblume. © Stefan Milk

Mehr Regen dringend notwendig

Mehr Regen dringend notwendig - das gilt nun auch für die Blühstreifen, die noch nicht richtig in Schwung gekommen sind. Anspruchslose Wildkräuter wie Knöterich und Melde nutzen die Schwäche aus, um Raum zu gewinnen. Für Landwirte wie Bowinkel in dieser Region ist die Trockenheit durchaus ein neuartiges Phänomen. „Unsere Lehmböden haben die Pflanzen bisher immer gut versorgt. Wir hatten eher das Problem, dass es oft zu nass war - zu trocken gab es bisher nicht.“

Insgesamt haben die Landwirte in der Region Ruhr-Lippe (Kreis Unna, kreisfreie Städte Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) 500 Kilometer Blühstreifen entlang ihrer Felder mit blühenden Pflanzen bestellt, so hatte der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband gemeldet. Allein 250 Kilometer davon entstanden im Rahmen der Aktion des Landwirtschaftsverbandes „Blühendes Band durch Bauernhand“. Im vergangenen Jahr, als die Aktion erstmals im Verbandsgebiet aufgelegt wurde, entstanden so 150 Kilometer Blühstreifen. Die Mischung besteht nicht nur aus Buchweizen, Phacelia und Mohn, sondern auch aus Rauhafer, Öllein, Inkarnatklee, Sonnenblume, Wicke, Koriander, Fenchel, Dill, Rotklee, Futtermalve, Borretsch und Ringelblume. „Honigbienen, Hummeln, Wildbienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten spielen für den Erhalt der Artenvielfalt von Wildpflanzen, aber auch bei der Bestäubung von Kulturpflanzen, wie Obst oder Raps, eine wichtige Rolle“, heißt es bei der Kulturstiftung.

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