Unterricht auf Distanz am Gymnasium in Kamen: Physiklehrer Bernhard Kohl zeigt einen Versuch, die Schüler schauen von zu Hause aus zu. Diesen Versuch aus dem Bereich der Quantenphysik dürften die Schüler ohnehin nicht selber durchführen. Doch auch Versuche, bei denen das möglich wäre, muss Kohl während des Lockdowns alleine vorführen. © privat
Unterricht auf Distanz

„Ganz schön einsam“: So erleben Lehrer den Distanzunterricht

Bernhard Kohl ist seit über 20 Jahren Lehrer. Eine Situation, wie er und seine Schüler sie derzeit durchmachen, hat er seitdem nie erlebt. Das Lernen auf Distanz ist auch für Lehrer ungewöhnlich.

Seit 1989 unterrichtet Bernhard Kohl nun schon. Doch vor dem Laptop hat er seitdem noch nie Versuche durchführen müssen. Und bislang konnte er seine Schüler auch immer persönlich aufrufen. Im Lockdown steht die Welt jedoch Kopf. Kohl steht alleine im Klassenraum und führt Versuche vor, dabei schaut er in die kleine Kamera am Laptop.

Der Raum im Gymnasium ist leer, wenn ein Schüler sich meldet, dann ragt kein ausgestreckter Arm nach oben, sondern es ploppt eine Meldung im Office-Programm „Teams“ auf. Ein Zeichen dafür, dass ein Schüler etwas zu sagen hat oder eine Frage stellen möchte.

„Es ist ganz schön einsam“, sagt Kohl. Der 62-Jährige unterrichtet seine Schüler während des Lockdowns von der Schule aus. Von zu Hause kann er keine Versuche vorführen. Und die sind ein wichtiger Teil des Physikunterrichts. Kohl gestaltet seinen Unterricht so wie sonst auch. „Die 24 vorgeschriebenen Versuche laufen ganz normal weiter.“ Durchführen muss er die Versuche allerdings alleine – in normalen Zeiten dürfen das manchmal auch die Schüler selbst.

Die Versuche im Physikunterricht laufen normal weiter

Manche Versuche gibt es auch als Streams im Internet. Dort können die Schüler mit Klicks bestimmte Versuche selbst durchführen. Manche Effekte seien in den Simulationen sogar schöner als es im Klassenraum möglich wäre.

Das Lernen auf Distanz, es funktioniert bei Bernhard Kohl. Technisch gebe es keine Probleme, nur einmal meldete eine Schülerin an, dass ihr Beitrag etwas später komme, weil bei ihr zu Hause gerade drei Personen gleichzeitig im Netz arbeiten. Doch abgesehen davon gab es bei Kohl bislang keine Schwierigkeiten.

Zufrieden ist Kohl mit der Situation aber trotzdem nicht. Ihm fehlt der Austausch mit seinen Schülern – vor allem für die angehenden Abiturienten wäre er gerne wieder persönlich da.

Kohl, der zuvor 13 Jahre lang in Witten unterrichtete, bevor es ihn im Jahr 2004 zurück zu jener Schule gezogen hat, die er einst selbst besuchte, hofft, dass Präsenzunterricht bald wieder möglich sein wird, zumindest in Kleingruppen. „Das würden wir geregelt bekommen.“

Für die Lehrer bedeutet das Unterrichten auf Distanz mehr Arbeit

Er wünscht sich das für seine Schüler, aber auch für sich und seine Kollegen. Denn für die Lehrer bedeutet das Unterrichten auf Distanz einen Mehraufwand. Weniger wegen der Technik, sondern eher wegen der persönlichen Betreuung. Kohl und die anderen Lehrer bearbeiten alle Rückmeldungen der Schüler individuell. „Das ist wesentlich und wichtig“, so Kohl.

Dinge, die aber sonst im Unterricht oder im Vorbeigehen besprochen werden könnten, machen nun deutlich mehr Arbeit, weil für jedes Anliegen eine Mail, ein Chat oder ein (Video-)Anruf nötig ist.

Nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer sehnen sich also die Normalität zurück. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf.“

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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