Beim Straßenmusikfest unter der Hochstraße am vergangenen Samstag erlebten die Besucher Musik hautnah. Für viele der angereisten Künstler ist die Straße eine Möglichkeit, ihr musikalisches Talent zu beweisen.

von Ann-Christin Herbe

Kamen

, 22.07.2018, 15:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für viele Musiker ist die Straße die erste Bühne. Doch um sich wirklich eine Gitarre umzuschnallen und nicht nur zu Hause in der Dusche oder vor dem Spiegel zu singen, ist Überwindung nötig. Das wissen Selkie Anderson und Daniel Rotfuchs ganz genau. Beide begeisterten auf dem Straßenmusikfest am vergangenen Samstag die Besucher, beide haben auf der Straße angefangen, Musik zu machen. „Straßenmusik ist sehr ehrlich. Man bekommt die Reaktionen der Menschen unmittelbar mit und spürt ihre Stimmung“, sagt Rotfuchs. Mit einem Auftritt auf einer Bühne könne man das nicht vergleichen. „Es gibt einem aber auch unheimlich viele Möglichkeiten, Neues direkt auszuprobieren. Und wenn einem Passanten die Musik nicht gefällt, kann er direkt weitergehen“, ergänzt Anderson.

Das Straßenmusikfest unter der Hochstraße profitiert von dieser Mischung aus vielen verschiedenen musikalischen Einflüssen und dem Gefühl, ganz nah an den Künstlern dran zu sein. Immer wieder bleiben die Besucher stehen, hören einen Moment zu, zücken ihr Smartphone für eine Videoaufnahme und gehen dann weiter.

Besonders gut kommt beispielsweise Sänger Lucas Rieger an. Der 17-jährige singt mit kraftvoller Stimme und begleitete sich dazu selbst am Klavier sowie auf der Gitarre und holt zur großen Verwirrung einiger Schaulustiger einen Spaten hervor, den er quer über seinem Schoß drapiert. „Ich wusste gar nicht, dass man auf einen Spaten Saiten ziehen kann und darauf Musik machen kann“, sagt Besucherin Kerstin Schneider fasziniert, „ich finde, die Idee eines Straßenmusikfestes ist super.“

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Straßenmusikfest

22.07.2018
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Percussionist Daniel Rotfuchs spielt die sogenannten Space-Drums, ein besonderes Rhythmusinstrument.© Stefan Milk
Auch für Kinder wurde viel geboten. Trotz kleiner Regengüsse tobten die kleinen Gäste begeistert auf der Trampolinanlage.© Stefan Milk
Die Harfenistin Selkie Anderson schätzt die vielfältigen Möglichkeiten, die Straßenmusik den Künstlern bietet.© Stefan Milk
Beim Straßenmusikfest gab es auch Kunst zu bestaunen, etwa die hölzernen Wohn- und Designobjekte der Künstlerin Sara Kosmela.© Stefan Milk

Christoph Jäger und Lena Thiehofe haben einen mit Holz befeuerten Steinofen auf ihrem Imbisswagen und boten Pizza und andere Köstlichkeiten auf dem Straßenmusikfest an.© Stefan Milk

Auch Kerstin Keil ist fasziniert, allerdings von den sogenannten Space-Drums, einem Percussion-Instrument. Künstler Daniel Rotfuchs erklärt ihr geduldig, wie man das außergewöhnlich gebogene Klanginstrument spielt. „So eine Space-Drum habe ich noch nie gesehen, das klingt echt außergewöhnlich“, sagt Keil. Rotfuchs sammelt Instrumente aus aller Welt. Das exotischste Exemplar in seiner Sammlung sind sogenannte Angklungen aus Indonesien, kleine Shaker, die man im Rhythmus der Musik schüttelt.

Das musikalische Angebot wechselt im 30-Minuten-Takt. So ist für alle Besucher etwas dabei. Nicht nur gesanglich ist das Programm vielfältig, sondern auch instrumentell. Von der Gitarre über die Harfe bis hin zu den Space-Drums und dem Marimbaphon ist alles dabei. Einige Musiker laufen bei ihren Auftritten sogar durch die Menge. So zum Beispiel die Band Rumbacoustic. Sie spielen lateinamerikanische Musik, die nicht nur gute Laune macht, sondern auch ein Kitzeln in den Hüften mancher Besucher weckt, sich rhythmisch zur Musik zu bewegen.

Das Straßenmusikfest kommt gut an bei den Besuchern. Ein Erfolg also für Lara Brix, die Auszubildende bei der Stadthalle Kamen, die das Straßenmusikfest organisiert hat. „Ich war sehr aufgeregt, weil es meine erste geplante Großveranstaltung war. Aber die Rückmeldungen, die ich bekomme, sind sehr positiv. Einige haben schon gesagt, dass sie sich mehr solcher Veranstaltungen wünschen.“

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