„G9“ am Kamener Gymnasium: „Das kriegen wir hin“

dzAufbruchstimmung

Durchweg optimistisch bricht das Kamener Gymnasium in die „G9“-Zukunft auf: Die Kinder, die sich jetzt auf den Weg zum Abitur machen, haben dafür neun Jahre Zeit. Dadurch wird vieles besser.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 28.08.2019, 13:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die neuen Lehrbücher sind zwar noch nicht da – der Aufbruchstimmung nach den großen Ferien tut das aber keinen Abbruch. Dass mit der Rückkehr auf den neunjährigen Weg zum Abitur vieles besser wird, davon ist am Kamener Gymnasium nicht nur Schulleiterin Angelika Remmers überzeugt. „Das kriegen wir hin“, sagt sie – und ihr Optimismus wirkt ansteckend.

Umstritten war die Rückkehr zu „G9“ an der Schule sowieso nicht. Obwohl die Gremien auch die unausweichlichen Nachteile der Systemumstellung ernst und intensiv diskutiert hatten. Zum Beispiel das Problem der Wiederholer: Wenn ein Schüler des letzten G8-Jahrgangs (aktuell die Jahrgangsstufe 6) die Versetzung nicht geschafft hat, verliert er auf dem Weg zum Abitur gleich zwei Jahre. Besonders heikel, wenn das in der Abiturprüfung passieren würde. Im Schuljahr 2027/28 haben alle zum G9-System zurückkehrenden Gymnasien keine Jahrgangsstufe „Qualifikationsphase II“, die direkt aufs Abitur zusteuert. Möglicherweise müssten Wiederholer dann zur Gesamtschule wechseln.

Gute Kooperation mit der Gesamtschule

Aber auch dafür werde es gute Lösungen geben, versichert Angelika Remmers. Ohnehin sei die Kooperation mit der Gesamtschule sehr konstruktiv. „Wir haben sehr kooperative Partner dort“, weiß Remmers. Eine Vielzahl praktischer Lösungen beweise das. Zum Beispiel wenn Gesamtschülern der Zugang zum Physik-Leistungskurs am Gymnasium ermöglicht werde – oder Gymnasiasten den Erdkunde-LK an der Gesamtschule wählen könnten.

Viele praktische Vorteile

Für die „neuen“ Jungen und Mädchen, die sich am Gymnasium jetzt im Zeichen von „G9“ auf den Weg machen, ist das natürlich noch lange hin. Die Vorzüge des „neuen“ Systems liegen viel näher: Dass die zweite Fremdsprache erst ab der 7. Klasse unterrichtet wird, dass der ungeliebte Nachmittagsunterricht zumindest in der Unter- und Mittelstufe wegfällt, dass mehr Möglichkeiten für die Förderung besonderer Talente einerseits und für die Hilfestellung bei Schwächen andererseits entsteht.

Die sogenannten „Ergänzungsstunden“ sind das Mittel dazu. Sie vor allem öffnen den Gestaltungsspielraum für die Schulen. Und das bedeute ein „wirklich großes Maß an Freiheit“, lobt Angelika Remmers. Frühzeitig seien die neuen Lehrpläne für das Modell G9 zur Verfügung gestellt worden. „Da konnten wir uns einbringen – und diese Möglichkeit haben wir auch sehr gern in Anspruch genommen“, so die Kamener Schulleiterin.

Dass es in einigen Jahren zu eng werden könnte, weil einfach eine Jahrgangsstufe mehr zu unterrichten ist, glaubt Angelika Remmers nicht. Immerhin gab es zu Zeiten weitaus stärkerer Jahrgänge auch mal bis zu 1500 Schüler am Kamener Gymnasium. Auch das funktionierte – und so ist die Hoffnung durchaus nicht unbegründet, dass auch die inzwischen geschaffenen neuen Fach- und Funktionsräume erhalten werden können.

Neue Lehrer werden sicherlich gebraucht, wenn es in einigen Jahren einen ganzen Jahrgang zusätzlich geben wird am Kamener Gymnasium. Aber auch im Hinblick darauf schaut Remmers gelassen in die Zukunft. „Wir haben ein sehr junges, motiviertes Kollegium – und wir haben haben derzeit keinen fachspezifischen Lehrermangel.“ Beste Chancen also, die Zukunft selbstbewusst anzugehen. Am besten nach der einfachen Formel: „Das kriegen wir hin!“

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