Vier Stürze, vier Verletzte: Neue Mitte Heeren wird zur Risiko-Baustelle für Fußgänger

dzNeue Mitte Heeren

Claudia Gädke (54) brach sich die Hand, als sie auf der Baustelle für den neuen Heerener Ortskern stürzte. Sie ist eines von vier Sturz-Opfern – und wirft der Stadt eine schlechte Baustellenabsicherung vor.

Kamen

, 28.01.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Claudia Gädke trägt ihre gebrochene rechte Hand in einer Schiene. Ihr linkes Knie ist lädiert. „Ich kann nicht richtig laufen“, sagt die 54-Jährige. Dazu kommt noch eine Prellung am Bein.

Die Heerenerin hat sich so schlimm verletzt, als sie am 27. November auf der Baustelle an der Märkischen Straße stürzte. Sie stolperte nach eigenen Angaben über gummiartige Matten, die dort ausgerechnet zur Absicherung einer Gefahrenstelle hingelegt worden sein sollen. „Die sollten einen Gully ausgleichen, lagen aber nicht Stoß an Stoß“, sagt Gädke.

Schon das vierte Sturz-Opfer auf der Baustelle

Die verunglückte Heerenerin ist eines von mindestens vier Sturz-Opfern der Baustelle für die sogenannte Neue Mitte. Sie wirft der Stadt Kamen eine unzureichende Baustellenabsicherung vor – ebenso wie Jutta Frank (65) aus Bergkamen, die am 4. November der Länge nach auf einer Schotterfläche hinfiel und sich dabei laut ärztlichem Attest Prellungen und Hautabschürfungen zuzog.

Dazu kommt noch der bereits öffentlich gewordene Fall einer namentlich unbekannten Frau, die laut Stadt Kamen am 10. Dezember im Bereich einer Abflussrinne an einer Kante auf einer noch nicht abgerüttelten neuen Pflasterfläche stürzte. Sie soll Prellungen und eine Schürfwunde erlitten haben. Zudem erklärte Stadtsprecher Peter Büttner am Dienstag nach einer erneuten Anfrage zu Fußgänger-Stürzen, dass es noch einen vierten Schadenfall gebe, ohne Details zur Person zu nennen.

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So weit sind die Bauarbeiten für die Neue Mitte in Heeren-Werve

Die Bauarbeiten für die sogenannte Neue Mitte in Heeren-Werve gehen am 29. Januar in eine neue Phase. Dann wird die Nordhälfte der Märkischen Straße neu asphaltiert.
28.01.2020
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Die Märkische Straße in Heeren-Werve mit dem Platz zwischen Sparkasse (M.) und Volksbank (r.) wird umgebaut.© Marcel Drawe
Pflasterarbeiten laufen am Dienstag (26.1.) im östlichen Bereich am Übergang zu einer Grünanlage.© Marcel Drawe
Die Nordhälft der Fahrbahn der Märkischen Straße ist so weit vorbereitet, dass hier die Asphaltarbeiten beginnen können.© Marcel Drawe
Auf dem zentralen Platz fehlen noch die neuen Pflastersteine.© Marcel Drawe
Der Bereich vor den Geschäften am Rande des Platzes ist weitgehend mit einen neuen Belag versehen.© Marcel Drawe
Die Neugestaltung des Heerener Ortskerns soll rund 1,7 Millionen Euro osten.© Marcel Drawe
Während der Bauarbeiten sind alle Geschäfte erreichbar gewesen. Fußgänger musste aber über unwegsames Gelände durch ein Labyrinth aus Absperrungen gehen.© Marcel Drawe
Die Märkische Straße ist während der Bauarbeiten eine Einbahnstraße, die nur in östliche Richtungn befahrbar ist.© Marcel Drawe

Auf neu gepflastertem Bereich gestürzt

Neue Mitte Heeren

Neue Verkehrsführung

  • Die Bauarbeiten für die Neue Mitte in Heeren-Werve gehen am Mittwoch, 29. Januar, in eine neue Phase. Es gibt eine geänderte Verkehrsführung.
  • Der Verkehr von der Mittel- bis zur Westfälischen Straße wird über den südlichen Seiten- und Parkstreifen geleitet, damit die nördliche Straßenseite neu asphaltiert werden kann. Sobald der nördliche Teil den neuen Belag erhalten hat, wechselt die Verkehrsführung auf Nordseite, damit der südliche Teil bearbeitet werden kann. Dies werde in voraussichtlich fünf Wochen der Fall sein, teilte die Stadt Kamen am Dienstag mit. Die bisherige Einbahnstraßenregelung bleibe bestehen.
  • Die Märkische Straße einschließlich Fahrbahn, Gehwegen und Platz vor Volksbank und Sparkasse wird seit September 2019 auf einer Länge von 160 Metern von Grund auf erneuert. Für 1,7 Millionen Euro wird der Ortskern von Heeren-Werve in eine Art Flaniermeile umgewandelt. Der Clou ist ein Sitzdeck in Form des Wappentiers Einhorn.

Vier Stürze, vier Verletzte – damit wird die Baustelle zur Heerener Ortskern-Umgestaltung zur Risiko-Baustelle der Stadt Kamen. Die Opfer Gädke und Frank, die sich an die Öffentlichkeit wandten, fühlen sich im Stich gelassen. Auch nicht auf Kulanzbasis, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, ist die Stadt Frank und Gädke entgegen gekommen.

Die Stadt hat in allen Fällen die Kommunalversicherung GVV eingeschaltet. Deren Ablehnungsschreiben lassen sich, so weit die Redaktion sie einsehen konnte, so zusammenfassen: Die Frauen hätten besser aufpassen müssen. „Bislang wurden alle Forderungen durch die GVV abgelehnt“, teilte Stadtsprecher Büttner am Dienstag bezogen auf alle vier Fälle mit.

Die Stadt Kamen hat bereits in einer Stellungnahme nach Bekanntwerden des zweiten Sturzes vom 10. Dezember den Vorwurf zurückgewiesen, dass die Baustelle nicht ordnungsgemäß abgesichert wurde.

Um Stolperfallen zu entschärfen, habe die Baufirma schon seit Beginn der Arbeiten Gummimatten eingesetzt. Diese würden nun großflächiger ausgelegt, „um weitere Stürze möglichst zu verhindern“, hieß es in der Stellungnahme vor Weihnachten. Genau über diese Matten ist Gädke gestürzt, wie erst jetzt bekannt geworden ist.

Zeugen für Sturz gesucht

Gädke leidet auch zwei Monate später immer noch unter den Unfallfolgen. Durch die gebrochene rechte Hand ist die Rechtshänderin im Alltag eingeschränkt. Als Erwerbsunfähigkeitsrentnerin kämpft sie ohnehin mit ihrer Gesundheit. Dazu belasten die Unfallfolgen die Haushaltskasse, weil Gädke wegen ihres Handicaps kein Auto fahren kann, nun Bus fährt und Tickets kaufen muss. Dazu kommen noch weitere Ausgaben. Die Handschiene habe 45 Euro gekostet.

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Die gestrauchelte Rentnerin versucht weiterhin, Beweise dafür zu sammeln, dass die Baustelle unzureichend gesichert war. Sie selbst fotografierte die Unfallstelle einige Tage nach dem Sturz. Sie hofft, Zeugen ausfindig zu machen, die gesehen haben, wie sie am 27. November, kurz vor 16 Uhr, vor der Volksbank an der Märkischen Straße hinfiel. Zudem hat sie einen Anwalt eingeschaltet.

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