Er ist „ein besonderes Geschenk auf Zeit“: Der indische Pfarrer Niraj Toppo. Jetzt kehrt der fröhliche Geistliche, der im Vatikan studiert, zurück nach Indien. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen.

Heeren-Werve

, 21.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein besonderes Geschenk auf Zeit machte Bischof Vincent Aind aus der Diözese Bagdogra im indischen West-Bengalen der Kath. Gemeinde aus Heeren bei seinem letzten Besuch: Father Niraj Toppo.

Seit dem 30. September ist der 36-jährige Priester aus Indien in der Heerener Gemeinde aktiv. Jetzt wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Father Niraj kehrt am 28. Dezember zurück in seine indische Heimat. Zuvor zelebriert die Gemeinde an diesem Samstag einen Abschiedsgottesdienst für Father Niraj, der das Weihnachtsfest noch hier in Heeren-Werve feiern wird.

Für Pfarrer Niraj heißt es Abschied nehmen: Jetzt zurück in die indische Heimat

Father Niraj Toppo fühlt sich sichtlich wohl bei seinem Gastgeber Martin Otto (links) und Amtskollege Pfarrer Benno Heimbrodt. Der Abschied von Bönen fällt dem jungen Priester aus Indien schwer. Am 28. Dezember geht es zurück in die Heimat. © Presch Kira

Nicht zum ersten Mal in der Gemeinde zu Gast

Der junge Mann ist nicht zum ersten Mal in der Gemeinde zu Gast. Bereits zum dritten Mal besucht er Heeren-Werve und auch Bönen. Erstmals kam er 2017 während seiner Semesterferien aus Rom. Dort studierte er drei Jahre lang im Vatikan und schloss sein Studium jetzt mit Bestnote ab. Seine Heimatdiözese ermöglichte dem jungen Mann aus einfachen Verhältnissen Studium, Unterkunft und Verpflegung – für den persönlichen Bedarf kam Unterstützung aus der Gemeinde. Martin Otto, Pfarrer Benno Heimbrodt und andere Gemeindemitglieder sorgten aber nicht nur für finanzielle Hilfe, sie luden ihn auch ein, seine Semesterferien in Kamen und Bönen zu verbringen.

Für Pfarrer Niraj heißt es Abschied nehmen: Jetzt zurück in die indische Heimat

Father Niraj Toppo liest die Messe. In der Messe breitet er die Arme aus und begrüßt die Messe-Besucher mit „Meine liebe Gemeinde“. „Darauf warten schon alle“, wie Pfarrer Benno Heimbrodt sgt. © Martin Otto

Kein Zuhause in der vorlesungsfreien Zeit

„In der vorlesungsfreien Zeit mussten wir das Seminar in Rom verlassen“, erzählt Father Niraj. Ein Flug heim nach Indien kam für ihn aus Kostengründen nicht in Frage. Also lud die Pfarrei St. Barbara ihn kurzerhand ein. Martin Otto, der den Verein „Hilfe für Kinder in Chatterhat-Indien“ (HfK) betreut, kannte Niraj Toppo schon von seinen Besuchen im Kinderdorf Ashagram, wo der junge Inder zuvor unterrichtet hatte. Also bot er an, bei ihm zu wohnen und die Semesterferien in Bönen und auch Heeren-Werve zu verbringen.

Und weil er sich wohl fühlte in der Gemeinde und wie in einer großen Familie aufgenommen wurde, wie er selber sagt, kam er 2018 zurück – diesmal für zwei Monate – und unterstützte die Pfarrei St. Barbara nach Kräften.

Nach Abschluss seines Studiums im September nahm er erneut die Einladung der Pfarrei St. Barbara an, zu der die Gemeinden St. Bonifatius und Christ König in Bönen sowie Herz-Jesu in Heeren-Werve gehören. Inzwischen fühlt sich der junge Inder schon richtig heimisch hier.

Für Pfarrer Niraj heißt es Abschied nehmen: Jetzt zurück in die indische Heimat

Pfarrer Niraj mit Bischof Victor Aind auf dem Bönener Zechenturm. © Privat

Mit positiver und fröhlichen Art Freunde gewonnen

„Das ist mein zweites Zuhause“, sagt Father Niraj und strahlt über das ganze Gesicht. „Ich bin so herzlich aufgenommen worden, und verdanke den Menschen hier so viel.“

Dabei kann er gar nicht oft genug betonen, wie toll die Menschen hier in der Region sind. „Die Leute hier haben so viel Herz und sind sehr geradeaus“, sagt Niraj Toppo. „Sie müssen hart arbeiten, für das, was sie haben, aber sie geben auch sehr viel.“

Mit seiner positiven und fröhlichen Art hat er inzwischen viele Freunde gewonnen. Mittags ist er deshalb immer irgendwo eingeladen zum gemeinsamen Mittagessen. „Abends kochen wir meistens zusammen, wenn ich von der Arbeit komme“, erzählt Martin Otto. Und was kommt da so auf den Tisch? „Das ist ganz unterschiedlich. Deutsche Hausmannskost oder auch indische Gerichte aus Niraj‘ Heimat. Seine Linsensuppe ist mir aber eindeutig zu scharf.“

Was schmeckt ihm besonders gut in Deutschland? Da grinst Father Niraj: „Döner!“ Kein Wunder, der türkische Fleischspieß ist das Lieblingsessen der Deutschen, der hier an jeder Ecke angeboten wird.

Niraj liebt Fußball und war auch schon beim BVB

Und was begeistert ihn in Deutschland besonders? Da muss Father Niraj nicht lange überlegen: „Fußball!“ Er liebt Fußball und schaut sich besonders gerne die Spiele des BVB an. „Natürlich waren wir auch schon live im Stadion – bei Borussia Dortmund“, berichtet Martin Otto. Der Besuch im Westfalenstadion, von den Fans liebevoll „Tempel“ genannt, gehörte deshalb zu den besonderen Erlebnissen während seines Besuchs.

Nicht nur Martin Otto ist inzwischen wie ein Bruder für den 36-Jährigen. Auch das Verhältnis zu Pfarrer Benno Heimbrodt ist ein Besonderes. „Die Chemie stimmt einfach“, sagt der Geistliche. Und weil das so ist, ergänzen sich die beiden Priester auch in der Gemeindearbeit mittlerweile perfekt. Nach dem Weggang von Vikar Gordon Richardt hat er in den vergangenen drei Monaten viele Aufgaben eines Geistlichen in der Pfarrei übernommen und Pfarrer Heimbrodt entlastet. „Er hat sehr schnell die Sprache gelernt und spricht schon richtig gut deutsch“, sagt Benno Heimbrodt voll Bewunderung. „Die Messe hält er bereits auf Deutsch.“

Es gebe ja Übersetzungshilfen im Internet, wirft Father Niraj bescheiden ein. Und dann schaue Martin Otto auch immer noch mal über den Text und glättet, wo Ausdrücke nicht wortwörtlich übersetzt werden können.

„Sein Platz ist in Indien. Dort warten wichtige Aufgaben auf ihn“

„Auf alle Fälle hat er schon ein Markenzeichen“, berichtet Benno Heimbrodt, der als Mentor sichtlich begeistert ist von seinem Schützling. „In der Messe breitet er die Arme aus und begrüßt die Messe-Besucher mit ,Meine liebe Gemeinde‘. Darauf warten inzwischen schone alle.“

Natürlich wäre es ein Traum, wenn Father Niraj in der Pfarrei St. Barbara bleiben könnte, räumt Benno Heimbrodt ein. „Aber sein Platz ist in Indien. Dort warten wichtige Aufgaben auf ihn.“ Niraj Toppo wird dort am Seminar künftige Priester ausbilden.

Dreieinhalb Jahre – während seines gesamten Studiums in Rom – war er nicht mehr zu Hause. So wohl er sich in seiner „zweiten Heimat“ Deutschland fühlt, jetzt freut er sich auf die Rückkehr nach Indien und das Wiedersehen mit seiner Familie und Freunden.

Dennoch werden heute wohl einige Tränchen fließen, wenn die Gemeinde ihn offiziell in der Herz-Jesu-Kirche verabschiedet. Bis zu seiner Abreise wird er aber noch mehrere Messen abhalten, um sich von den Gemeindemitgliedern zu verabschieden. Am 28. Dezember, genau an seinem 37. Geburtstag, kehrt er nach dreieinhalb Jahren zurück in seine Heimat – gleich ein doppelter Grund zum Feiern.

Am Samstag, 21. Dezember, findet der Verabschiedungsgottesdienst von Father Niraj um 17 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche in Heeren statt. An den folgenden Terminen wird er dann noch einmal die Messe halten oder mitgestalten: 22. Dezember um 11.30 Uhr: St. Bonifatius Bönen, 24. Dezember um 21.30 Uhr mit Pfarrer Heimbrodt in Herz Jesu Heeren, 25. Dezember um 9 Uhr, Herz Jesu Heeren, 26. Dezember um 10.15 Uhr, Christ König und 27. Dezember um 9 Uhr, St. Bonifatius Bönen.
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