Fritz-Haber-Straße in Kamen behält ihren Namen

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Nach wem ist eigentlich die Straße benannt, in der ich wohne? Diese Frage wird dann brisant, wenn der Namensgeber ein Kriegsverbrecher ist. In Kamen weist künftig ein Zusatzschild auf einen solchen Umstand hin.

Kamen

, 14.03.2019, 19:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Rat der Stadt Kamen hat mit deutlicher Mehrheit entschieden, dass die Fritz-Haber-Straße ihren Namen behalten soll. Die Namensgebung ist umstritten, weil Haber seit 1918 zwar ein Nobelpreisträger war, der den Welthunger bekämpft hat, aber auch ein Kriegsverbrecher, weil er das erste in einem Krieg verwendete Giftgas entwickelte. Bürgermeisterin Elke Kappen betonte seinen Ruf als „Vater des Gaskriegs“.

Politiker ächten Haber als Kriegsverbrecher

Der Verein Zivilcourage Kamen, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner/innen (DFG-VK) hatten gemeinsam einen Bürgerantrag gestellt, die Fritz-Haber-Straße in Clara-Immerwahr-Straße umzubenennen. Die neue Namensgeberin wäre die Ehefrau Habers gewesen, die sich gegen ihn positioniert hat und sich schließlich mit seiner Waffe erschossen hat.

Dass er neben seiner Erfindung des Stickstoffdüngers und der damit verbesserten Ernährung der Weltbevölkerung auch mit Phosgen und Chlorgas experimentierte und die Produktion von Giftgas ermöglichte, verurteilten alle Ratspolitiker.

Zusatzschild soll aufklären

Die Frage, ob die Straße in Methler umbenannt werden sollte, verknüpften die meisten Ratsfraktionen aber nicht nur mit den sachlichen Rahmenbedingungen. Timon Lütschen (Bündnis 90/Grüne) etwa forderte statt einer Umbenennung ein Zusatzschild. Dieses sorge dafür, dass sich die Menschen in Kamen weiterhin mit der Person Fritz Haber auseinandersetzten.

Die Sprecher von SPD, CDU und FW/FDP argumentierten ähnlich. Sie machten aber auch deutlich, dass die Anwohner der Straße selbst offenbar nur ein geringes Interesse an einer Namensänderung hätten. Die Verwaltung hatte 32 Haushalte angeschrieben, von 22 Antworten waren 15 ablehnend.

Einzig die Fraktion Die Linke/GAL machte sich für eine komplette Umbenennung stark. Klaus-Dieter Grosch machte dabei noch einmal deutlich, dass Haber den ersten Einsatz von Giftgas im Ersten Weltkrieg selbst begleitet hatte.

Karlsruher Modell

Erklärtext im Wortlaut

„Fritz Haber, 1868 – 1934 – Chemiker. Nobelpreisträger. Die von ihm 1913 an der Technischen Hochschule Karlsruhe entwickelte Ammoniaksynthese ermöglichte die Produktion von Düngemittel ebenso wie die von Sprengstoff. Im Ersten Weltkrieg war er maßgeblich am Einsatz von Giftgas als Waffe an der Front beteiligt. Dieses Kriegsverbrechen gilt heute als Beispiel für verantwortungslose Wissenschaft.“

Karlsruher Modell für Kamen

Mit großer Mehrheit entschied der Rat schließlich, das sogenannte „Karlsruher Modell“ auch auf Kamen anzuwenden. Dort wurde bereits zuvor über eine Umbenennung entschieden - mit dem Ergebnis, dass ein Zusatzschild die Person Fritz Haber genauer einordnet. Der dort genutzte Text soll so nun auch in Kamen auf einem kleinen Extraschild stehen.

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