Ein Rollator nach einem Unfall (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Unfall beim Rangieren

Frau mit Rollator durch Auto schwer verletzt

Eine Kamenerin rangiert ihren Wagen rückwärts aus der Grundstückseinfahrt. Plötzlich liegt eine ältere Dame mit Rollator am Boden. Wer trägt die Schuld an dem Unfall?

Aus der Einfahrt ihres Grundstücks in Kamen heraus zu fahren, ist für eine 58-Jährige jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung. Dass das Rangieren schiefgehen kann, erlebt die Frau am 29. September vergangenen Jahres.

Gegen 15 Uhr will sie rückwärts aus ihrer Einfahrt heraus. Vorsichtig rollt sie bis zum Bürgersteig. Dort versperrt zunächst eine Hecke die Sicht. Sie bleibt stehen, schaut noch einmal nach rechts und links und rollt langsam weiter. Plötzlich hört sie ein kratzendes Geräusch. Sie hält an und steigt aus. Draußen entdeckt sie nahe ihres Wagens einen Rollator. Dann sieht sie auch, wem das Gefährt gehört, denn eine ältere Dame liegt auf der Straße. Sie klagt über Schmerzen im Bein. Später wird sich herausstellen, dass der Oberschenkel gebrochen ist.

Unfallopfer ist ein Pflegefall

Mehrere Operationen werden nötig. Seit dem Vorfall lebt die Frau in einem Pflegeheim. Gegenüber der Polizei äußert die Autofahrerin, sie habe die Frau nicht bemerkt: „Ich weiß nicht, wo sie herkamen. Ich habe sie nicht gesehen.“ Bei dieser Aussage bleibt sie auch im Amtsgericht Kamen, wo sich die 58-Jährige wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten muss.

Der Anwalt der Frau erklärt, dass seine Mandantin arg nervös sei und sie die ganze Situation sehr belaste. Die Kamenerin erklärt, keine Schäden an Ihrem Wagen erkannt zu haben. Der Richter entnimmt der Prozessakte jedoch, dass die Polizei einen leichten Lackabrieb, mutmaßlich vom Rollator, festgestellt hatte.

Autofahrerin muss 750 Euro zahlen

Am Ende wird das Verfahren gegen eine Zahlung von 750 Euro an den Weißen Ring vorläufig eingestellt. Der Richter argumentiert, dass die Frau weder im Vorstrafenregister noch im Straßenverkehrsregister Eintragungen hat.

Außerdem sei sie nicht gerast, sondern vorsichtig gerollt. Zudem sei auch die Frage, ob die Geschädigte eine gewisse Mitschuld trifft. Vielleicht hätte sich jemand anderes aufmerksamer verhalten. Aufgrund ihres Gesundheitszustands kann das Gericht die Geschädigte nicht zum Vorfall hören. Der Richter stuft das Verschulden der Angeklagten jedenfalls als relativ gering ein. Zahlt die Frau die 750 Euro, wird ihre Akte geschlossen.

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