Blaue Elise ist zurück: In Kamen gibt es „extremen Bedarf“ an kostenlosen Lebensmitteln

dzFoodsharing

In der Robert-Koch-Straße gibt es wieder eine Foodsharing-Station. Nachdem die „blaue Elise“, in Vergessenheit geraten war, gibt es jetzt einen neuen Kümmerer. Der hat eine Bitte an alle Abholer.

Kamen

, 26.02.2020, 15:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie ist ein kleiner blauer Fahrradanhänger, der in letzter Zeit sehnlichst vermisst wurde: Die „blaue Elise“. Bei dem Anhänger mit dem putzigen Namen handelt es sich um einen Fair-Teiler, also eine Station der Initiative Foodsharing. Dort darf sich jeder kostenlos Lebensmittel mitnehmen. Der blaue Anhänger stand auf einem Privatgrundstück an der Robert Koch-Straße 34.

Sie war der erste Verteiler im Bezirk Kamen-Bergkamen und wurde am 12. Dezember 2017 erstmalig, damals noch in der Lortzingstraße, von Anja Weiss in Betrieb genommen. Später hat ein eine andere Person die Verantwortung übernommen und der Verteiler zog an die Robert-Koch-Straße um. Dort wurde er in den vergangenen Wochen nicht mehr gefüllt und verschwand zuletzt ganz.

„Sie ist ein wenig in Vergessenheit geraten“, sagt Patrick Moll. Er ist Teil der Foodsharing-Initiative und Betriebsverantwortlicher im Bezirk Kamen-Bergkamen. Mit Moll wird die blaue Elise nun wieder zum Leben erweckt. Nachdem seine Vorgängerin erkrankt war, wird er sich jetzt um den Verteiler kümmern.

Große Gartenbox mit kostenlosen Lebensmitteln an der Robert-Koch-Straße

Der Fahrradanhänger wurde gereinigt und die Station durch eine Gartenbox für Sitzauflagen erweitert. Die Box ist nicht nur größer, sondern auch praktischer für die Lebensmittel. „Der Fahrradanhänger hatte einen defekten Verschluss, der bei Wind immer wieder aufgeblasen wurde“, sagt Moll. Deshalb habe es häufig reingeregnet und Lebensmittel seien am laufenden Band nass und schlecht geworden. Das ist auch der Grund dafür, dass der Anhänger gereinigt werden musste.

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Während er derzeit noch trocknet, steht die Gartenbox seit Mittwoch schon an der Robert-Koch-Straße bereit – zum Auftakt reichlich gefüllt. Während in der Box künftig Lebensmittel gelagert werden, sollen in dem Anhänger zusätzlich Produkte untergebracht werden, die auch mal nass werden dürfen – wie eingetopfte Kräuter oder Blumen.

Moll wird die Box und den Fahrradanhänger fortan befüllen und in einer öffentlichen WhatsApp-Gruppe bekannt geben, wann die blaue Elise voll ist. Jeder kann sich in der Gruppe anmelden – aber auch auf gut Glück dort vorbeifahren und schauen, was in der Box ist.

Denn um von Foodsharing zu profitieren, muss man keine Voraussetzungen erfüllen. „Ob Hartz-4-Empfänger, Rentner oder Architekt. Uns ist völlig egal, wer kommt. Hauptsache die Lebensmittel landen nicht in der Tonne“, sagt Moll.

Foodsharing in Kamen: Die „blaue Elise“ war früher nur ein Fahrradanhänger.

Die „blaue Elise“ war früher nur ein Fahrradanhänger. Nun ist eine Gartenbox dazugekommen. Der Anhänger wird künftig für Blumen und Kräuter benutzt. © privat

Moll ist übrigens nicht nur dafür zuständig, Verteiler mit Lebensmitteln zu befüllen. Er sorgt auch dafür, dass die blaue Elise sauber bleibt, keine verdorbenen Lebensmittel liegen bleiben und nichts gestohlen wird – denn auch damit haben die Foodsaver regelmäßig zu kämpfen.

Ehrenamtlicher bittet die Abholer um Unterstützung und Rücksicht

Da Moll im Gegensatz zu anderen Foodsavern nicht die Möglichkeit hat, den Verteiler an seiner eigenen Wohnung aufzustellen, fährt er künftig etwa zweimal pro Tag in die Robert-Koch-Straße. Ständig im Blick haben kann er die Stelle also nicht und bittet deshalb die Abholer um ihre Unterstützung. Immer wieder würden Brötchentüten aufgerissen und einzelne Brötchen herausgenommen – häufig ohne Handschuhe.

Aus hygienischen Gründen sollte man die Tüten nicht öffnen, auch herumschneiden sollte man nicht an dem Obst und Gemüse. Es ist laut Moll durchaus schon vorgekommen, dass Abholer am Verteiler „gewütet“ haben. Wem so etwas auffällt, soll Moll direkt anrufen, die Handynummer steht auf einem Schild an der Station.

Wenn verdorbene Lebensmittel entdeckt werden, kann man Moll ebenfalls kontaktieren – oder selber die Initiative ergreifen und die Produkte in den Mülleimer nebenan werfen. Vor allem im Sommer ist Eile geboten, da sonst andere Lebensmittel ebenfalls verderben können.

Foodsharing in Kamen: In guten Zeiten war der blaue Anhänger in Kamen bis oben hin gefüllt. Hat es geregnet, wurden viele Lebensmittel nass. Nun gibt es eine verschließbare Gartenbox, bei der das nicht mehr passieren soll.

In guten Zeiten war der blaue Anhänger bis oben hin gefüllt. Hat es geregnet, wurden viele Lebensmittel nass. Nun gibt es eine verschließbare Gartenbox, bei der das nicht mehr passieren soll. © privat

Zweiter „Fairteiler“ in Kamen wird sehr gut angenommen

Moll wünscht sich, dass es bei der blauen Elise so läuft, wie beim Karlchen – dem zweiten „Fairteiler“ in Kamen. Obwohl die Station in der Nähe des Freizeitzentrums an der Ludwig-Schröder-Straße 18 noch recht neu ist, boomt es dort schon.

Teilweise sei die Box schon zwei bis drei Stunden nach dem Auffüllen leer. „Wir bekommen auch mal negative Rückmeldungen, wenn die Lebensmittel schnell weg sind. Daran sieht man, dass ein extremer Bedarf besteht“, sagt Moll. Dass die Elise jetzt wieder im Einsatz ist, dürfte also viele Kamener freuen.

Foodsharing in Kamen-Bergkamen

Helfende Hände sind willkommen

  • Am Anfang wurde Elise noch mit geretteten Lebensmitteln aus Dortmund befüllt. Mittlerweile kommen die meisten Lebensmittel aus den Bezirken Kamen-Bergkamen sowie Unna.
  • In Kamen-Berkamen arbeiten die Foodsharer mit 22 Betrieben zusammen.
  • Es gibt rund 144 ehrenamtliche Helfer, die die Ware in den Betrieben sortieren und abholen.
  • Für Bergkamen und Kamen, aber auch auf höherer Ebene werden noch Helfer gesucht. Informationen gibt es unter www.foodsharing.de.
  • Den Link zur WhatsApp-Gruppe gibt es ebenfalls auf der Internetseite. Weitere Infos hat Patrick Moll. Er ist unter Tel. (0177) 8910713 erreichbar.

Die Lebensmittel, die die Initiative an ihren Stationen kostenlos zur Verfügung stellt, holen sie in Lebensmittelgeschäften, aber zum Beispiel auch auf Bauernhöfen ab. Es sind Produkte, die dort nicht mehr angeboten werden dürfen, aber noch verzehrfähig sind. Auch Privatpersonen dürfen die Fairteiler mit Lebensmitteln befüllen. Im Gegensatz zur Tafel darf die Foodsharing-Initiative auch abgelaufene Ware anbieten.

„Wenn ein Joghurt sich noch nicht beult, dann kann man ihn auch noch essen, wenn er vier Wochen abgelaufen ist“, sagt Moll. Dennoch sollten Abholer die Ware vor dem Verzehr mit allen Sinnen prüfen. „Wenn es einem nicht geheuer ist, dann lässt man es lieber sein“, warnt Moll.

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