Flüchtlingsboot mit Mädchen an Bord wäre beinahe untergegangen

dzAus dem Irak nach Kamen

Die 14-jährige Amani aus Shingal im Irak wohnt heute in Kamen. Was sie und andere in der Stadt angekommene Flüchtlinge erlebt haben, gibt es jetzt in einem Buch nachzulesen. Am Anfang steht ein alarmierender Anruf.

Kamen

, 07.10.2019, 20:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Amani, ein aus dem Irak stammendes Mädchen, spricht nach dem Schulbesuch in Kamen fast perfekt Deutsch. Als Dolmetscherin ist sie unersetzlich. Dem „Café international“ der Flüchtlingshilfe-Organisation „Pro Mensch“ im JKC an der Poststraße ist sie eine große Stütze. Nach anfänglichen Problemen (fünf Wintermonate ohne Heizung und Aufzug) hat ihre Familie eine schöne große Wohnung gefunden. Ismael, Amanis fußballbegeisterter Papa, hilft ihrer Mutter Sarah in der Küche. Es gibt Dorma, wie Amani erklärt, gefülltes Allerlei auf Reis. Jeder bekommt das gleiche auf den Teller, auch ihr kleiner Bruder Hassan.

Amani ist eine der Personen, die in dem Buch „Das erste Mal, als ich das Meer sah“ zu Wort kommen. Christina Hartmann hat Kamener, die als Flüchtlinge in der Stadt ankamen, interviewt. Das Buch wurde am Montagabend bei einer Vernissage im Haus der Stadtgeschichte vorgestellt. Die Flüchtlingshilfe-Organisation Pro Mensch Kamen hatte dazu eingeladen.

Eine Flucht vor dem Krieg

Amani erinnert sich laut dem Buch so an die Flucht: Ihre Mutter backte gerade Brot, als ihr Vater, der Soldat war, anrief und sie alarmierte, sie sollten sofort das Haus verlassen und sich in Sicherheit bringen. Es sei minütlich mit einem militärischen Angriff zu rechnen. „Wir alle in das Auto eines Onkels und weg!“ Schüsse fielen. Amerikaner kämpften gegen Iraker. „Keiner von uns wusste, was da vor sich ging.“ Viele Kameraden ihres Vaters fielen. Sein Chef erkannte, dass sie auf verlorenem Posten standen, und schickte ihren Vater weg. Er möge sich um seine Familie kümmern. „Wir trafen uns dann alle bei einer Tante in Sulaimaniyya. Doch auch da war das Leben nicht sicher. Also beschloss mein Vater, mit uns nach Deutschland zu gehen.“

„Nach dem Zusammenprall mit einem Felsen wären wir beinahe untergegangen.“ Amani

Da für alle vier das Geld nicht reichte, fuhren Ismael und Hassan voraus. Lange hörte die Familie nichts, bis sich die Beiden aus Deutschland meldeten. Ein Onkel, der schon in Hamm war, sammelte das Geld, das die Zurückgebliebenen für die Flucht benötigten. Von der Türkei aus ging es mit einem Boot nach Griechenland. „Nach dem Zusammenprall mit einem Felsen wären wir beinahe untergegangen. Später, in Bulgarien, mussten wir noch einmal ein Meer überqueren. Wo genau, weiß ich aber nicht mehr. Einen Monat später sind wir endlich in Hamm angekommen. Und mit Hilfe von Pro Mensch fanden wir auch unseren Papa. Er war in Kamen. Einen Monat haben wir dann um die Zusammenführung gekämpft.“

Vier Jahre sind nun vergangen. Und Amani hat schon „ein bisschen kurdisch verlernt“. Jetzt träumt sie von der Zukunft. Am liebsten möchte sie nach der Schule Altenpflegerin werden oder Polizistin. Die Wache in Kamen hat sie schon besucht.

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