Fliegender Bierkrug im „Unikum“ verletzt Frau

Strafprozess um Körperverletzung

Seit einem Besuch in der Gaststätte Unikum in Kamen trägt eine 25-Jährige eine Narbe im Gesicht. Ein 31-Jähriger muss sich vor Gericht für einen Wurf mit einem Bierkrug verantworten. Doch die Beweislage ist unklar.

von Jana Peuckert

Kamen

, 09.03.2020, 13:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Auseinandersetzung unter Besuchern der Gaststätte Unikum beschäftigt das Amtsgericht Kamen.

Eine Auseinandersetzung unter Besuchern der Gaststätte Unikum beschäftigt das Amtsgericht Kamen. © Stefan Milk

Als sich der gläserne Bierkrug dem Kopf einer 25-Jährigen näherte, hatte die Frau keine Chance mehr, auszuweichen. Das schwere Gefäß traf sie am Kinn und hinterließ eine 1,5 Zentimeter große Schnittwunde aus der Blut floss. So geschehen am 3. November gegen 1.55 Uhr in der Gaststätte Unikum in Kamen. Seither erinnert eine Narbe die Frau täglich an das Ereignis.

Im Amtsgericht Kamen saß nun ein Mann auf der Anklagebank, der das Glas geworfen oder der Frau direkt ins Gesicht geschlagen haben soll. Erinnerungen an den Tag hatte der 31-Jährige nicht mehr. Kein Wunder, wie der Blick auf den ganzen Tag zuvor zeigte.

Am Tattag war der Mann mit Freunden bei einem Fußballspiel gewesen. Gegen 13 Uhr gönnte er sich das erste Bier. Es folgten neun weitere. Nach der Partie kehrte die Gruppe in eine Dortmunder Kneipe ein. Im Unikum in Kamen ließen sie den Tag ausklingen. Was in Kamen geschehen war, wisse er nicht mehr, gab der Angeklagte an.

Frau will Freundin zur Seite stehen

Auch die Geschädigte erklärte, nicht mehr nüchtern gewesen zu sein. Sie wisse aber noch, dass der 31-Jährige, den sie nicht kannte, ihren Freundinnen Schläge angedroht hatte. Sie sei daraufhin zu ihm gegangen und habe ihm beschwichtigend die Hand auf die Schulter gelegt. Zu der Zeit hatte der Mann einen Bierkrug in der Hand. Sie sei gegangen und habe im Augenwinkel gesehen, wie der 31-Jährige in einen Busch gefallen sei, so die Zeugin weiter. Kurz darauf habe sie das Glas abbekommen. Von wem, könnte sie nicht sagen.

Im Zweifel für den Angeklagten

Der Stiefvater der Frau, der am Tatabend ebenfalls vor Ort und nüchtern war, gab an, der Angeklagte und die Frau seien aneinander geraten, hätten sich gegenseitig geschubst. Der Zeuge berichtete weiter, dass der Kamener stürzte, plötzlich habe die 25-Jährige geblutet. Wie genau es zu der Verletzung gekommen war, wusste der Stiefvater nicht. Er vermutete aber, dass der Angeklagte beim Sich-Aufrappeln so viel Schwung hatte, dass er der Frau, die dicht bei ihm stand, das Glas ins Gesicht schlug. Dem Richter reichte das Gehörte nicht für eine Verurteilung aus. Er stellte das Verfahren ein: „Wir wissen nicht genau, was da gewesen ist.“

Lobend hob er hervor, dass der nicht vorbestrafte Kamener der Frau von sich aus 1500 Euro Schmerzensgeld gezahlt hatte.

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