Die Fleischerei Flechsig mit Standorten in Kamen und Bergkamen lässt so einiges durchblicken und das kommt bei den Kunden gut an. Die wollen genau wissen, wo das Fleisch herkommt, das sie in Kamen oder Bergkamen kaufen. Besonders nach dem Tönnies-Skandal. © Marcel Drawe (Archivfoto)
Fleisch in Coronazeiten

„Fleisch aus der Region“ reicht nicht mehr: Kamener kaufen nach Tönnies-Skandal bewusster

Wo kommt mein Fleisch genau her? Das wollen die Kamener jetzt beim Einkaufen wissen. Beim Metzger Flechsig gibt es Antworten. Aber wie ist das im Supermarkt? Die Verbraucherzentrale weiß es.

Mit Beginn des Skandals um Tönnies fragen viele Kunden sehr explizit, wo wir schlachten lassen, wo zerlegt wird und wer genau das macht“, sagt Dirk Flechsig, Eigentümer des Fleischereifachgeschäfts Flechsig in Kamen und Bergkamen.

Er und seine Mitarbeiter bemerken schon seit Beginn der Pandemie, dass das Interesse am Fleisch vom Metzger nebenan steigt.

Flechsig hofft, dass die Menschen auch nach der Corona-Krise noch so viel Wert auf gute Qualität legen – und die hat nicht nur ihren Preis, weil das Fleisch anders schmeckt, sondern auch, weil die Tiere artgerecht gehalten werden. Und dabei geht es laut Flechsig um mehr als nur die Örtlichkeit.

„Nur zu sagen, dass das Fleisch aus der Region kommt, ist zu wenig als Aussage“. Seit einigen Jahren veröffentlicht das Unternehmen deshalb wöchentlich auf der Internetseite, wo die Tiere geboren und gemästet worden sind. „Wir versuchen, so transparent, wie möglich zu sein.“

Kreis Unna war vom Corona-Ausbruch bei Tönnies betroffen

Und diese Transparenz ist es offenbar auch, die die Kunden jetzt besonders schätzen. Denn der Skandal um den Fleischproduzenten Tönnies ist auch in den Kreis Unna geschwappt.

Zwei Infizierte im Kamener Unternehmen Vahle, mehrere Coronafälle im benachbarten Bergkamen. Der Corona-Ausbruch in Rheda-Wiedenbrück hatte eine enorme Strahlkraft. 33 Mitarbeiter wohnen insgesamt im Kreis Unna. Sie steckten zum Teil Familienmitglieder an, in Bergkamen mussten deshalb auch eine Kitagruppe und eine Schulklasse vorsorglich zu Hause bleiben.

Doch die Strahlkraft geht noch über die Angst vor Neuinfektionen hinaus. Denn der Tönnies-Ausbruch und die daraus resultierenden Diskussionen rund um die Zustände in der Fleischindustrie haben etwas in den Köpfen vieler Menschen verändert. Sie interessieren sich viel mehr dafür, woher ihr Fleisch kommt – auch, weil manch einer sich in diesen Zeiten vielleicht fragt, ob das Virus über das Fleisch übertragen werden kann.

Fleisch aus der Region bedeutet nicht, dass die Schweine und anderen Tiere auch ein glückliches Leben hatten. Artgerechte Haltung ist mehr als das.
Fleisch aus der Region bedeutet nicht, dass die Schweine und anderen Tiere auch ein glückliches Leben hatten. Artgerechte Haltung ist mehr als das. © dpa © dpa

Woran man erkennt, ob sein Fleisch von Tönnies kommt oder nicht

Das steigende Interesse und auch die Unsicherheit rund ums Thema Fleisch spürt nicht nur Flechsig, sondern auch die Verbraucherzentrale in Kamen. Sie erklärt in einer aktuellen Pressemitteilung umfassend, wie man in diesen Zeiten mit Fleisch umgeht und vor allem: woran man erkennt, aus welchem Schlachthof das angebotene Fleisch kommt. Denn wer nicht gerade bei der Fleischerei Flechsig vor Ort kauft, wo man einfach nachfragen oder auf der Internetseite nachschauen kann, sondern im Supermarkt, der steht erst einmal vor einem Rätsel.

Denn deutlich steht dort nicht, woher das Fleisch genau kommt. Herausfinden kann man es dennoch, wie die Verbraucherzentrale erklärt. Und zwar anhand des ovalen Identitätskennzeichens auf der Verpackung. Es gebe an, in welchem EU-Staat und Bundesland das Produkt zuletzt bearbeitet oder verpackt wurde. Dabei steht etwa DE für Deutschland und NW für Nordrhein-Westfalen. Mit Hilfe der fünfstelligen Zulassungsnummer lässt sich der Betrieb über eine Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ermitteln. Der Link lautet: www.bvl.bund.de/bltu.

Verbraucherzentrale NRW in Kamen gibt Tipps zum Fleischkonsum

Wissenschaftliche Hinweise, dass sich Menschen durch den Verzehr oder durch den Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln mit dem neuartigen Coronavirus anstecken könnten, gibt es derzeit nicht, wie Karin Baumann, Beraterin der Verbraucherzentrale NRW in Kamen erläutert.

„Generell raten wir dazu, Fleisch nicht roh, sondern durcherhitzt zu essen und die wichtigsten Hygieneregeln in der Küche einzuhalten. Damit sollte jegliche Gefahr einer Übertragung von Viren ausgeschlossen sein – egal von welchem Schlachthof das Fleisch kommt“, so Baumann.

Die Kunden der Kamener Metzgerei Flechsig wollen nicht nur wissen, wo ihr Fleisch herkommt, sondern auch, wo es zerlegt wurde. Sie fragen sehr explizit nach. © dpa © dpa

Eine Menge Tipps zum Umgang mit Fleisch gibt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dort wird ausführlich erklärt, wie Fleisch gelagert werden sollte, wie lange sich die unterschiedlichen Sorten halten und woran man erkennt, ob das Fleisch noch genießbar ist. Häufig gestellte Fragen zu verdorbenem Fleisch findet man außerdem beim Bundesinstitut für Risikobewertung unter www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_verdorbenem_fleisch-7042.html

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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