Flaschenwurf aus Partyzug: Alle Passagiere spenden für das verletzte Mädchen

dzBahnhof Kamen

Alle Passagiere des Partyzugs, aus dem in Kamen eine Flasche gegen den Kopf einer Zweijährigen flog, haben für das verletzte Mädchen gespendet. Jetzt ist klar, wer hinter der Sammelaktion steckt.

Kamen

, 05.11.2019, 16:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend: Bei der Spendenaktion für die Zweijährige, die am Bahnhof Kamen von einer Flasche aus einem Partyzug getroffen wurde, sind rund 3500 Euro zusammen gekommen.

„Was dem Mädchen passiert ist, kann man mit Geld nicht aufwiegen“, sagte der Mitiniator der Spendenaktion, Michael H. aus Kirchhundem, am Dienstag.

Spendenaktion im Partyzug: Geldscheine statt Kleingeld

Der 47-Jährige, der anonym bleiben will, entwickelte mit seiner Reisegruppe die Idee für die Spendensammlung. Die 13 Mitglieder eines Kegelclubs („Wir sind eine lustige Truppe“) legten Geld für das Opfer des Flaschenwurfs zusammen – und konnten nach Absprache mit dem Reiseveranstalter auch die Mitreisenden für einen Beitrag gewinnen. Rund 500 Menschen waren an Bord und drückten durch eine Spende ihre Anteilnahme für das verletzte Kleinkind aus. „Die allermeisten haben Fünf-Euro-Scheine gegeben, es waren aber auch 10 oder 20 Euro dabei“, sagte das Kegelclub-Mitglied unserer Redaktion.

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Im Partyzug hatten sich H. und seine Kegelbrüder und -schwestern zunächst an die Reiseleitung gewandt. „Wir haben gesagt: Schöne Aktion“, sagte Bernd Niemeyer, Geschäftsführer des Reiseveranstalters Müller Touristik in Münster. Daraufhin machte Michael H. eine Durchsage per Bordlautsprecher, die er im Nachhinein so wiedergibt: „Wir hatten eine gute Zeit auf Norderney, und wir hatten alles, was wir brauchten, aber die Familie des verletzten Mädchens hat mit Sicherheit keine gute Zeit gehabt.“ Wenn ein Bier vier Euro koste und ein Gin-Tonic zehn Euro, dann könne auch jeder etwas Geld für die Familie in den Topf werfen.

„Wir hatten eine gute Zeit auf Norderney, und wir hatten alles, was wir brauchten, aber die Familie des verletzten Mädchens hat mit Sicherheit keine gute Zeit gehabt.“
Durchsage von Michael H. im Partyzug

H. und eine Kegelschwester gingen jeweils mit einem Reisebegleiter zu zweit von vorne bzw. hinten durch die Abteile. Beim Gang durch den Zug sei ihm auch der Gedanke gekommen, ob er wohl dem bis dahin noch unbekannten Flaschenwerfer begegnen würde. „Da jeder etwas gegeben hat, muss er auch etwas gegeben haben“, sagte der Spendensammler.

31-Jähriger gesteht Flaschenwurf aus Partyzug

Ein 31-Jähriger aus Moers hatte am Montag nach einer überraschenden Wendung gestanden, am vorigen Freitag eine Whisky-Flasche in betrunkenem Zustand aus dem Fenster des Partyzugs geworfen zu haben. Der Zug war auf dem Weg von Köln zum Fährhafen vor Norderney. Die Flasche prallte laut Polizei auf dem Kamener Bahnhof gegen ein Hindernis, von da gegen den Kopf der Zweijährigen auf dem Arm ihres Vaters, einem Kamener (40).

Über den Gesundheitszustand des zunächst lebensgefährlich verletzten Kleinkinds, das seit Freitagabend nach einer Not-OP außer Lebensgefahr ist, wurde am Dienstag nichts Neues bekannt.

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Spendenübergabe zu gegebener Zeit

Michael H. spricht sich als Mitinitator der Spendenaktion dafür aus, dass das Geld „ohne viel Brimborium“ an die Familie der Zweijährigen geht. Da ist er sich mit dem Chef des Reiseveranstalters einig, der zu gegebener Zeit versuchen will, über die Dortmunder Polizei einen Kontakt zu der Familie zu bekommen.

Die in zwei Plastikdosen gesammelten Scheine ergaben zusammen 3500 Euro. Wofür die Familie das Geld verwendet, sollte ihr überlassen bleiben. „Für etwas, das ihr guttut“, sagte Michael H. vom Kegelclub aus Kirchhundem im Kreis Olpe.

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