Anklage offenbart neue Details zum Flaschenwurf aus dem Partyzug

dzErmittlungen nach Unglück

Die Flasche aus dem Partyzug traf eine Zweijährige am Bahnhof Kamen: Zwei Monate nach dem Unglück wird ein Mann (32) aus Moers wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Die Anklage offenbart neue Details.

Kamen

, 21.01.2020, 11:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Flaschenwerfer aus dem Partyzug muss sich demnächst vor dem Amtsgericht Kamen wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat Anklage gegen den 32-jährigen Mann aus Moers erhoben, wie Sprecher Henner Kruse am Montag bestätigte. Getroffen von der Whiskyflasche, war ein zweijähriges Mädchen auf dem Bahnhof Kamen lebensgefährlich verletzt worden.

Unglück durch den Sonderzug 1750

Das Unglück hat sich nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft so abgespielt: Der Partyzug („Sonderzug 1750“) fuhr am Allerheiligen-Tag, 1. November 2019, durch den Bahnhof Kamen. Ein Passagier, der Mann aus Moers, warf die geleerte Whiskyflasche um 10.42 Uhr aus einem offen stehenden Abteilfenster

Die Flasche der Marke „Canadian Special Old“ prallte erst gegen eine Betonwand oberhalb der Treppe, die zum Gleis 2 führt. Das Glas zersplitterte dann, die Teile fielen in den Treppenaufgang. Auf den unteren Stufen befand sich zu diesem Zeitpunkt ein Kamener, 40, mit seiner zweijährigen Tochter auf dem Arm.

Das Mädchen wurde so getroffen, dass es ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und eine Gehirnerschütterung erlitt. Ärzte retten das Leben des Kleinkinds in einer Not-OP. Inzwischen geht es der Zweijährigen nach Aussage der Mutter wieder gut.

Mit Kegelclub an Bord gefeiert

Die Anklage enthält neben vielen schon bekannten Punkten offenbar neue Details zur Person des Tatverdächtigen, zu seinen Motiven und zum Ablauf des Flaschenwurfs. So war der damals 31-Jährige in Duisburg zugestiegen und mit Mitgliedern eines Kegelclubs unterwegs. Zum Flaschenwurf war bislang lediglich bekannt, dass die Flasche abprallte und auf diese Weise Bewegungsenergie verlor, bevor sie das Mädchen traf.

Jetzt lesen

Geglaubt, dass die Flasche im Gebüsch landet

Der Moerser hat bereits gegenüber der Polizei gestanden, an Bord Alkohol getrunken und die Flasche geworfen zu haben. Er will die Flasche in dem Glauben geworfen haben, dass sie draußen irgendwo im Gebüsch landet, so die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde wirft ihm vor, unachtsam gewesen zu sein und nicht wahrgenommen zu haben, dass der Partyzug durch den Bahnhof fuhr. Im Fall einer Verurteilung droht dem Mann eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Enormer Aufwand der Polizei

Der Partyzug war auf dem Weg von Köln nach Norddeich-Mole. Die Reisenden hatten ein verlängertes Wochenende in Norderney gebucht. Der Flaschenwerfer offenbarte sich erst auf dem Rückweg den ermittelnden Polizisten an Bord und behauptete, die Flasche sei versehentlich aus dem Fenster gefallen. Am Tag darauf gab er den Wurf bei der Polizei zu. Polizei und Bundespolizei hatten enormen Aufwand betrieben, um den Verdächtigen zu ermitteln. Der Zug war auf der Hinfahrt in Greven gestoppt worden, um die Personalien aller Reisenden zu ermitteln.

Jetzt lesen

32-Jährigem tut sein Verhalten leid

Neue Erkenntnisse gibt es darüber, warum sich der Verursacher des Unglücks nicht bereits auf der Hinfahrt zu erkennen gab: Zunächst soll die Polizei nach dem unbekannten Werfer einer Wodkaflasche gesucht haben. Da der Mann wusste, dass er eine Whiskyflasche geworfen hatte, soll er sich Hoffnung gemacht haben, nicht für das Unglück des Mädchens verantwortlich gewesen zu sein.

Der 32-Jährige ist nicht vorbestraft und und bedauert sein Fehlverhalten. Sein Rechtsanwalt Stephan Küppers aus Moers erklärte in einer Stellungnahme: „Unabhängig von dem weiteren Verlauf und Ausgang des Strafverfahrens tut meinem Mandanten, der im Zug auf der Fahrt nach Norderney Alkohol konsumiert hatte, sein im Nachhinein für ihn nicht erklärbares Verhalten aufrichtig leid.“ Die Verletzungen und seelischen Belastungen des betroffenen Kindes und seiner Eltern seien ihm täglich gegenwärtig. Auch habe er alles im Bereich seiner Möglichkeiten getan und veranlasst, um die Folgen des von ihm nicht gewollten und nicht vorhergesehenen physischen und psychischen Schadens des betroffenen Kindes – soweit es möglich sei – wieder gutzumachen.

Wir haben den Artikel mit der vollständigen Erklärung des Anwalts des Flaschenwerfers aktualisiert.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Ungewöhnliche Jugendarbeit
Hier haben sie sich kennen und lieben gelernt: Wie der Kultclub „Bei Leo“ Kamens Jugend prägte
Hellweger Anzeiger In der Konzertaula
Brahms und Queen, Survivor und Mozart: Das Konzertereignis des Kamener Wochenendes
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Coronavirus rückt näher an den Kreis Unna: „Wird uns schneller ereilen, als uns lieb ist“
Hellweger Anzeiger Polizeieinsatz
Wettrennen mit der Polizei: Betrunkener läuft mit Spielzeugmesser über die Straße
Meistgelesen