Beim Brandeinsatz Mitte Mai an der Güldentröge galt es schnell zu sein, um das Übergreifen der Flammen zu verhindern. Die Feuerwehr setzt sich mit sogenannten Schutzzielen selbst Vorgaben, wie schnell man mit welchen Kräften vor Ort sein muss. © HA
Feuerwehr verbessert sich

Flammender Appell zeigt Wirkung: Schnellere Hilfe bei Notruf 112

Die Feuerwehr ist schneller vor Ort und vielfältiger aufgestellt als noch vor einem Jahr. Das ergab jetzt die Auswertung aller Einsätze. Die Stoppuhr läuft mit der ersten Alarmierung.

Die Kamener Feuerwehr ist schneller und mit mehr Kräften am Einsatzort als noch im vergangenen Jahr. Nachdem der damalige Feuerwehrchef Rainer Balkenhoff voriges Jahr einen flammenden Appell an die Politik gerichtet hat, um auf das Defizit hinzuweisen, werden die Schutzziele jetzt besser erreicht. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt der neue Feuerwehrchef Christopher Lindermann mit Blick auf eine statistische Auswertung des Feuerwehr-Jahres 2020 – mit Zahlen, die sich auf die sogenannten Schutzziele beziehen.

Binnen acht Minuten sollen die ersten neun Kräfte vor Ort sein, wenn die Kamener Feuerwehr einen Einsatz fährt. Ein anspruchsvolles Ziel, das oft, aber nicht immer erreicht wird.
Binnen acht Minuten sollen die ersten neun Kräfte vor Ort sein, wenn die Kamener Feuerwehr einen Einsatz fährt. Ein anspruchsvolles Ziel, das oft, aber nicht immer erreicht wird. © Niklas Mallitzky © Niklas Mallitzky

Zusätzliche Kräfte helfen der Feuerwehr

„Wir erreichen oft unsere Schutzziele nicht. Wir fahren sehr oft eng daran vorbei. Das hatte Rainer Balkenhoff noch vor einem Jahr bei der Vorstellung des Brandschutzberichts im Haupt- und Finanzausschuss gesagt. Ein Jahr später, dieselbe Stelle, konnte sein Nachfolgermann Lindermann deutlich bessere Zahlen präsentieren.

Das Schutzziel 1 (neun Feuerwehrleute mit bestimmten Funktionen binnen acht Minuten an der Einsatzstelle) wurde zu 73 Prozent erreicht (Vorjahr 52 Prozent). Das Schutzziel 2 (16 Funktionen in 13 Minuten) schlägt mit 90 Prozent zu Buche (Vorjahr 78 Prozent). Schlüssel zur Verbesserung ist die Einstellung von fünf Brandmeistern, die im September vorigen Jahres ihre Ausbildung abgeschlossen haben. „Wir haben auch auf die Tagesverfügbarkeit unserer Kräfte geblickt und die Nutzung unserer Fahrzeuge angepasst“, so Lindermann. Sprich: Kleinere Fahrzeuge sind oftmals schneller startklar.

Einatzkräfte aus drei Löschzügen bekämpften von zwei Seiten aus das Feuer. © Michael Neumann © Michael Neumann

Nur eine Sekunde zu spät gilt als gescheitert

Nach der Alarmierung müssen mindestens neun Funktionen vor Ort sein, was als Schutzziel 1 bezeichnet wird. Nach weiteren fünf Minuten müssen insgesamt 16 Funktionen vor Ort sein, was als Schutzziel 2 definiert ist. Als Funktionen bezeichnet werden beispielsweise Einheitsführer, Maschinist, Melder und Kräfte des Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupps. Fehlt jemand, gilt das im Kamener Brandschutzbedarfsplan fixierte Schutzziel als verfehlt. „Sind wir nur eine Sekunde später komplett, fallen wir aus dem Ziel heraus“, sagt Lindermann. „Man könnte ja annehmen, das zähle ich noch dazu, aber irgendwo muss man sich die Grenze setzen.“

Schutzziele-Uhr beginnt mit der Alarmierung zu ticken

Die Schutzziele-Uhr für die Feuerwehr beginnt bereits dann zu ticken, wenn der Notruf in der Leitstelle des Kreises Unna aufläuft – die ersten acht Minuten sind aktiviert. Für die Kamener Feuerwehrleute, oft ehrenamtlich im Dienst, bedeutet das das sofortige Ausrücken von zuhause oder der Arbeit aus, egal ob tagsüber oder mitten in der Nacht. Von den acht Minuten sind dabei vier Minuten für die Anfahrt zur Feuerwache einkalkuliert, einschließlich Umziehen und um auf das Fahrzeug zu springen. Dann bleiben noch vier Minuten Fahrtzeit. Von den drei Feuerwehr-Löschgruppen ist dabei Methler leicht im Vorteil mit drei Feuerwachen in Methler, Wasserkurl und Westick.

Die Auswertung der Löschgruppen: Methler bei 100 Prozent

Das spiegelt sich wider in der Auswertung der drei Löschgruppen: Das Schutzziel 1 wurde in Methler (Löschgruppe 2) bei 17 von 18 Einsätzen erreicht (94 Prozent) und das Schutzziel 2 bei allen 16 Einsätzen (100 Prozent). In Heeren-Werve (Löschgruppe 3) ein anderes Bild. Dort wurden 33 Prozent beim Schutzziel 1 erreicht. Allerdings wurden nur sechs Einsätze gezählt, wodurch der Wert an Aussagekraft etwas einbüßt. Beim Schutzziel 2 erreichte der dortige Löschzug 80 Prozent bei vier von fünf Einsätzen. Die meisten Einsätze fuhr der Löschzug 1 Kamen-Mitte. Bei 60 Einsätzen erreichte er 41 Mal das Ziel 1 (68 Prozent), bei 46 Einätzen (Ziel 2) war er 39 Mal erfolgreich (85 Prozent).

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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