Feuer im RE1: Lokführer und Zugbegleiter reagieren „vorbildlich“

dzBahnhof Kamen

Wer zündete zwei Sitze im RE1 bei Kamen an und brachte dadurch Reisende und Bahnpersonal in Gefahr? Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung gegen Unbekannt. Der Lokführer und der Zugbegleiter konnten derweil das Krankenhaus wieder verlassen.

Kamen

, 12.02.2020, 11:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Feuer im RE1 am Bahnhof Kamen hat die Kreispolizei in Unna die Ermittlungen von der Bundespolizei übernommen. „Wir ermitteln wegen Brandstiftung“, sagte der Unnaer Polizeisprecher Bernd Pentrop am Mittwochmorgen. In dem Regionalzug der Deutschen Bahn waren am Vorabend zwei Sitze aus ungeklärten Gründen in Brand geraten. Lokführer und Zugbegleiter, die das Feuer löschten, wurden mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Drei Reisende wurden vor Ort von Rettungssanitätern behandelt.

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Die Polizei geht dem Verdacht nach, dass die beiden Sitze im RE1 vorsätzlich angezündet wurden. Auf Fotos vom Tatort ist zu erkennen, dass die Sitzpolster verbrannt sind. Der Polizeisprecher schloss nicht aus, dass jemand aus dem Kreis der insgesamt 15 Passagiere, deren Personalien aufgenommen wurden, als Verdächtiger infrage kommt. Die Ermittlungen dauern an. Erschwerend kommt hinzu, dass es keine Videoüberwachung in dem Zug gegeben haben soll.

Sofern der oder die mutmaßlichen Brandstifter nicht unter den erfassten Personen sind, müssen sie entweder schon beim vorherigen Halt in Bönen-Nordbögge ausgestiegen sein oder im Bahnhof Kamen unbehelligt geblieben sein. Der Zug kam aus Hamm, wo er fahrplanmäßig um 20.13 Uhr die Fahrt nach Aachen beginnen sollte. Ein Zwischenhalt war laut Fahrplan um 20.19 Uhr in Bönen-Nordbögge vorgesehen, bevor der Zug um 20.24 Uhr Kamen erreichen sollte. Vor Erreichen des Bahnhofs zog ein Reisender wegen des Feuers die Notbremse. Der Zug kam laut Polizei im Bahnhofsbereich zum Stillstand.

DB-Mitarbeiter verlassen Krankenhaus

Notfall an Bord

Was tun, wenn es im Zug brennt?

In jedem Wagen befindet sich im Regelfall in der Nähe der Türen ein Feuerlöscher, der mit Piktogrammen gekennzeichnet ist. „So kann auch jeder Fahrgast einen Brand löschen“, erklärt die Deutsche Bahn. Zusätzlich sollten Fahrgäste über die im Türbereich befindliche Notrufanlage den Lokführer.“

Die beiden DB-Mitarbeiter, die am Vorabend ins Krankenhaus eingeliefert und stationär versorgt wurden, konnten die Klinik inzwischen wieder verlassen. „Es geht ihnen nach unseren Informationen gesundheitlich wieder gut“, erklärte Bahnsprecher Dirk Pohlmann am Mittwochnachmittag. „Sowohl der Lokführer als auch der Zugbegleiter haben sich vorbildlich verhalten und wir sprechen ihnen unseren ausdrücklichen Dank aus.“

Der Bahnsprecher schildert den Löscheinsatz an Bord so: Als die Mitarbeiter von Fahrgästen auf die Brandentwicklung angesprochen wurden, löschten beide den Brand sofort mit den an Bord des Zuges befindlichen Feuerlöschern. „Anschließend haben sie sich darum gekümmert, dass die Fahrgäste gefahrlos den Zug verlassen konnten.“ 60 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Kamen, der leitende Notarzt des Kreises Unna sowie das Deutsche Rote Kreuz waren am Bahnhof Kamen im Einsatz.

Das Bahngleis in Fahrtrichtung Dortmund war nach dem Zwischenfall stundenlang gesperrt. 17 Züge hatten dadurch nach Polizeiangaben insgesamt rund 400 Minuten Verspätung. Es kam zu Ausfällen. Die Reisenden konnten ihre Fahrt mit einem Ersatzzug fortsetzen.

Schaden noch nicht zu beziffern

Der betroffene Wagenpark fällt vorerst aus und war auch am Mittwoch noch von der Polizei beschlagnahmt. Erst wenn die Deutsche Bahn die Waggons in der Werkstatt untersuchen kann, lässt sich laut Bahnsprecher der Schaden und die Dauer des Ausfalls abschätzen.

Feuer im RE1: Lokführer und Zugbegleiter reagieren „vorbildlich“

Das Feuer beschädigte zwei Sitze und die Innenwände des Regionalexpress-Zuges. © Neumann

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