„Feinstaub-Notstand! Leben in Heeren kann tödlich sein“

dzFeinstaub: Anwohner verfasst Warnschreiben

Anwohner Peter Streich ruft für Heeren den Feinstaub-Notstand aus. Er fordert Messungen, um festzustellen, wie viel Stickoxid in der Luft ist. Sein Warnschreiben übergibt er im Rathaus.

Kamen

, 16.07.2019, 14:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Feinstaub-Notstand! Leben in Heeren kann tödlich sein.“ Mit diesen Worten beginnt ein Warnschreiben zur Werver Mark, das Anwohner Peter Streich verfasst hat. Der 57-jährige Heeren-Werver kämpft gegen Lärm und Schmutz an der Heeren-Werver Durchgangsstraße. Seine Fenster, so sagt er, könnte er täglich putzen. Ein Zeichen dafür, wie verschmutzt die Luft ist. Jetzt meldete er sich zum dritten Mal in einer Einwohnerfragestunde im Rathaus zu Wort. Nachdem er sein Anliegen in zwei Ausschüssen vorgetragen hatte, besuchte er jetzt die Ratssitzung. Im öffentlichen Teil ergriff er das Mikrofon und überreichte das Warnschreiben anschließend dem Beigeordneten Dr. Uwe Liedtke.

„Feinstaub-Notstand! Leben in Heeren kann tödlich sein“

Peter Streich, Anwohner der Werver Mark, hat nachgezählt. Der Lastverkehr ist enorm. © Marcel Drawe

Das Deckblatt mit einer Atemschutzmaske bebildert

Lärm. Feinstaub. Stickoxide. Bremsstaub. Reifenabrieb. Peter Streich lässt in der Sache nicht locker. Das Deckblatt des Schriftwerks, das er verfasst und mit einer Atemschutzmaske bebildert hat, soll die nach Streichs Empfinden drastische Situation an der Landesstraße (L665) widerspiegeln. Versehen hat er das Schreiben mit Urteilen des Europäischen Gerichtshofs zu Grenzwerten von Stickoxiden und mit einem Bericht über Manipulation von Lkw-Abgasanlagen. „Nicht der freie Warenverkehr darf Vorfahrt haben, sondern die Gesundheit der Menschen und Natur“, schreibt er. Er zitiert aus Reportermagazinen von ARD und ZDF, wonach bei vielen Lastern das Reinigungssystem AdBlue vorsätzlich stillgelegt sei. Diese Laster, so heißt es, würden dann das 10- bis 20-fache an Schadstoffen ausstoßen und insgesamt einen größeren Schaden als der Dieselskandal anrichten.

23 große Lastwagen binnen zehn Minuten

Nunmehr steht Streich wieder vor den Lokalpolitikern und äußert seine Sorgen. Er habe noch einmal die Fahrzeuge gezählt - binnen zehn Minuten ist er am Dienstag, 25. Juni, auf 23 40-Tonner mit jeweils fünf Achsen gekommen. „Die 7,5 Tonner noch nicht einmal berücksichtigt.“ Insgesamt kommt er auf 15.000 Fahrzeuge täglich, die durch Heeren fahren, davon 2200 Laster. Seine Forderung, die er auch in den vorigen Gremien gestellt hatte: Eine Messstation für Stickoxide zu installieren – mit der Bitte, „das zügig durchzusetzen“. Denn bei diesem Verkehrsaufkommen sei definitiv davon auszugehen, dass der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm überschritten sei. Für den Schutz der menschlichen Gesundheit ist seit 2010 dieser Grenzwert einzuhalten.

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Die Vorstöße des Anwohners sind nicht verpufft

Die Vorstöße von Peter Streich waren in den vergangenen Ausschüssen nicht verpufft wie Stickoxid in der Heerener Luft. „Es muss an der Werver Mark auf Feinstaub gemessen werden. Allein schon deshalb, weil wir mögliche Gesundheitsgefahren ausschalten müssen“, hatte SPD-Ratsherr Friedhelm Lipinski im jüngsten Umwelt- und Klimaausschuss gefordert. Vorschläge, wie man den Anwohnern helfen kann, seien den zuständigen Behörden „zu unterbreiten und dort einzufordern.“ Die Bezirksregierung Arnsberg ist für die Feinstaubmessung zuständig, und der Straßenbaulastträger Straßen.NRW muss den geforderten Maßnahmen zustimmen. Dabei geht es beispielsweise um nächtliche oder ganztägige Durchfahrtsverbote für Lastwagen und Temposenkungen von 50 auf 30. Beigeordneter Dr. Uwe Liedtke versicherte, dass Streichs Hinweise weitergeleitet wurden – an die Landesbauverwaltung von Straßen.NRW in Bochum und an die Bezirksregierung. „Wir haben beide Stellen aufgefordert, den Sachverhalt zu prüfen. Leider müssen wir darauf warten, bis wir eine Rückmeldung erhalten.“

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