Seit fast 15 Jahren gibt es Familienzentren in Kamen. Die Stadt war von Anfang an dabei, als in NRW im Jahr 2006 die Pilotphase angekündigt wurde. Nunmehr geht schon das achte Familienzentrum an den Start.

Kamen

, 01.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit dem bevorstehenden Ausbau der Awo-Kitas „Gänseblümchen“ und „Brausepulver“ zum Familienzentrum erhält Kamen die mittlerweile achte Einrichtung dieser Art. Seit 2007 gibt es diese besondere Form der Kindergärten, damals gestartet mit der Awo-Kita „Atlantis“.

Sie bieten eine Vielzahl an Angeboten über die Betreuung hinaus. 13 Jahre nach Start des Pilotprojeks ist in Kamen ein dichtes Netzwerk an Familienzentren entstanden – allerdings ohne Kamens Vorzeige-Einrichtung: Die Familienbande Kamen, die für derlei Arbeit mehrfach ausgezeichnet wurde, hat bisher keinen Zuschlag für den Familienzentren-Ausbau bekommen. Vorsitzende Tanja Brückel kritisierte das.

Zurzeit gibt es in NRW fast 2.500 Familienzentren mit insgesamt rund 3.500 Kindertageseinrichtungen, die in die Arbeit der Familienzentren eingebunden sind.

Zurzeit gibt es in NRW fast 2.500 Familienzentren mit insgesamt rund 3.500 Kindertageseinrichtungen, die in die Arbeit der Familienzentren eingebunden sind. © Land NRW

Auch für Familien, die nicht in der Betreuung sind

Im Jahr 2007 wurden landesweit die ersten 261 Kindertagesstätten mit dem Gütesiegel „Familienzentrum NRW“ ausgezeichnet. Das neue Familienzentren-Konzept war da noch Neuland.

Mehr Sprachförderung, mehr Ausbildung der Erzieherinnen, ein vernetztes Beratungsangebot und eine bessere Vermittlung für die Tagespflege. Zudem sollen sich die Kindergärten, die früher eher auf ihren eigenen Sprengel konzentriert waren, auch für jene Familien öffnen, die dort keine Kinder in der Betreuung haben.

Insgesamt gibt es 19 Kindertageseinrichtungen in Kamen. Davon betreibt die Arbeiterwohlfahrt sieben, darunter vier in Kamen-Mitte, zwei in Methler und eine in Heeren-Werve. Weitere Träger in Kamen sind die Ev. Gemeinden Kamen, Methler und Heeren-Werve, die Katholischen Gemeinden in Kamen, Methler und Heeren-Werve, die Elterninitiative „Pusteblume“, das DRK mit der Kita „Monopoli“ und die Familienbande Kamen.

Arbeit über die eigentliche Betreuung hinaus: Die Evangelische Jugend Kamen bildete in den vergangenen Jahren in Kooperation mit dem Familienzentrum Kämerstraße und der Elternschule des Katharinenhospitals Unna neue Babysitter aus.

Arbeit über die eigentliche Betreuung hinaus: Die Evangelische Jugend Kamen bildete in den vergangenen Jahren in Kooperation mit dem Familienzentrum Kämerstraße und der Elternschule des Katharinenhospitals Unna neue Babysitter aus. © Stefan Milk

In der Lebenswelt von Eltern verankert

Mittlerweile sind die Angebote Standard in allen sieben Kamener Einrichtungen, deren Zahl nun um ein weiteres Familienzentrum aufgestockt wird.

Dabei fällt ganz oft das Stichwort „Niedrigschwelliges Angebot“, sprich: Es soll den potenziellen Besuchern möglichst leicht gemacht werden, die jeweilige Einrichtung aufzusuchen. Eben ohne Schwellen, Hürden oder sonstigen sprichwörtlichen Hindernissen.

„Familienzentren sollen Kindern und Familien niedrigschwellige Unterstützung im Alltag bieten und in der Lebenswelt von Eltern verankert sein“, heißt es in der aktuellen Beschlussvorlage der Stadtverwaltung, die am Dienstag, 3. März, im Jugendhilfeausschuss (18 Uhr/Rathaus) auf der Tagesordnung steht. Dann sollen die Kitas in Methler den Zuschlag zum Familienzentrum-Ausbau erhalten.

Im DRK-Familienzentrum Monopoli durften Kinder immer wieder ins Kinder-Hotel einziehen. Eines von vielen Angeboten der Kita unter dem Förderturm.

Im DRK-Familienzentrum Monopoli durften Kinder immer wieder ins Kinder-Hotel einziehen. Eines von vielen Angeboten der Kita unter dem Förderturm. © Stefan Milk

Alltag von Familien ist einem Wandel unterzogen

Seit 2006 haben sich nicht nur die Kindergärten verändert, auch der Alltag von Familien ist einem Wandel unterzogen.

Die Kinder werden immer früher in die Betreuung gegeben, die Mütter sind nach der Geburt wesentlich eher wieder berufstätig, die Betreuungszeiten in den Einrichtungen haben sich verlängert.

Das wird in den Kitas ergänzt mit Beratung, Förderung, Logopädie, Ergotherapie und auch Kooperationen mit anderen Einrichtungen wie mit der „Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Städte Kamen und Bergkamen“.

Mit der Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren „trägt das Land Nordrhein-Westfalen zu einer erweiterten Unterstützungsstruktur für Kinder und Eltern bei, um den wachsenden Herausforderungen an den Familienalltag zu begegnen“, heißt es auf der Homepage des Landes, das über Familienzentren informiert.

Im Familienzentrum „Villa Lach und Krach“ in Heeren-Werve ist alles kindgerecht eingerichtet. Der Kindergarten erweiterte seinen Betrieb im Jahr 2016 in einem Teil der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Schule.

Im Familienzentrum „Villa Lach und Krach“ in Heeren-Werve ist alles kindgerecht eingerichtet. Der Kindergarten erweiterte seinen Betrieb im Jahr 2016 in einem Teil der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Schule. © Stefan Milk

Acht Familienzentren in Kamen benannt

Vor 14 Jahren hat die Awo-Kindertagesstätte „Atlantis“ den Zuschlag für das Pilotprojekt des Landes erhalten, eines von landesweit 261 Familienzentren zu werden, was dann ein Jahr später geschah. In den Jahren darauf folgten die DRK-Kita Monopoli (2008), der Ev. Kindergarten „Kifaz“ Methler (2008), die Awo-Villa „Lach und Krach“ (2009), der Ev. Kindergarten Kämerstraße (2011), der Kath. Kindergarten am Bollwerk (2013) und der Awo-Kindergarten „Flohkiste“ (2017). In diesem Jahr folgen nun die Awo-Kindergärten „Gänseblümchen“ und „Brausepulver“, falls der Jugendhilfeausschuss am Dienstag dem Verwaltungsvorschlag folgt. Aktuell gibt es in NRW etwa 2.500 Familienzentren mit insgesamt rund 3.500 Kindertageseinrichtungen, die in die Arbeit der Familienzentren eingebunden sind.

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Familienzentren als Orte des Vertrauens

Für die frühere Familienminsterin Christina Kampmann sind Familienzentren „Orte des Vertrauens“. Sie böten Eltern und ihren Kindern frühe Beratung, Betreuung, Bildung sowie Erziehungs- und Lebenshilfe an und trügen so zu mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit bei.

Als wohnortnahe Anlaufstellen seien sie besonders geeignet, Familien mit niedrigschwelligen Angeboten zu erreichen. Gerade für benachteiligte Familien und Familien aus bildungsferneren Milieus würden sie bedarfsgerechte, vernetzte und ortsnahe Angebote „aus einer Hand“ und damit eine erweiterte Unterstützungsstruktur bieten.

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