Der Faltzelthersteller Sabura lagert Teile der Produktion in die Niederlande aus, um der Nachfrage gerecht zu werden, darunter Aufträge aus der Luftfahrtindustrie und von Eisenbahnherstellern.

Kamen

, 31.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erst gerade zurück aus dem Berliner Werk des Eisenbahnherstellers Stadler, wo bis Freitag eine 30 Meter lange Falthalle für die Modernisierung von ca. 1000 U-Bahnen in Betrieb genommen wurde, wird in Kamen schon wieder geschweißt und gefaltet: Das Geschäft des Falthallen-Pioniers Sabura aus dem Technopark boomt trotz Corona-Krise.

Nicht nur die Auftragsbücher sind voll, auch die Falthallen wachsen. Falthallen, die in der Industrie benötigt werden, um zusätzlichen Raum für Lackier- und Montagearbeiten zu schaffen, weil die Hallen zu klein werden.

Christoph Schwabe (r.) und Udo Schwabe vor dem Rolltor, das zum neuen Betriebsgelände im Technopark führt. Dort soll eine neue Halle gebaut werden. Die Ingenieure haben die ungewöhnliche Technik der faltbaren Raumsysteme entwickelt, die stilbildend für die gesamte Branche geworden ist.

Christoph Schwabe (r.) und Udo Schwabe vor dem Rolltor, das zum neuen Betriebsgelände im Technopark führt. Dort soll eine neue Halle gebaut werden. Die Ingenieure haben die ungewöhnliche Technik der faltbaren Raumsysteme entwickelt, die stilbildend für die gesamte Branche geworden ist. © Johannes Brüne

Weitere Faltzelte stehen vor der Auslieferung

Drei weitere Riesen-Faltzelte stehen nun vor der Auslieferung, 15 Meter breit und acht Meter hoch – und als faltbares Raumsystem auszufahren auf eine Länge bis 30 Meter. „Diese Falthallen werden erstmals größer als unsere Halle“, sagt Christoph Schwabe, Geschäftsführer der Firma im Technopark.

Bestellt wurden sie von der Rheinland Air Service (RAS) auf dem Flughafen Mönchengladbach und von den Pilatus Flugzeugwerken in der Schweiz, die gleich zwei benötigen.

Dort sollen Regional- und Business-Jets lackiert, gewartet und repariert werden. „Die eine Falthalle für die Flügelsektionen, die andere für die Röhre, in der später die Passagiere sitzen“, so Schwabe über die Anwendung bei Pilatus.

Die Firma Sabura installierte dieses 30 Meter lange Faltzelt für den Eisenbahnbauer des Eisenbahnherstellers Stadler Rail. Vier Tage lang war das Team aus Kamen im Berliner Stadtteil Reinickendorf vor Ort.

Die Firma Sabura installierte dieses 30 Meter lange Faltzelt für den Eisenbahnbauer des Eisenbahnherstellers Stadler Rail. Vier Tage lang war das Team aus Kamen im Berliner Stadtteil Reinickendorf vor Ort. © Privat

Großaufträge auch in Zeiten von Corona

Unterstützt wird der Umweltingenieur, 34 Jahre alt, von seinem Vater Udo Schwabe, 63 Jahre alt und ebenso Ingenieur.

Beide haben die ungewöhnliche Technik, die stilbildend für die gesamte Branche ist, zusammen entwickelt. Jetzt gibt es Großaufträge für die Luftfahrt und für Eisenbahnhersteller.

Auch in Zeiten von Corona. „Es kommen sogar mehr Aufträge. Das liegt wohl daran, dass viele Firmen zurzeit von Großinvestitionen absehen. Unsere Anlagen kosten lediglich einen Bruchteil“, sagt Udo Schwabe.

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Sabura und die Falthallen

Mit fünf Kräften bei Stadler in Berlin vor Ort

Mit fünf Kräften war Sabura nun im Berliner Stadtteil Reinickendorf vor Ort, wo der Eisenbahnbauer Stadler Rail seine Züge reparieren lässt. Die Komponenten für das Faltzelt, sechs Meter hoch, 7,50 Meter breit und bis zu 30 Meter lang, wurden zuvor im Technopark gefertigt. Vier Tage lang dauerte es, bis das wandelbare Zelt mit seinen großen Absaugwürfeln der Filteranlage stand. „Falls Corona ganz schlimm kommt, dann gehen dort alle Mitarbeiter zum Schutz hinein“, so ein Stadler-Mitarbeiter augenzwinkernd zu den Schwabes, als er auf die Filterleistung anspielte.

Dort war man glücklich, dass Sabura prompt liefern konnte. Das Zelt stand vier Wochen früher als vereinbart. Die Schweizer Firma hat zwei Standorte in Berlin, der zweite befindet sich in Pankow.

Weltweit sind 8000 Stadler-Bahnen in Betrieb, 170 Millionen Kilometer bringen die Fahrzeuge jährlich auf die Schiene. Jetzt auch mit Hilfe aus Kamen.

In die faltbare Halle aus Kamen rollen unter anderem Berliner U-Bahnen, die modernisiert werden sollen. Etwa 1000 Bahnen, die schon zu DDR-Zeiten in Betrieb waren, sollen überarbeitet werden.

In die faltbare Halle rollen unter anderem Berliner U-Bahnen, die modernisiert werden sollen. Etwa 1000 Bahnen, die schon zu DDR-Zeiten in Betrieb waren, sollen überarbeitet werden. © Privat

Unternehmen konsequent ausgebaut: Mitarbeiter gesucht

Im Angesicht der großen Nachfrage bauen die Schwabes ihr Unternehmen konsequent aus. Der Bauantrag für eine neue Halle auf der 1900 Quadratmeter großen Nachbarfläche im Technopark ist gestellt – das Rolltor, das beide Betriebsflächen verbindet, steht schon. Die Halle soll neun Meter hoch werden, 30 Meter lang und 500 Quadratmeter Produktionsfläche bieten. Udo Schwabe hofft, dass der Antrag schnell bearbeitet wird.

Um der Auftragslage gerecht zu werden, lagert er einige Bereiche der Fertigung nach Amelo in die Niederlande aus. „Wir haben dort einen Partner gefunden, etwa 150 Kilometer von uns entfernt, der die ersten Teile schon ausgeliefert hat“, berichtet Udo Schwabe.

Die Auslagerung erfolgt auch deswegen, weil vor Ort Personal schwer zu finden ist; die kleine Manufaktur mit Industriecharakter benötigt auch für die Ausweitung auf die künftige Halle 2 jetzt weiteres Personal: Industriemeister, Schweißer und Schlosser.

Gefragte Gäste auf Symposien unterschiedlicher Industriebranchen

Udo Schwabe ist jeden Tag wieder überrascht, wie sehr das faltbare Geschäftskonzept nachgefragt ist. „Das ist schon verrückt“, sagt er immer wieder. Mittlerweile sind die Schwabes gefragte Gäste auf Symposien unterschiedlicher Industriebranchen: Mit den Falthallen können in den unterschiedlichsten Bereichen Produktionskapazitäten rasch ausgebaut werden, auch im Maschinenbau, Elektroanlagenbau, Industrieanlagenbau, Sonderfahrzeugbau und Kranbau.

Sorge, dass das System von anderen Unternehmen, beispielsweise in China, kopiert und im großen Stil vermarktet wird? Schwabe: „Nein, bisher nicht. Andere verstehen das nicht. Da steckt viel Grips dahinter!“

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