Kurz angebremst und die Kinder vor der Schule aus dem Auto gelassen: Die sogenannten „Elterntaxis“ werden vor Kamener Schulen mehr und mehr zum Problem. Ab Februar werden Bußgelder verhängt.

Kamen

, 09.01.2020, 13:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hektik, Bremslichter, zuschlagende Autotüren. Das frühmorgendliche Bild vor den Schulen ist immer gleich: Mit einigen Eltern, die auf Bürgersteigen halten, Rettungswege versperren, in zweiter Reihe parken oder im absoluten Halteverbot anbremsen.

Nicht jedes sogenannte „Elterntaxi“, das vor Schulbeginn den Nachwuchs zu den Kamener Schulen befördert, hält sich an die Verkehrsregeln.

Weil die Verstöße – auch zu den Abholzeiten – immer auffälliger geworden sind, wird die Stadt Kamen jetzt reagieren. „Wir werden den ruhenden Verkehr vor den Schulen jetzt mitkontrollieren und Verstöße gegebenenfalls auch ahnden“, kündigt Markus Höper, Leiter des Fachbereichs Schule und Sport, im Rathaus an.

Dabei setzt die Stadt nicht nur auf Bußgelder, sondern auch auf Gespräche, wie Stadtsprecher Peter Büttner ergänzt. „Es geht nicht darum abzukassieren, sondern darum, Einsicht für mehr Verkehrssicherheit zu erreichen.“

Falsch parkende „Elterntaxis“ vor den Schulen: Mama und Papa werden jetzt zur Kasse gebeten

Mal eben auf den Bürgersteig gesetzt, um das Kind vor der Schule herauszulassen. Wie hier an der Jahnschule in Methler gibt es vor allen Schulen, nicht nur in Kamen, morgens viel Verkehr. Ab Februar werden städtische Mitarbeiter verstärkt die Schulstandorte in den Blick nehmen, um dort mögliche Verstöße zu ahnden. © Stefan Milk

Die neue Anweisung gilt ab 1. Februar

Die neue Anweisung an die fünf städtischen Kräfte, die im Außendienst den ruhenden Verkehr kontrollieren, gilt ab Freitag, 1. Februar.

Nicht nur aus den Schulen war selbst der Hinweis gekommen, dass derlei Kontrollen wünschenswert sind, wie Höper berichtet. Auch die Außendienstkräfte haben immer wieder Auffälligkeiten mit „teilweise brenzligen Situationen“, wie Höper sagt, festgestellt.

Bisher hat die Stadt aber nicht eingegriffen und trotz Verkehrsgefährdung ein Auge zugedrückt. Nachdem das Thema bei der jüngsten Schulleiterkonferenz noch einmal auf den Tisch kam, ändert sich nun die Haltung.

Falsch parkende „Elterntaxis“ vor den Schulen: Mama und Papa werden jetzt zur Kasse gebeten

Auf der Straße kurz gestoppt, die Tür geöffnet, um die Kinder ins Auto springen zu lassen, ohne sich einen Parkplatz zu suchen. Dahinter aber staut sich oftmals der Verkehr. Das Parken in zweiter Reihe soll nun geahndet werden. © picture alliance / Ralf Hirschbe

„Im Interesse der Kinder, sich an die Regeln zu halten“

Fazit der Runde: Die Eltern sollten verstärkt für das Thema sensibilisiert werden. Und bei entsprechenden Verstößen werden sie dann wohl auch zur Kasse gebeten. Höper: „Wer falsch parkt, der kriegt eine entsprechende Verwarnung, wie in anderen Fällen von Falschparken auch.“

Höper weiß, dass damit nicht jeder einverstanden sein wird. Die Mitarbeiter seien aber entsprechend geschult, um die Gefahrensituation entsprechend zu erklären. „Es ist ja im Interesse der Kinder, sich an die Regeln zu halten.“

Geahndet werden vor allem folgende Verstöße, wie Höper auflistet: Das Parken in zweiter Reihe, das Zuparken von Rettungswegen oder Wendehammern und das Parken in Halteverboten. Der Bußgeldkatalog sieht dafür Ordnungsgelder ab 15 Euro vor.

Falsch parkende „Elterntaxis“ vor den Schulen: Mama und Papa werden jetzt zur Kasse gebeten

An der Straße Ostfeld hinter der Astrid-Lindgren-Schule gilt jetzt ein absolutes Halteverbot am Morgen und am Mittag. Anwohner hatten sich über die Situation beschwert. © Stefan Milk

Anwohner in Heeren-Werve beschweren sich

An den örtlichen Schulen trifft die neue Stoßrichtung auf Zustimmung. Wie an der Astrid-Lindgren-Schule, wo sich Anwohner über den morgendlichen Elterntaxi-Verkehr beschwert hatten. Vor allem an der kleinen Stichstraße Ostfeld, wo morgens bis zum Wendehammer reichlich Betrieb war – nicht nur durch Eltern der Grundschule, sondern auch des benachbarten Kindergartens. „Das Problem ist aber gelöst“, berichtet Schulleiterin Gisela Sons. „Es ist dort ein zusätzliches Schild aufgestellt worden.“ Dieses weist ein absolutes Halteverbot zu den Stoßzeiten aus - morgens von 7 bis 9 Uhr und mittags von 12 bis 14 Uhr.

Eltern mit Hinweis auf Alternativen angeschrieben

Zusätzlich, so berichtet Sons, habe man die Eltern zu Beginn des Schuljahres angeschrieben, um ihnen Alternativen aufzuzeigen. Besser sei es, bei der Anfahrt die Pröbstingstraße zu nehmen, um dort die Kinder herauszulassen. „Und nicht an der Westfälischen Straße.“

Das Kollegium, so Sons, würde die Eltern zudem ermutigen, die Kinder zu Fuß gehen zu lassen. „Aber es gibt natürlich auch das Problem, dass viele berufstätig sind und die Kinder dann auf dem Weg zur Arbeit herauslassen. Wir haben natürlich Verständnis dafür, dass sie die Kinder mit dem guten Gefühl, dass sie gut angekommen sind, abliefern wollen.“

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„Wenn Sie die Eltern fragen, dann heißt es immer: Das ist chaotisch“

An der Hammer Straße in Kamen-Mitte treffen die Verkehre des Städtischen Gymnasiums, der Kindertagesstätte „Pusteblume“ und der Diesterwegschule aufeinander. „Wenn Sie die Eltern fragen, dann heißt es immer: Das ist chaotisch“, berichtet Petra Wüster, Schulleiterin der Diesterwegschule.

Man habe zwar den großen Parkplatz vor der Tür, der viele Vorteile bringe. Dennoch käme es immer wieder zu Problemen, weil nicht die Parkplätze angesteuert werden, sondern direkt auf den Wegen gehalten werde. „Der Verkehr staut sich dann bis auf die Hammer Straße, natürlich besonders bei schlechtem Wetter.“ Problematisch sei zudem das Verhalten jener Eltern, die trotz Durchfahrtverbots die Stichstraße bis zum Schulhof nutzen. „Das ist nicht prickelnd. Und ich weiß: Jeder hat sein Argument, warum er das tut.“

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Ratschlag: Immer erst einen Parkplatz ansteuern

Der Ratschlag der Pädagogen an die Eltern dennoch ist: Immer erst einen Parkplatz ansteuern. „Eine richtige Parklücke suchen, damit man nicht im Weg steht“, so Wüster. Und dann den Kindern zudem noch zeigen, wie man sich auf einem Parkplatz bewegt. Es sei nicht empfehlenswert, zwischen den rangierenden Autos herzulaufen. Besser sei es, den kleinen Verbindungsweg in Höhe des Kindergartens zu nutzen.

Wüster stand einmal besonders lange in der Schlange, weil ein Fahrer in der Zufahrt hielt. „Das waren aber keine Eltern, sondern eher Innenstadtkunden. Die haben erst einmal in Ruhe den Kofferraum eingeladen, bevor sie weiter gefahren sind.“

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