Ex-Vizebürgermeisterin parkte mutmaßliches Schwarzgeld auf Konto der Grünen

dzParteikasse missbraucht

Hunderttausende Euro hat die frühere Vize-Bürgermeisterin bei einem Elektrofachhandel veruntreut. Einen vierstelligen Bruchteil parkte sie zwischenzeitlich auf einem Parteikonto der Grünen. So hinterging sie ihre Parteifreunde.

Kamen

, 14.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Grünen in Kamen bleiben nach dem Urteilsspruch gegen die frühere Vizebürgermeisterin auf Distanz zu ihrem ehemaligen Parteimitglied. Bündnis 90/Die Grünen Kamen kommentiere das Urteil nicht, erklärte Ortsverbandssprecher Andreas Dörlemann. Bettina Werning war am Freitag zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen Betrugs verurteilt worden, weil sie in ihrem Hauptberuf als Buchhalterin einen Kamener Elektrofachhandel um mehr als 460.000 Euro betrogen hatte.

Die Grünen haben allen Grund, keine Worte mehr über das schwarze Schaf der Partei zu verlieren: wegen des politischen Schadens durch das Fehlverhalten und wegen des Missbrauchs der Parteikasse, auf der die Kassiererin zeitweise mutmaßlich Schwarzgeld parkte.

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Als Werning im März 2017 an ihrem Arbeitsplatz aufflog, war sie seit drei Jahren ehrenamtliche Vize-Bürgermeisterin sowie Ratsmitglied und Kassiererin des Grünen-Ortsverbands. Ihren Rücktritt und die Hintergründe gab sie in einem persönlichen Gespräch mit Parteikollegen am 28. April bekannt. Das ganze Ausmaß erfuhren die Grünen aber nicht. Einen Tag später informierte die Parteispitze die Öffentlichkeit per Pressemitteilung über den Rücktritt – wegen strafrechtlich relevanter Vorwürfe, die nicht im Zusammenhang mit ihrem Amt oder ihrer Fraktions- oder Parteiarbeit stehen würden.

Die Bombe war geplatzt, der politische Imageschaden war da – ein Schaden, der die Grünen letztlich die Anwärterschaft auf das zweite Bürgermeisteramt kostete. Das wird seitdem von der SPD selbst beansprucht, und das Verhältnis zwischen Rot und Grün gilt als angespannt.

Die Grünen erlitten zwar keinen materiellen Verlust, aber die Kassiererin nutzte die Parteikasse noch kurz vor ihrem Rücktritt für geldwäscheverdächtige Zwecke. Rund zwei Wochen vor dem persönlichen Rücktrittsgespräch gingen merkwürdige Einzahlungen von insgesamt rund 7000 Euro auf einem Sparbuch der Grünen ein. Diese Summe wurde in derselben Aprilwoche, in der Werning den Grünen ihren Rücktritt erklärte, wieder abgehoben.

Die Grünen sollen diesen Vorgang erst bemerkt haben, als sie nach Wernings Rücktritt die Kasse durchleuchteten. Vorstandssprecher Andreas Dörlemann und die neue Kassiererin Doris Werner konfrontierten Werning daraufhin mit den Unregelmäßigkeiten und erhielten als Ausrede, dass sie sich vertan habe. Parteisprecher Dörlemann informierte die Polizei über den Vorgang, der einen Geldwäsche-Verdacht auslöste, der letztlich in den Gesamtkomplex der Ermittlungen einfloss.

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Das Fiasko mit der Vizebürgermeisteirn war für die Grünen eine riesige menschliche Enttäuschung. Dörlemann hatte seine Parteikollegin stets als bescheiden und unauffällig wahrgenommen, wie er den Ermittlern erklärte. Auffällig seien häufige Urlaubsreisen und große Geburtstagsfeiern gewesen. Der Grünen-Vorstandssprecher äußerte auch seine Theorie, warum Werning das Geld auf das Grünen-Sparbuch eingezahlt hatte. Sie habe es vermutlich dort geparkt, weil ihr Vermögen eingefroren werden sollte. So kam es auch.

Der Arbeitgeber machte einen Gesamtschaden von über 800.000 Euro geltend; Werning stimmt im Januar 2018 vor dem Arbeitsgericht Dortmund einem Vergleich von über 700.000 Euro zu und legte im nun abgeschlossenen Strafprozess im Dezember 2019 ein Geständnis ab.

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