Federico Bisci (li., Inhaber und Koch) und Sascha Filler (Service) setzen im Restaurant Casa Tua auf vegane Alternativen. Die kommen gut an. © Stefan Milk
Restaurant in Kamen

Es muss nicht immer Fleisch sein: Das Casa Tua kreiert im „Veganuary“ leckere Alternativen

Pizza, Pasta und mehr: Wie vielfältig und lecker vegane Gerichte sind, zeigt das Casa Tua. Der Italiener bietet im „Veganuary“ besonders kreative Speisen an, die auch Fleischessern schmecken sollen.

Von Pasta mit rotem Curry und Walnuss-Pesto bis zur Pizza mit Auberginen und Granatapfelkernen: Diese Gerichte klingen nicht nur exotisch und lecker, sondern sind zudem noch vegan. Kreiert werden sie in der Küche des italienischen Restaurants Casa Tua am Alten Markt.

Das Kamener Restaurant von Inhaber Frederico Bisci präsentiert im Januar regelmäßig Kreationen, die keine tierischen Produkte enthalten. Bisci unterstützt damit die weltweite Kampagne „Veganuary“, die dazu aufruft, sich im Januar vegan zu ernähren.

Seit dem Start der Kampagne im Jahr 2014 nahmen weltweit mehr als 1 Million Menschen teil, heißt es auf der Homepage dazu. „Allein im Jahr 2020 bewarben mehr als 600 Unternehmen, Restaurants und Supermärkte den Veganuary und führten über 1.200 neue vegane Produkte und Menüs ein“, heißt es.

Eines dieser Restaurants ist das Casa Tua in Kamen. Doch Bisci bietet längst nicht nur im Januar vegane Speisen an. Der Gastronom hat schon seit 2016 einen Kurs eingeschlagen, bei dem er vermehrt auf auf Fleischalternativen setzt. Freilich gibt es auch Fleisch, aber das dann in hoher Qualität aus der heimischen Fleischerei Flechsig.

Seltener Fleisch und dafür in guter Qualität

„Fleisch ist für uns ein Genussprodukt, das man nicht jeden Tag essen sollte, sondern gelegentlich in guter Qualität“, findet der 32-jährige Gastronom. Er selbst ist ein „Flexitarier“, was dafür steht, dass er zwar Fleisch isst, aber nur sehr selten.

Bisci hat das Casa Tua im Jahr 2016 von seinen Eltern übernommen und dabei das Konzept grundlegend umgekrempelt. Nicht nur vegane Gerichte stehen seitdem auf dem Programm, sondern auch nachhaltige Verpackungen und Lebensmittel in Bioqualität. Nach dem Lockdown soll es im Casa Tua zum Beispiel veganen Capuccino aus Faitrade-Kaffee und einem Bio-Sojadrink geben.

Federico Bisci hat das Casa Tua vor dem Lockdown aufwendig umgerüstet und saniert, damit Gäste dort coronasicher speisen können – zum Beispiel steht der Ofen nicht mehr im Eingangsbereich, sondern in der Küche, damit im Speiseraum mehr Platz ist. Derzeit wird der Ofen aber nur für Abhol-Kunden angefeuert – diese halten dem Restaurant zurzeit die Treue. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Er habe gesehen, dass es dafür einen Markt gibt, die Nachfrage groß ist – und hier die Zukunft liegt. Über das Verbot von Einwegplastik, dass ab dem Sommer greift, muss Bisci sich keine Gedanken machen. Er hat schon vor vier Jahren den Schalter umgelegt.

Die Nachfrage an veganen Produkten im Casa Tua in Kamen steigt

Seitdem sei die Nachfrage an veganen Produkten gestiegen, der Kurs komme gut an, freut sich Bisci. Und das nicht nur bei Kunden, die aus Tierliebe auf tierische Produkte verzichten wollen. „Manche vertragen kein tierisches Eiweiß“, so Bisci. Und auch Gäste, die kein Gluten vertragen, können im Casa Tua genüsslich in eine Pizza beißen – denn auch glutenfreie Gerichte stehen auf der Speisekarte. Selbstverständlich ist das nicht.

Für Veganer und Menschen mit Unverträglichkeiten ist das Casa Tua ein Glücksgriff, denn hier müssen sie nicht die Speisekarte nach zufällig veganen oder glutenfreien Gerichten scannen. Bisci möchte aber nicht nur sie ansprechen, sondern auch Menschen, die alles vertragen und je nach Geschmack auch alles essen.

„Wir entwickeln kreative Rezepte, mit denen wir auch Nicht-Veganer überzeugen möchten“, so Bisci. Es müsse nicht immer Fleisch auf dem Teller landen und wer vegan isst, müsse auch nicht auf guten Geschmack verzichten. „Vegan ist mehr als Salat“, so Bisci. Und wem jetzt eine Pizza ohne Käse (oder noch schlimmer mit Analog-Käse) in den Sinn kommt, liegt auch daneben: Denn die Köche im Casa Tua stellen aus biologischer Margarine selbst einen Hefeschmelz her, der als Käseersatz dient.

Rossmann und DM bieten zahlreiche vegane Produkte an

Wie vielfältig vegane Ernährung sein kann, zeigt auch ein Blick auf die verschiedenen Teilnehmer der Kampagne „Veganuary“. Zu ihnen gehören zum Beispiel auch die beiden Drogerie-Ketten „Rossmann“ und „DM“, die auch beide mit Filialen in Kamen vertreten sind.

Auf der Rossmann-Internetseite gibt es Tipps zur Ernährungsumstellung, vegane Rezepte und Aktionen für vegane Produkte. Die reichen vom veganen Brotaufstrich bis hin zum veganem Milchersatz. Auf der DM-Seite sieht es ganz ähnlich aus. Nicht nur Lebensmittel, sondern auch vegane Kosmetik gibt das Sortiment her – denn wer wirklich vegan leben möchte, sollte freilich auch keine Kosmetikprodukte mit tierischen Inhaltsstoffe verwenden oder Kleidung aus Wolle oder Leder tragen.

Beide Drogisten stellen fest, dass die Nachfrage an veganen Produkten steigt. DM freut sich über positives Feedback aus den Sozialen Medien und in den Geschäften. So kommen etwa der vegane Speiseplan auf der Internetseite und die vegane Rezeptbroschüre, die in den Filialen ausliegt, gut an, erklärt die Geschäftsführerin Kerstin Erbe.

Auch viele Supermärkte beteiligen sich am Veganuary und setzen im Januar vermehrt auf fleischlose Angebote. © obs © obs

„Wir erleben eine weiterhin starke und auch steigende Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln. Mit dem Sortiment von dmBio, das zu rund 75 Prozent aus veganen Produkten besteht, bieten wir unseren Kunden ein vielfältiges und breitgefächertes Angebot an.“ Es kommen immer wieder neue Produkte auf den Markt – aktuell sind das vegane Fruchtgummis und ein Fleischersatz auf Basis von Jackfruit und Erbsenprotein.

Im Veganuary fleischlose Alternativen ausprobieren

Rossmann bietet ebenfalls einen Fleischersatz auf einer solchen Basis an und führt seit kurzem vegane Joghurtalternativen und einen Hackfleisch-Ersatz aus Sonnenblumenkernen. „Wir nehmen wahr, dass die Kampagne unserer Rossmann-Marke enerBiO zum Veganuary bisher auf großes Interesse stößt. Die Rabattaktion wird dankbar angenommen und ermutigt viele unserer Kund:innen dazu, sich mit der eigenen Ernährungsweise auseinanderzusetzen und vegane Produkte zu auszuprobieren“, berichtet die Sprecherin Vivian Thürnau.

Und Ausprobieren ist hier wohl das richtige Stichwort. Denn wie auch Bisci sagt: Es gibt viele Gerichte und Produkte, die vegan sind und gut schmecken. Der Veganuary ist ein guter Zeitpunkt, sich zu trauen, und einfach mal den milchfreien Joghurt, die Pizza mit Käseersatz oder fleischlose Spaghetti Bolognese zumindest einmal auszuprobieren.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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