Dieser Garten ist ein Stück ungezügelte Natur. Die Blumenwiese von Klaus-Bernhard Kühnapfel lockt Schmetterlinge und viele andere Insekten. Die Blütenpracht zeigt: Die Insekten kommen, wenn man sie nur lässt.

Kamen

, 22.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das ist kein Garten. Das ist ungezügelte Natur. Wer diese Blumenwiese an der Mühlenstraße beobachtet, kann sicher sein, dass er gleich einen Schmetterling, wahrscheinlich gleich mehrere, sehen wird. Der Kamener Naturschützer und Diplombiologe Klaus-Bernhard Kühnapfel hat an der ehemaligen Dorfschmiede, die nun ein Wohnhaus ist, eine wild blühende Fläche angelegt und nun einen Preis dafür erhalten.

Der Naturschutzbund Deutschland hat ihn für seinen schmetterlingsfreundlichen Garten ausgezeichnet. Etwa 30 Arten farbenprächtiger Tagfalter und hunderte von Nachtfaltern haben dort ein Zuhause gefunden. Und auch viele andere Insekten wie Heuschrecken, Marienkäfer und Weidenbohrer. Das Geheimnis für so große Naturpracht ist, dass der Rasenmäher so gut wie gar nicht zum Einsatz kommt. „Nur gelegentlich zur Nachsorge im Spätherbst“, wie der 56-Jährige sagt.

Der Salbei steht zurzeit in kraftvollem Blau und ist Nahrungsquelle für allerlei Insekten, die den schmetterlingsfreundlichen Garten in Methler aufsuchen.

Der Salbei steht zurzeit in kraftvollem Blau und ist Nahrungsquelle für allerlei Insekten, die den schmetterlingsfreundlichen Garten in Methler aufsuchen. © Stefan Milk

Bloß nicht alles wegsensen: Es bleibt immer etwas stehen

Kein Rasenmäher, schon gar kein Mäh-Roboter. Beides würde auch nicht funktionieren, weil Gräser, Kräuter und Blumen fast hüfthoch stehen.

Aber was dann? Eine Sense! Und die kommt auch nicht wöchentlich zum Einsatz, sondern nur zwei Mal im Jahr. Zudem wäre „es schlimm, alles wegzuscheiden und nichts ist mehr da“, erläutert Kühnapfel.

Die Mahd erfolgt demnach Stück für Stück, etwa auf einem Viertel der Fläche. „Dann haben die Insekten die Möglichkeit, auf die anderen Bereiche auszuweichen“, erklärt der Umweltschützer. Durch den behutsamen Sensenschnitt haben die verletzlichen Tiere die Möglichkeit, die Flucht anzutreten. Beim Rasenmäher, der alles einsaugt und zerhäckselt, nicht.

Flockenblumen prägen das Bild mit ihrem Violett auf der Schmetterlingswiese. Edelfalter, Augenfalter, Dickkopffalter und Schwalbenschwanz fliegen buchstäblich auf ihren Nektar.

Flockenblumen prägen das Bild mit ihrem Violett auf der Schmetterlingswiese. Edelfalter, Augenfalter, Dickkopffalter und Schwalbenschwanz fliegen buchstäblich auf ihren Nektar. © Stefan Milk

Die Wiese besteht aus vielen heimischen Pflanzenarten

Die Blumenwiese besteht aus heimischen Pflanzenarten, was sich fast von selbst versteht. Es blühen dort violette Flockenblumen und der tiefblaue Salbei. Wilde Margeriten setzen leuchtende Punkte in Weiß und Gelb. Es gibt Rotklee und Hornklee – und im Frühjahr als eines der ersten üppigen Nahrungsangebote Wiesenschaumkraut.

Das Giersch wird gern von Landkärtchen aufgesucht, Wasserdost lockt Tagpfauenauge, Kleinen Fuchs, Faulbaumbläuling und verschiedene Weißlinge. „Bei mir“, so Kühnapfel, „darf auch Jakobskreuzkraut wachsen, regelmäßig kommt daher auch der Blutbär bei mir vor.“

Wilde Margeriten haben sich auf der mageren Blumenwiese eingesät

Wilde Margeriten haben sich auf der mageren Blumenwiese eingesät © Stefan Milk

Schwebfliegen, Hummeln, Bienen und viele Schmetterlinge

Zur Blütezeit des echten Dostes wimmele es im Garten dann von Schwebfliegen, Hummeln, Bienen und vielen Schmetterlingen. „Besonders Großes Ochsenauge, Schornsteinfeger und Weißlinge nutzen diese Pflanze emsig“ sagt er. Der Dost blüht zusammen mit der Skabiose oft noch bis in den Oktober hinein und bietet so langanhaltend Nektar für die späten Arten, die sonst in der Umgebung kaum noch Nektarpflanzen finden.

Skabiosen tragen den natürlichen Charme einer Blumenwiese und sind eine echte Bereicherung für den naturnahen Garten.

Skabiosen tragen den natürlichen Charme einer Blumenwiese und sind eine echte Bereicherung für den naturnahen Garten. © Stefan Milk

Mit Lichtfängen Arten an der Körne bestimmt

Kühnapfel weiß das alles so genau, weil er sich an der benachbarten Körne auch nachts auf die Lauer legt, um Schmetterlinge kurz zu fangen, zu bestimmen und dann wieder frei zu lassen. Das macht er mitten in der Nacht mit sogenannten „Lichtfängen“ - mit einer UV-Leuchte und weißen Bettlaken, die er drumherum auslegt. Die Falter werden vom Licht angezogen und fliegen in ein Gaze-Netz, ein leichtes, sehr locker gewebtes Netz. „40 bis 50 Arten an einem Abend kann man dann finden“, sagt er. Die kurz mit Essigäther betäubten Tiere kommen dabei nicht zu Schaden. Dann findet Kühnapfel Ulmenzipfelfalter, Schwalbenschwanz, Perlmuttfalter, Schachbrettfalter und Landkärtchen. Insgesamt hat er schon etwa 350 Arten bestimmt. Darunter Arten, die hier bisher nicht waren. Durch den Klimawandel kommen die wärmeliebenden Falter aus dem Süden hierher.

Der Salbei bildet ein blaues Band in Kühnapfels Garten. Dort brummt und summt es.

Der Salbei bildet ein blaues Band in Kühnapfels Garten. Dort brummt und summt es. © Stefan Milk

Wenn man auch einen Schmetterlingsgarten haben möchte

Doch zurück zur Blumenwiese im eigenen Garten. Wer auch einen anlegen möchte oder nur einen kleinen Teil des Gartens dafür opfern möchte, der sollte laut Kühnapfel darauf achten, dass der Boden nährstoffarm ist. Deswegen sollte man nicht düngen und zudem die Mahd abräumen und nicht auf dem Boden liegen lassen. Auch eine Brennessel-Ecke schadet nicht. „Man darf die Pflanze nicht nur verteufeln“, so Kühnapfel. Attraktiv sind sie für Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und C-Falter. An anderen Gräsern hat er schon Raupen vom Waldbrettspiel und Schornsteinfeger gefunden. Regelmäßig pflanzt sich auch der Aurorafalter, der Hauhechel-Bläuling und der Faulbaumbläuling im Garten fort. Arten, die wohl nur ein Fachmann erkennen kann.

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Der Garten bietet immer Abwechslung

Kühnapfel wird nicht müde, in seiner Freizeit den brummenden Garten zu beobachten. „Das könnte ich stundenlang tun. Und man merkt, dass noch viele Arten vorhanden sind, viele davon aber nicht mehr in großer Zahl. Die Insekten haben schon gelitten“, sagt er mit Blick auf das viel diskutierte Insektensterben. Solche Gartenbereiche deswegen anzulegen, kann er nur empfehlen. „Sie dienen den Insekten als Trittsteine. Von dort aus können sie sich weiter verbreiten.“

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