Erstes Ergebnis bei Vahle: 30 ältere Mitarbeiter sollen frühzeitig in Rente gehen

dzWirtschaft in Kamen

Erstes Ergebnis in der fünften Runde beim Stromschienen-Hersteller Vahle, der bis zu 100 Stellen abbauen will. Ca. 30 ältere Mitarbeiter sollen ein Angebot erhalten, damit sie frühzeitig in Rente gehen.

Kamen

, 08.07.2020, 12:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der fünfte Gesprächstermin bringt ein erstes Ergebnis beim Stromschienen-Hersteller Vahle. Das Technologie-Unternehmen an der Westicker Straße wird ca. 30 älteren Mitarbeitern ein Angebot mit Abfindung unterbreiten, damit sie das Unternehmen vorzeitig verlassen.

„Klare Angebote liegen jetzt vor“, teilte Betriebsratsvorsitzender Dietmar Hupe auf Anfrage der Redaktion mit. Die Mitarbeiter sollen jetzt von der Geschäftsführung angeschrieben werden, um Beratungstermine auszumachen. Dort soll geklärt werden, für wen das infrage kommt.

Die Firma Vahle, die von der Corona-Pandemie betroffen ist, setzte zu Beginn der Krise ein Zeichen, als sie Gesichtsmasken an den Rettungsdienst der Stadt Kamen spendete. Anfang April stattete das Kamener Unternehmen auch die lokalen Polizeibeamtinnen und -beamten mit je 500 Masken aus.

Die Firma Vahle, die von der Corona-Pandemie betroffen ist, setzte zu Beginn der Krise ein Zeichen, als sie Gesichtsmasken unter anderem an den Rettungsdienst der Stadt Kamen spendete, die Feuerwehrchef Rainer Balkenhoff und Bürgermeisterin Elke Kappen entgegennahmen. © Vahle

Streichliste liegt vor: Jetzt geht es in die Prüfung

Unterdes liegt auch eine Liste vor, wer in welcher Abteilung gehen soll, wobei der Begriff „Streichliste“ offiziell nicht fällt, sondern vielmehr von Personalüberhängen die Rede ist. Insgesamt sollen etwa 100 Stellen von 630 abgebaut werden, vor allem in Kamen und Dortmund-Brackel.

Es betrifft die vier Bereiche Technik, Gewerbe/Logistik, Vertrieb und Zentrale Dienste mit Buchhaltung und Personalabteilung. Ausgenommen ist die Produktion. Bis Ende kommenden Jahres soll der Stellenabbau abgeschlossen sein, damit das Unternehmen unter neuen Vorzeichen ins Geschäftsjahr 2022 starten kann.

Ziel ist, dass weniger Stellen abgebaut werden

Nach dem nunmehr fünften Treffen, bei dem nach mehrfachem Informationsaustausch erstmals auch verhandelt wurde, geht es für den Betriebsrat um Dietmar Hupe und den IG-Metall-Bevollmächtigten Michael Lux jetzt ans Eingemachte.

Sie wollen in den nächsten zweieinhalb Wochen Kontakt mit den vier Bereichsleitern aufnehmen, um zu ergründen, ob es in den Abteilungen überhaupt möglich ist, auf Personal zu verzichten. „Wir wollen für jede Kraft, die gehen soll, wissen: wieso, weshalb, warum?“, so Hupe.

Ziel ist, die Streichliste zu reduzieren. „Es besteht weiterhin die Absicht, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen“, so Hupe. Dazu soll auch eine Transfergesellschaft gegründet und ein Freiwilligenprogramm aufgelegt werden. Beide Themen sollen bei der nächsten Verhandlungsrunde am Dienstag, 4. August, vertieft werden.

Jetzt lesen

Betriebsversammlung für den 11. August geplant

Die Mitarbeiter sollen dann am Dienstag, 11. August, im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Ergebnisse informiert werden. Ob die Veranstaltung in Corona-Zeiten in der Stadthalle stattfinden wird, steht noch nicht endgültig fest. „Die Kapazität, so hörte ich dort auf Anfrage, liegt zurzeit bei ca 150 Leuten“, so Hupe. Er erwartet aber, dass deutlich mehr Mitarbeiter kommen werden. „Das wird also nicht ausreichen. Wir brauchen eine Alternative.“ Welche, das steht noch nicht fest.

Jetzt lesen

140 Mitarbeiter im Ausland von Stellenabbau nicht betroffen

Betroffen von den Plänen sind jene 630 Mitarbeiter, die hauptsächlich in Kamen, dazu in der Betriebsstätte Dortmund-Brackel, aber auch in Vertriebsbüros beispielsweise in München und Berlin arbeiten. Die 140 Mitarbeiter, die in den Vertriebsniederlassungen im Ausland wie USA und Brasilien arbeiten, sind von dem Arbeitsplatzabbau ausgeschlossen. Der Standort in Dortmund-Brackel soll in den nächsten zwei Jahren aufgeben werden. Das sei schon vor der Corona-Krise geplant gewesen, hatte Geschäftsführer Achim Dries in einem Gespräch mit der Redaktion gesagt.

Auslöser für das plötzliche Streichprogramm war die Corona-Pandemie, weil die Auftragslage schlagartig einbrach. Wo sonst etwa 1000 Aufträge pro Woche aufliefen, blieben E-Mails und Anrufe mehr und mehr aus.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kita und Schule betroffen
Nach Testpanne in Bayern: Familien im Kreis Unna wussten nichts von Infektion
Hellweger Anzeiger Schmähung gegen SPD
Beleidigende Aufkleber und Einschüchterungsversuch: Wahlkampf geht unter die Gürtellinie
Hellweger Anzeiger Goldschmied und Künstler
Gregor Telgmann und seine Quelle: Schöpfer des Kamener Marktbrunnens gestorben
Hellweger Anzeiger 7-Tage-Inzidenz
Corona-Neuinfektionen: Kreis Unna sieht im bundesweiten Vergleich schlecht aus
Meistgelesen