Tödlicher Behandlungsfehler in Kamen? Rechtsmediziner untersuchen die Patientenakte

dzErmittlungsverfahren läuft

Eine Wernerin hat schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus in Kamen erhoben. Die Staatsanwaltschaft Dortmund läutet im Ermittlungsverfahren nun den nächsten Schritt ein.

Kamen, Werne

, 28.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihr Lebensgefährte wurde am 5. Januar diesen Jahres mit einer Oberschenkelfraktur in das Hellmig-Krankenhaus in Kamen eingeliefert, wenige Tage später starb er an einem irreversiblen Hirnschaden. Das möchte eine 71-jährige Wernerin nicht so einfach hinnehmen. Sie glaubt nicht, dass ihr Partner gestorben wäre, wäre er anders behandelt worden. Mit der Unterstützung des Unnaer Anwalts Mirko Koch, der auf solche Fälle spezialisiert ist, erhob sie Strafanzeige. Der Vorwurf: Fahrlässige Tötung.

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Das Ermittlungsverfahren wird derzeit von der Staatsanwaltschaft Dortmund geleitet. Vor allem geht es jetzt darum herauszufinden, ob wirklich Fehler gemacht wurden und falls ja, wer Schuld ist. Erst dann kann Anklage erhoben werden, denn diese richten sich immer gegen Personen.

Rechtsmediziner untersuchen die Krankenakte

Von einem solchen Schritt ist man aber noch weit entfernt. „Heute hat meine Kollegin ein rechtsmedizinisches Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben“, sagt Henner Kruse am Dienstag. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärt, dass jetzt Rechtsmediziner unter Berücksichtigung der Krankenakten Stellung zu dem Fall nehmen und untersuchen, ob Behandlungsfehler passiert sind.

Das Hellmig-Krankenhaus in Kamen kann nicht angeklagt werden, sondern nur Menschen. Deshalb wird jetzt ermittelt, ob es mögliche verantwortliche Personen gibt und ob tatsächlich eine Straftat vorliegen könnte.

Das Hellmig-Krankenhaus in Kamen kann nicht angeklagt werden, sondern nur Menschen. Deshalb wird jetzt ermittelt, ob es mögliche verantwortliche Personen gibt und ob tatsächlich eine Straftat vorliegen könnte. © Stefan Milk

Bis dieses Gutachten vorliegt, werden nach Erfahrungen der Staatsanwaltschaft mehrere Monate vergehen. Laut Kruse kann das zwischen drei und sechs Monaten dauern. Ob es überhaupt zu einer Anklageerhebung und einer Hauptverhandlung kommt, ist zu diesem Zeitpunkt also noch ungewiss. Die Ermittlungen laufen.

Hätte der Mann in seinem Zustand operiert werden dürfen?

Falls es zu einer Verhandlung kommen sollte, wird es im Gerichtssaal wohl viele Punkte geben, die diskutiert werden. Denn es sind eine Reihe von Vorwürfen, die die Wernerin erhebt. So kritisiert ihr Anwalt in seiner Stellungnahme zum Beispiel die Medikation.

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Der Verstorbene soll demnach bei seiner Ankunft im Krankenhaus geistig stabil gewesen sein und sei dann mit einem „Medikamenten-Cocktail“ abgeschossen worden. Das soll unter anderem dazu geführt haben, dass er sich in einem Delirium befand, als er am nächsten Tag operiert werden sollte.

Laut Koch ist zu diesem Zeitpunkt die am vorangegangenen Tag erteilte Einwilligung zur Operation wegen des veränderten Gesundheitszustandes nicht mehr gegeben gewesen. Offenbar wurde dennoch operiert. Und das – ein Punkt, den Koch ebenfalls kritisiert – ohne die Mandantin, aufzuklären. Trotz Patientenverfügung sei die Wernerin zu keiner Zeit benachrichtigt worden.

Das Hellmig-Krankenhaus hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Es verwies auf das noch laufende Verfahren.

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