Harte Schale, weicher Kern: Zu keinem passt diese Floskel wohl besser als zum Türsteher des Hellmig-Krankenhauses. Ivan Mamaev verwöhnt das Personal mit Blumen und Schokolade, kann aber auch anders.

Kamen

, 21.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn sie über Ivan Mamaev sprechen, geraten die Pflegedienstleitungen Gabi Heinze und Stefanie Vollstädt ins Schwärmen. Denn Mamaev, der derzeit für die Sicherheit im Hellmig-Krankenhaus sorgt, ist viel mehr als ein Türsteher oder Security-Mitarbeiter. Er ist die gute Seele.

„Kommt man morgens zur Arbeit, wird man mit einem Lächeln und einem Knoppers begrüßt. Da bekommt man gleich bessere Laune“, sagt Vollstädt. Mamaev habe immer ein Lächeln auf den Lippen – und das, obwohl er jeden Tag von 7 bis 19 Uhr im Einsatz ist. Doch nicht nur das ist schon eine Besonderheit. Er lässt sich stets etwas Nettes für das Personal des Krankenhauses einfallen. Sei es Schokolade zur Aufmunterung oder Blumen am Muttertag.

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Das sei außergewöhnlich, sagt Vollstädt, die auch schon Sicherheitsmitarbeiter an anderen Krankenhaus-Standorten kennengelernt hat. Und dafür, dass Mamaev so besonders ist, sind ihm die Pflegekräfte sehr dankbar. „Und auch die Ärzte“, sagt Heinze. Denn neben der vielen Freundlichkeit und den Aufmerksamkeiten mache Mamaev einfach einen tollen Job.

Ivan Mamaev ist auch zur Stelle, wenn es Streit gibt

Der 33-jährige Methleraner steht nicht nur vor dem Eingang, um Besucher zu befragen und zu kontrollieren, ob sie einen Mundschutz tragen. Es kommt auch mal vor, dass er Geräte in den OP trägt und er Streit schlichtet. Ob auf den Stationen oder etwa in der Notaufnahme: Mamaev ist zur Stelle, wenn es Momente gibt, in denen sich Stress anbahnt, und entschärft die Situation. Er gibt dem Personal ein sicheres Gefühl und das würden Vollstädt und Heinze auch nach der Corona-Zeit noch sehr begrüßen. Ob er dem Krankenhaus nach Corona noch erhalten bleibt, ist jedoch noch nicht entschieden.

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In Sachen Sicherheit ist Mamaev jedenfalls fit. Denn die Deeskalation ist für den Sicherheitsmann freilich nichts Neues. Bevor er am 19. März im Hellmig-Krankenhaus angefangen hat, stand er unter anderem vor Diskotheken oder Veranstaltungshallen und hat dort Taschen- und Einlasskontrolle betrieben. Und jeder weiß, dass es bei Partys, Konzerten oder Festen auch mal zu Handgreiflichkeiten kommen kann.

Ivan Mamev musste lernen, emotionale Erfahrungen zu verarbeiten

Während Mamaev in dieser Hinsicht schon Erfahrungen mitgebracht hat, war der Kontakt zu Kranken und ihren Angehörigen ganz neu für ihn. „Erst erzählen sie nicht viel, aber wenn man sich dann öfter sieht, schon. Das geht mir dann ans Herz und ich bekomme Mitleid“, gibt der etwa zwei Meter große Mann zu.

Die Sorgen und Eindrücke habe er mit nach Hause genommen, wo er aus datenschutzrechtlichen Gründen aber nicht von der Seele reden kann, was er am Tag so alles gehört hat. Er musste in den ersten Wochen lernen, das alles zu verarbeiten.

Hinter seiner Maske lächelt Ivan Mamev meistens. Der Sicherheitsmitarbeiter am Hellmig-Krankenhaus in Kamen befragt Besucher, bevor sie das Krankenhaus betreten und kontrolliert, ob sie eine Maske tragen.

Hinter seiner Maske lächelt Ivan Mamev. Der Sicherheitsmitarbeiter am Hellmig-Krankenhaus in Kamen befragt Besucher, bevor sie das Krankenhaus betreten und kontrolliert, ob sie eine Maske tragen. © Marcel Drawe

Besonders schwer ist ihm das gefallen, wenn er ahnte, dass sich der Zustand der erkrankten Person verschlechtert hat oder sie möglicherweise verstorben ist. Denn Mamaev nimmt in der Zeit des Besuchsverbots die Taschen für Patienten am Eingang entgegen.

Durfte der oder die Angehörige dann auf einmal doch ins Krankenhaus hinein oder nahm die Tasche den Weg in die andere Richtung, befürchtete Mamaev Schlimmeres – wobei es freilich auch andere Fälle gab, in denen die Kranken ausnahmsweise Besuch bekommen durften.

Wer im Krankenhaus arbeitet, ist stark – innerlich

Und doch bewahrheiten sich seine Befürchtungen auch mal und damit gilt es, umgehen zu können. „Leben kommt und Leben geht“, sagt Mamaev. Das habe ihm ein Arzt gesagt. „Man braucht in diesem Umfeld viel Empathie und psychosoziale Stärke“, sagt Pflegedienstleiterin Stefanie Vollstädt.

Auch wenn jeder theoretisch weiß, dass in einem Krankenhaus schöne Dinge passieren, aber auch traurige, ist es für Menschen von außerhalb wohl nur schwer nachzuvollziehen, was das Personal dort miterlebt und auch ertragen können muss.

Ivan Mamaev gehört nun auch zu diesem Team – vorerst zwar nur für die Corona-Zeit, wenn es aber nach Vollstädt und Heinze ginge auch darüber hinaus noch. Und auch, wenn ihn manche Erlebnisse belasten, zeigt er das nicht. Im Gegenteil: Er lächelt, sorgt für gute Laune und überlegt sich Überraschungen für das Personal. Einem solch besonderen Türsteher begegnet man wahrlich nicht alle Tage.

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