Ende eines Traditionsbetriebs: Bäckermeister Brand backt seine letzten Brote

dzÜbergabe

Mit Bäckerei Brand in Heeren-Werve endet ein über 100-jähriger Traditionsbetrieb in Familienhand. Das Ende ist auch ein Anfang, denn die Übernahme ist gesichert.

28.12.2018, 11:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Alter macht sich bei Bäckermeister Helmut Brand – Geschäftsführer und Inhaber der Bäckerei Brand in Heeren-Werve – bemerkbar. 68 Jahre ist er alt, seit rund 50 Jahren arbeitet er bereits in der Bäckerei. „Ein Knochenjob“, wie Brand sagt. Seit 25 Jahren steht er sieben Tage die Woche am Ofen, werktags muss er meist gegen 2.30 Uhr aufstehen. Nun soll Schluss sein mit dem besonderen Handwerk. Anfang des kommenden Jahres geht die Bäckerei – seit 106 Jahren in Familienhand – an einen neuen Eigentümer.

Die Bäckerei Brand ist ein Familienbetrieb. Großvater August Brand kaufte im Jahr 1912 das Haus am Schattweg 118 und legte so den Grundstein für den heutigen Bäckereibetrieb. Von August Brand senior ging der Betrieb nach dessen Tod an den Sohn, August Brand, Helmut Brands Vater, über.

Als August Brand 1971 verstarb, übernahm Helmut Brand zunächst kommissarisch die Leitung. Am 1. Januar 1975 übernahm er offiziell die Bäckerei – und das, obwohl das Bäckerhandwerk eigentlich gar nicht der Berufswunsch des heutigen Handwerksmeisters war. „Du gehst jetzt zu Nies und wirst Bäcker“, hieß es seitens des Vaters. Und so stand Helmut Brand seit 1965 in der Backstube – und bereute diesen Schritt nie, wie er selbst sagt.

Ende eines Traditionsbetriebs: Bäckermeister Brand backt seine letzten Brote

Mit ihm hat es begonnen: August Brand senior (v.l.) neben Sohn August, Frau Theodore und Tochter Änne.

Kinder hat Brand zwar – eine Tochter und einen Sohn – doch die haben sich für andere Berufe entschieden. Während Brands Sohn eine Beamtenlaufbahn einschlug, ist seine Tochter bei der Agentur für Arbeit tätig. Darauf ist der Bäckermeister auch mächtig stolz – obwohl die Familientradition somit nicht fortgeführt wird. „Es hat ja auch keinen Zweck“, sagt er, „wenn die Kinder keine Lust dazu haben, kann das auch nichts werden.“

Falls der Bäckermeister wehmütig ist, lässt er es sich kaum anmerken. „Alles hat ein Ende“, sagt er mit ruhiger Stimme. Treu an Brands Seite steht seine Ehefrau Melitta, die bereits seit über 40 Jahren die frischen Backwaren ihres Mannes in dem Geschäft anbietet. Offiziell ist sie als Bäckerei-Fachangestellte tätig, doch als Frau des Bäckermeisters ist sie als „die Chefin“ bekannt. Den inoffiziellen Titel wird sie zwar bald verlieren, doch für sie und die sechs weiteren Angestellten – zwei Gesellen in der Backstube und vier weitere Verkäufer – geht es auch nach der Übernahme im Betrieb weiter.

Mit dem Wechsel ist Helmut Brand, der schon seit einer Weile an den Ruhestand gedacht hat, zufrieden. Eingestiegen ist nun Christian Albert, dessen Bruder Stephan, der selbst Bäckermeister ist, künftig hinter dem Ofen stehen wird. „Der Opa – Dieter – hat das eingefädelt“, sagt Brand, „der war auch damals hier in Heeren und selbst Bäckermeister.“ Auch andere Angebote seien gekommen, doch bei Albert habe es einfach am besten gepasst.

Vor sechs Jahren – zum 100-jährigen Bestehen der Bäckerei in Familienhand – sagte Brand noch: „So lange, wie ich die Kraft habe, werde ich das noch machen.“ Doch nun scheint der Punkt erreicht zu sein, das Zepter abzugeben.

Ende eines Traditionsbetriebs: Bäckermeister Brand backt seine letzten Brote

Glückliche Gesichter zum 100. Jubiläum: Bäckermeister Brand (2.v.l.) bekommt eine Ehreurkunde überreicht. © Roman Grzelak

Über schlechte Geschäfte muss sich der Bäckermeister nicht beklagen, unter seine Führung ging es der Firma gut. Doch: „Man muss diesen Schritt machen: Der Mensch wird geboren, er lebt und er stirbt – so ist das auch mit einer Firma.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Das Kamener Fotoalbum
Kamen früher und heute: Das älteste Haus und die Bahnhofstraße zur Zeit der Nazis
Hellweger Anzeiger Digitalisierung
(K)ein großer Wurf: Warum Schulen für die Digitalisierung einen langen Atem brauchen
Hellweger Anzeiger Kriminalität
Vergewaltiger aus Oberaden droht Sicherungsverwahrung: Es war nicht seine erste Tat