Angehörige schlugen sich mit Slalomstangen und Turnstäben: Bei der Einschulungsfeier an der Friedrich-Ebert-Schule in Kamen hat es eine Schlägerei gegeben. Jetzt äußert sich die Schulleiterin.

Kamen

, 29.08.2019, 13:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Insgesamt rund 73 i-Dötze werden in diesem Jahr an der Friedrich-Ebert-Schule eingeschult. Die Einschulungsfeier am Donnerstagmorgen verlief aber etwas anders, als es sich Lehrerinnen, Eltern und Kinder vorgestellt hatten.

Gegen Ende der Feier mit wenigen Hundert Besuchern gingen mehrere Mitglieder „zweier bereits seit längerem verfeindete Familien mit türkischer Herkunft“ aufeinander los, berichtete die Polizei. Drei Beteiligte seien verletzt worden. Insgesamt sieben Familienangehörige sollen laut Polizei an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein. „Das war heftig – mit Händen, Fäusten und Gegenständen“, sagte Schulleiterin Christina Pusch, Augenzeugin und Schlichterin des Streits.

Schlägerei bei Einschulungsfeier: Polizei und Rettungsdienst im Einsatz

Sechs Streifenwagen, ein Polizeimotorrad und zwei Rettungswagen fuhren vor der Schule vor. Zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten Eltern bereits die Einschulungsfeier verlassen und warteten auf dem Schulhof und in der Pausenhalle die Rückkehr der Erstklässler aus ihrer allerersten Unterrichtsstunde ab. Die Prügelei begann, als die letzte der drei ersten Klassen gerade die Sporthalle verlassen hatten, und nur noch wenige Eltern da waren, so die Schulleiterin. 20 bis 25 Kinder, die an einer Tanz- und Zirkusaufführung beteiligt waren, bekamen die Prügelei jedoch mit. „Einige haben neugierig reagiert, andere haben geweint“, sagte Pusch. Die Kinder seien anschließend betreut worden.

Schulleiterin nach Schlägerei bei Einschulungsfeier: „Das war heftig“

Der Tatort war die Turnhalle: Mitglieder zweier verfeindeter Familien gingen laut Polizei aufeinander los. © Stefan Milk

Der Hausmeister, ebenfalls Augenzeuge, wählte gegen 10.40 Uhr den Notruf. „Die Polizei war schnell da“, sagte die Schulleiterin. Als die Polizei bei der Einschulungsfeier erschien, hatte sich die Schlägerei schon aufgelöst. „Ein Gespräch mit den erhitzten Gemütern führte nicht zu einer Klärung des genauen Hintergrundes der Auseinandersetzung“, teilte die Polizei mit. Ersten Ermittlungen zufolge soll der Streit angefangen haben, als jemand Fotos machte. Die Kontrahenten gingen laut Polizei mit Slalomstangen, Turnstäben und einem Reckverschluss aufeinander los. „Man haut sich nicht, wenn einer ein Foto macht“, sagte Polizeisprecherin Vera Howanietz.

Die Grundschule

Friedrich-Ebert-Schule

  • Die Friedrich-Ebert-Schule an der Weddinghofer Straße in Kamen hat 308 Schüler (Stand: April 2019). Die Kinder verteilen sich nach Angaben auf der Internetseite auf zwölf Klassen, die von 23 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden.
  • Die Grundschule bietet unter anderem herkunftssprachlichen Unterricht für Schüler aus türkeistämmigen Familien an, parallel zum christlichen Religionsunterricht.
  • Internet: www.friedrich-ebert-schule-kamen.de

Sieben Tatverdächtige im Alter zwischen 29 und 53 Jahren

Die Beamten führten mit den sieben Beteiligten sogenannte Gefährderansprachen. „Die wurden eingenordnet und werden jetzt nach und nach vorgeladen“, sagte Polizeisprecherin Vera Howanietz. Die Tatverdächtigen sind vier Kamenerinnen im Alter von 29, 38, 42 und 53 Jahren sowie drei Kamener im Alter von 33, 37 und 39 Jahren. Die Polizei notierte drei verschiedene Familiennamen. Die 29-jährige sei deutsche Staatsbürgerin, die übrigen Verdächtigen seien türkische Staatsbürger. Die Polizei leitete ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.

Schulaufsicht kündigt Konsequenzen an

Die Schulaufsichtsbehörde und die Stadt Kamen kündigten Konsequenzen an. „Wir dulden keine Auseinandersetzung dieser Art in der Schule“, sagte Schulrätin Beate Schroeter vom Schulamt für den Kreis Unna. Gemeinsam mit der Schulleiterin schilderte sie unserer Zeitung am Nachmittag den Horror-Einschulungstag. Ein Krisenfall sei ausgelöst und eine Schulpsychologin an die Schule entsandt worden. Die Bezirksregierung Arnsberg wurde informiert. Zudem wurde Strafanzeige gestellt und ein Hausverbot gegen die Beteiligten der Auseinandersetzungen verhängt.

Schulleiterin nach Schlägerei bei Einschulungsfeier: „Das war heftig“

Schulleiterin Christina Pusch mit den Schulregeln (Archivbild). © Marcel Drawe

Schulregeln missachtet

Die Hausordnung der Grundschule haben die Beteiligten der Prügelei nicht beherzigt. Diese hängt gut sichtbar an einer Eingangstür zum Sekretariat. Sie besteht aus sechs Schulregeln und soll „dazu beitragen, dass alle sich wohlfühlen und niemand zu Schaden kommt“. Unter Punkt 6 heißt es: „Alle haben das Recht, gesund und unverletzt zu bleiben.“

Eine Pressemitteilung der Polizei über den in Kamen beispiellosen Vorfall endet mit den Worten: „Ihre Einschulung werden die Kinder der Friedrich-Ebert-Grundschule an der Weddinghofer Straße wohl so schnell nicht vergessen.“

Gemeinsame Erklärung: Stadt und Schule verurteilten Gewalt

Stadt und Schule sind bestürzt über die Gewalt bei der Einschulungsfeier: In einer gemeinsamen Stellungnahme verurteilten Schulleiterin Pusch, Schulrätin Schroeter und Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) die Grenzüberschreitung der Feiergäste. Man werde nicht zulassen, dass die Schule als Plattform für Auseinandersetzungen missbraucht wird. „Wir legen großen Wert auf einen friedlichen und respektvollen Umgang unter allen an Schule Beteiligten“, erklärten sie. Alle betroffenen Kinder sollen Trost und Unterstützung finden. Dazu zählen auch die beiden eingeschulten Kinder der an der Prügelei beteiligten Familien. Die meisten der über 300 Schüler der Friedrich-Ebert-Schule sollen von dem Vorfall kaum etwas mitbekommen haben, da sie sich im Unterricht befanden. An diesem Freitag (30. August) sollen die Lehrerinnen das Vorgefallene in den Klassen thematisieren.

Schulleiterin: „Ein so wahnsinniger Kontrast“

Schulleiterin Christina Pusch kann den Gewaltausbruch nicht fassen. „Das steht so wahnsinnig im Kontrast zu der schönen, rundherum gelungenen Einschulungsfeier. Das ist so ein schöner Tag, wenn wir die kleinen Mäuse einschulen“, sagte sie. Am Freitag wird sie wieder vor den Schülern stehen. „Egal, was war, ob der Tag anstrengend war oder man sich über etwas geärgert hat, dann ist das vergessen, weil die Kinder so herzerfrischend sind.“

Schultag beginnt unter Polizeischutz

Der zweite Schultag der Erstklässler wird dabei unter Polizeischutz beginnen. „Ich habe Angst“, sagte die Mutter eines i-Männchens. Der Junge spielte am Nachmittag unbeschwert von den Sorgen der Erwachsenen auf dem Schulhof.

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