Wie Kamen von oben aussieht, wissen die Luftsportfreunde, sie starten mit Segelflugzeugen regelmäßig in Derne. Im Sommer, wenn die Nächte kurz sind, bekommen sie besondere Perspektiven.

Kamen

, 02.07.2019, 15:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit einem Ruck setzt sich das Segelflugzeug in Bewegung. Es rollt nur kurz über den Rasen in Derne, dann hebt es ab und zieht steil nach oben. Den Passagier unter der Glaskuppel drückt es in den Rücksitz. Nach kurzer Zeit gibt es ein klackendes Geräusch. „Jetzt habe ich die Winde ausgeklinkt“, sagt Dawid Nowak, der Pilot, der vorne sitzt. Die Motorwinde hat das Segelflugzeug auf eine Höhe von etwa 500 Metern gezogen. Jetzt kreist es am Himmel. Dem Passagier bietet sich ein beeindruckender Blick. Das Kamener Kreuz liefert Orientierung. Die Autos sehen aus wie Spielzeugwagen. Das Haus Heeren ist aus der Luft zu erkennen, der Bönener Förderturm und natürlich auch die beiden Kirchen in der Kamener Stadtmitte.

Einmal im Sommer starten die Segelflieger mit dem Sonnenaufgang

Fliegerromantik im Morgengrauen. © Dawid Nowak


Die Segelflieger stehen früh auf

Für Dawid Nowak ist das ein durchaus gewohnter Anblick. Er zählt zu den Luftsportfreunden (LSF) Kamen/Dortmund, die regelmäßig vom Flugplatz an der Derner Straße starten. Aber einmal im Jahr erleben die Segelflieger ganz besondere Ausblicke. Dafür müssen sie allerdings früh aufstehen – zum „Sunrise/Sunset“-Flug (Sonnenaufgangs und -untergangsflug), den sie immer zu Beginn des Sommers veranstalten, wenn die Nächte besonders kurz sind. Während ein Flugtag normalerweise gegen 9 Uhr mit dem Briefing beginnt, kommen die Piloten an diesem Tag schon zusammen, wenn noch tiefe Dunkelheit herrscht. In die Luft dürfen sie aber noch nicht. Sie müssen die „bürgerliche Dämmerung“ abwarten. Dieser Zeitpunkt des Tagesbeginns ist erreicht, wenn die Sonne zu 6 Grad unterhalb des Horizonts steht. „Dann ist es hell genug zum Fliegen“, sagt Dennis Strehl, der stellvertretende Vorsitzende der LSF.

Einmal im Sommer starten die Segelflieger mit dem Sonnenaufgang

Dawid Nowak im Cockpit eines Segelflugzeuges © Borys Sarad


Der Pilot schwärmt vom Sonnenaufgang

Segelflieger fliegen meist auf Sicht. Und die ist beim Sonnenaufgangsflug besonders spektakulär. Pilot Nowak schwärmt vom Anblick der langsam aufgehenden Sonne, von den vom Frühnebel eingehüllten Feldern und Wiesen und durchaus von den Gewerbestandorten rund um Kamen, deren Beleuchtung am frühen Morgen von oben besonders intensiv wirkt. Außerdem haben die Segelflieger um diese Zeit „gute Luft“, das heißt die Thermik ist besonders intensiv, so dass sie lange in der Luft bleiben können.

Video
Segelflug über Kamen

Distanzflüge dauern schon mal neun Stunden

Das lädt auch zu Distanzflügen ein: „Am Tag vor dem Sunset-Fliegen waren zwei Mitglieder unserer Jugendgruppe für neun Stunden in der Luft und sind rund 500 Kilometer geflogen“, berichtet Strehl. Diese Streckenflüge stellen die Piloten vor eine besondere Herausforderung. Bei den Frühflügen im Sommer geht es aber nicht um die Kilometerleistung, sondern auch um die besondere Atmosphäre. Und die herrscht auch noch am späten Abend, wenn die Sonne schon unter gegangen ist. Der letzte Flug zum Sommeranfang endet nach 22.30 Uhr - zu einem Zeitpunkt, an dem der Dortmunder Flughafen seinen Betreib schon eingestellt hat.

Jetzt lesen

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde

02.07.2019
/
Sunrise-Flug© Dawid Nowak
Sunrise-Flug© Dawid Nowak
Sunrise-Flug© Dawid Nowak
Sunrise-Flug© Dawid Nowak
Sunrise-Flug© Dawid Nowak
Sunrise-Flug© Dawid Nowak
Sunrise-Flug© Dawid Nowak
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde
v.l. Luckas Hohenhorst, Volker Grabo, Michael Bögershausen© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde © Borys P. Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde © Borys P. Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde
v.l. Luckas Hohenhorst, Volker Grabo.© Borys P. Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde

v.l. David Novak, Dennis Strehl.© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde
links unten alter Markt in Kamen© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde
links oben Gymnasium Kmen© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde
beide Kirchen Kamen© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde

David Novak hinter dem Steuer© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde

David Novak hinter dem Steuer© Borys Sarad
Sunsrise-Sunset-Fliegen der Luftsportfreunde

Flughafen Kamen© Borys Sarad

Flugunterricht auf dem Flugplatz

Auch bei den Frühstarts hatten die Segelflug-Piloten den Luftraum für sich: Die ersten Starts in Dortmund erfolgen um 6 Uhr. Die Rücksicht auf die zivile Luftfahrt ist eine der vielen Dinge, die die angehenden Segelflieger bei der Ausbildung lernen. Wenn die Luftsportfreunde an Wochenenden und an Feiertagen fliegen, dann bieten sie auch den Schulbetrieb an. Die ehrenamtlichen Fluglehrer geben Unterricht auf dem Flugplatz an der Derner Straße. Auch die Prüfer kommen dorthin. Und wer meint, dass Segelfliegen ein exklusives Hobby ist, für das man viel Geld braucht, der irrt. Das erkennt man schon daran, dass zu den rund 100 aktiven Mitglieder starken Luftsportfreunden auch eine rund 30-köpfige Jugendgruppe zählt.

Einmal im Sommer starten die Segelflieger mit dem Sonnenaufgang

Ein Blick von oben auf Kamen © Borys Sarad


Luftsportfreunde

Vorsitzender tritt zurück

  • Die Luftsporfreunde Kamen/Dortmund brauchen einen neuen Vorsitzenden. Norbert Schnettberg, der das Amt erst seit Frühjahr 2018 innehatte, ist im Laufe des Juni zurückgetreten. Vorstandsmitglieder berichten von Meinungsverschiedenheiten im Vorstand.
  • Laut Vereins-Pressesprecher Dawid Nowak ist bisher noch kein neuer Vorsitzender gewählt. Um die Vereinsangelegenheiten kümmert sich unter anderem der stellvertretende Vorsitzende Dennis Strehl. Norbert Schnettberg ist weiter im Verein aktiv - auch als Fluglehrer

Flugschüler lernen nicht nur fliegen

Die Segelflugausbildung kann man bereits mit 14 Jahren beginnen. Und dabei lernt man nicht nur den Umgang mit dem Flugzeug: „Die Segelflugschüler bekommen auch soziale Kompetenzen“, ist sich Nowak sicher. Denn Segelfliegen funktoniert nur im Team. Und dabei ist natürlich auch die Sicherheit ein wichtiges Thema. Doch Unfälle sind beim Segelflug sehr selten. Und beim Flugbetrieb achten die Luftsportfreunde gegenseitig aufeinander.

Einmal im Sommer starten die Segelflieger mit dem Sonnenaufgang

Der Segelflieger und der Mond. © Dawid Nowak


Ein Fallschirm für alle Fälle

Für alle Fälle hat der Passagier vor dem Start einen Fallschirm umgeschnallt, der auslöst, falls er in der Luft das Flugzeug verlassen muss. Das passiert natürlich nicht. Nach einem Rundflug über Heeren-Werve und Kamen steuert Nowak das Flugzeug mit rund 170 km/h zurück in Richtung Flugfeld. Bei der Landung auf der Rasenfläche gibt es einen Ruck, ansonsten ist sie weich. Als das Segelflugzug zum Stehen kommt, lassen die gerade in der Luft gesammelten Eindrücke das leicht flaue Gefühl im Magen vergessen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Streit um Stolperfalle
Fehltritt auf der Baustelle für die Neue Mitte: Verletzte Fußgängerin geht leer aus
Hellweger Anzeiger Straßenbau
Langer Kamp bleibt gesperrt: Nach einer Winterpause geht der A2-Brückenbau in den Endspurt
Hellweger Anzeiger Konzertaula Kamen
„Russisches Roulette“: So fesselnd kann Musik klingen, die unter einer Diktatur entsteht
Meistgelesen