Eingestürztes Baugerüst bei Rewe: Polizei ermittelt wegen Baugefährdung

dzMit Video

Am Morgen nach dem Einsturz des Baugerüsts neben dem Rewe-Supermarkt in Methler hat das Geschäft wieder geöffnet. Es herrscht große Erleichterung: Kein Kunde wurde verletzt. Die Polizei ermittelt.

Kamen, Methler

, 15.01.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Mann mit Mütze steht vor dem Rewe-Supermarkt in Methler und schaut auf das eingestürzte Baugerüst. „Da vorne haben meine Frau Melanie und unsere Tochter Chantal neulich noch gesessen“, sagt Manuel Krapohl. Das Gerüst ist unmittelbar neben dem Haupteingang des Supermarkts eingestürzt und hat die Café-Außenplätze der Bäckerei Grobe unter sich begraben.

Die Metallkonstruktion krachte am Dienstagabend nach 18 Uhr von der südwestlichen Gebäudeecke herunter und löste einen Großeinsatz der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks aus. Bis in die Nacht hinein wurden noch nicht eingestürzte Gerüstteile an der nordwestlichen Gebäudeecke gesichert.

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Baugerüst am Rewe-Markt in Methler eingestürzt

Während sich Rewe-Kunde Manuel Krapohl so seine Gedanken macht darüber, dass das Gerüst ihn und seine Familie hätte treffen können, kommt Markt-Inhaber Alexander Ahlmann am Mittwochmorgen kurz nach 7 Uhr zur Arbeit. Wie durch ein Wunder sei niemand verletzt worden, sagt er. Feuerwehr und THW hätten gute Arbeit geleistet. Ahlmann hatte am Unglückstag gerade das Geschäft verlassen, als er über den Einsturz informiert wurde, und kehrte zurück. Das Baugerüst werde wohl jetzt erst einmal liegen bleiben, bis die Ursache für den Einsturz geklärt sei. Da das Gerüst den Abstellplatz für Einkaufswagen getroffen habe, stünden den Kunden derzeit nicht alle Einkaufswagen zur Verfügung.

Kunden durch Notausgang geleitet

Schätzungsweise 20 Kunden waren nach Auskunft des stellvertretenden Marktleiters Kevin Kuhle zum Zeitpunkt des Gerüst-Einsturzes im Laden. „Es war chaotisch“, schildert er die Lage draußen, wo zunächst unklar war, ob weitere Gerüstteile herunterstürzen könnten. Der Markt stellte seinen Betrieb ein. Der stellvertretende Marktleiter Daniel Schmidt habe die verbliebenen Kunden durch einen seitlichen Notausgang aus dem Geschäft gelassen.

Eingestürztes Baugerüst bei Rewe: Polizei ermittelt wegen Baugefährdung

Rewe-Marktleiter Alexander Ahlmann ist erleichtert, dass kein Kunde zu Schaden kam. Zum Zeitpunkt des Gerüst-Einsturzes waren Supermarkt und Bäcker geöffnet. © Stefan Milk

Trümmer bleiben vorerst liegen

Die verbogenen Trümmer des Baugerüsts liegen am Mittwochmorgen längs über den Café-Außenplätzen und dem Abstellplatz für Einkaufswagen. Die Unglücksstelle ist mit Absperrgittern gesichert, die auch Teile des Parkplatzes einschließen. Einige Passanten bleiben stehen und sehen sich den Schaden an. „Schlecht verankert“, sagt ein Mann, der gerade zum Einkaufen geht. Die Frage, wieso das Gerüst einstürzen konnte, beschäftigt auch Sascha Eul, der zum Einkaufen gekommen ist. Er habe soeben einen Mieter des Wohn- und Geschäftshauses getroffen. Dieser habe ihm auf dem Handy Fotos von einem losen Dübel gezeigt, mit dem das Gerüst verankert gewesen sei.

Polizei ermittelt wegen Baugefährdung

Auch Marktleiter Alexander Ahlmann zeigt ein Foto auf seinem Handy. Darauf ist eine Metallstange zu sehen, die in einer Art Dübel steckt. Dabei handelt es sich um ein Trümmerteil, offenbar eine Gerüst-Verankerung, die sich von der Wand gelöst hat. Zum Zeitpunkt des Einsturzes zerrten stürmische Böen an dem Gerüst. Unklar ist, ob das Gerüst zu wenig Verankerungspunkte hatte oder die Verankerungen nicht fest genug waren. Die Polizei nahm eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Baugefährdung auf. „Wir haben den Sachverhalt an das Amt für Arbeitsschutz und das Bauordnungsamt der Stadt Kamen übergeben“, sagte Polizeisprecherin Vera Howanietz.

LEG lässt Fassaden reparieren

Das Wohn- und Geschäftshaus, in dem sich der Rewe-Markt befindet, gehört der früher landeseigenen Immobilienfirma LEG. Die Gerüste wurden bereits im September im Zuge von Sanierungsarbeiten an den Balkonen aufgebaut. „Zunächst möchte ich betonen, dass wir selbstverständlich den Vorfall bedauern und alles in unserer Macht Stehende tun werden, um für zeitnahe Aufklärung zu sorgen“, kommentierte LEG-Sprecher Mischa Lenz den Unglücksfall. „Mit den zuständigen Behörden arbeiten wir selbstverständlich eng zusammen. Glücklicherweise gab es keine Personen-, sondern lediglich Sachschäden.“

Einsatz dauerte bis 3.15 Uhr

Der Einsatz der Feuerwehr und des THW endete erst gegen 3.15 Uhr am frühen Mittwochmorgen. Im Einsatz waren die Löschgruppe Westick, der Einsatzleitwagen des Löschzuges Methler, die Einheit der Feuerwache Kamen-Mitte sowie das Technische Hilfswerk mit einem Baufachberater und zwei Bergungsgruppen. Insgesamt waren 50 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW vor Ort. Die Einsatzstelle sei anschließend „dem Eigentümer übergeben“ worden, meldete die Feuerwehr abschließend. Die LEG erklärt, Kollegen vor Ort hätten alle „notwendigen Sofortmaßnahmen“ mit Feuerwehr, THW und dem Gerüstbauer „veranlasst und abgestimmt“, so LEG-Sprecher Lenz. Den Namen des Gerüstbauers wollte er nicht nennen.

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