„Eine junge Mutter arbeitet doch nicht schlechter“

dzTeilzeitarbeit für Auszubildende

Ina Budimir ist 23 Jahre alt, verheiratet und seit einem Jahr Mutter. Gleichzeitig ist sie Auszubildende im Groß- und Außenhandel. In Teilzeit. Für eine Heerener Firma ist das Neuland.

Kamen

, 20.11.2018, 17:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihr Abitur hat Ina Budimir im Jahr 2014 gemacht, danach beginnt sie eine Ausbildung zur Produktdesignerin. Gesundheitliche Probleme zwingen sie jedoch dazu, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Nach langer Krankheit und Genesung wird sie schwanger. „Schon in der Schwangerschaft war mir aber klar, dass ich eine Ausbildung machen möchte, wenn die Elternzeit vorbei ist. Ich möchte nicht nur von einer Person abhängig sein, ich möchte meinem Sohn die beste Ausgangslage bieten.“

Seit dem 1. August bringt sie ihn nun jeden Morgen zur Tagesmutter, oder die Schwiegereltern und die Schwägerin springen ein. Sie selbst fährt dann weiter zur Skyfloor GmbH oder zweimal pro Woche zur Berufsschule. Von 8.30 bis 14.30 Uhr wird sie hier wie dort ausgebildet, in Teilzeit.

„Eine junge Mutter arbeitet doch nicht schlechter als andere“, sagt Geschäftsführer Nils Schürmann. Tatsächlich bringe sie sogar Vorteile mit: Verantwortungsgefühl, eine Lebenserfahrung, die Zuverlässigkeit erforderlich mache, und ein Bewusstsein dafür, dass man Probleme lösen müsse.

„Eine junge Mutter arbeitet doch nicht schlechter“

Geschäftsführer Nils Schürmann (l.) ist überzeugt, dass die Teilzeitausbildung Vorteile bringt. Davon profitiert auch Ina Budimir (3.v.l.), die in dem Unternehmen Skyfloor eine entsprechende Ausbildung absolvieren kann – und trotzdem Zeit für ihren Sohn hat.

Von der Teilzeitausbildung erfuhr Ina Budimir von der Agentur für Arbeit, die daraufhin Kontakt zur IHK aufnahm. Und die wiederum machte Nils Schürmann auf die Möglichkeit aufmerksam, als sich dieser erkundigte, was er brauchen und machen müsste, wenn Skyfloor ausbilden wolle.

„Für uns ist das ein super Konzept. Frau Budimir muss zwar zu einer bestimmten Zeit weg, aber das lässt sich doch alles planen“, sagt Schürmann. „Wir haben auch nicht immer so viel zu tun, dass Frau Budimir acht Stunden lang ausgelastet wäre. Da soll sie doch lieber früher gehen und mit ihrem Sohn spielen können“, sagt der Geschäftsführer. Der 38-Jährige sieht für sich selbst aber ebenfalls Vorteile: „Ausbildung kostet auch Zeit und Energie. Meine Arbeit stapelt sich, während ich ihr etwas erkläre. So kann ich mich erst kümmern, und dann meine Arbeit machen.“

Ina Budimir ist froh, dass alles so gekommen ist. „Ich habe mich bei 28 Firmen beworben, habe mich nach Möglichkeiten der Teilzeitausbildung erkundigt, und bin dann tatsächlich gefragt worden, ob ich die Firmen verarschen wollte“, ärgert sie sich. Die Unwissenheit der Arbeitgeber ist auch in den Augen von IHK, Arbeitsagentur und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna ein Problem. „Manchmal scheitert es daran, dass morgens eine halbe Stunde Zeit fehlt. So etwas kann man aber doch über die Teilzeitausbildung auffangen“, erklärt Martina Leyer von der Agentur für Arbeit. „Auch während der regulären Ausbildung kann man noch auf Teilzeit umstellen“, ergänzt Anke Jauer von der WFG. Denn ob Schwangerschaft oder Pflegefall, in drei Jahren könne viel passieren.

  • Ob Auszubildende oder Betriebe: Obwohl es die Teilzeitausbildung schon seit zwölf Jahren gibt, wissen viele noch nichts darüber.
  • Möglich ist die Teilzeitausbildung für Väter und Mütter, aber auch pflegende Angehörige. Ebenso können gesundheitlich oder körperlich eingeschränkte Menschen von dieser Möglichkeit profitieren.
  • Teilzeitausbildung bedeutet aber keinesfalls Schmalspur-Lehre. Die Teilzeit-Azubis müssen den gleichen Stoff lernen wie die Vollzeit-Kräfte und auch die Berufsschule in voller Länge besuchen. Liegt der Anteil der betrieblichen Ausbildungszeit bei mindestens 75 Prozent, verlängert sich die Ausbildungszeit dank einer Reform des Berufsbildungsgesetzes nicht mehr. Liegt der Anteil jedoch darunter, geht die Ausbildung über vier statt drei Jahre.
  • Auszubildende und Betriebe sprechen sich ab, zu welchen Zeiten die Ausbildung im Betrieb erfolgt.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Neubau im Kamen-Karree

Welches Restaurant hätten Sie gern? L‘Osteria-Modelle wie aus der Speisekarte

Hellweger Anzeiger Das hat Folgen

Abkürzung Baustelle: Autofahrer ignorieren die Sperrung der Bergkamener Straße

Hellweger Anzeiger Aus für Kettcar-Hersteller

Kettler-Mitarbeiter im Outlet-Store ernüchtert: „Das ist einfach Scheiße“

Hellweger Anzeiger Deutsche Bahn

Seil statt Schranke: Am Bahnübergang an der Südkamener Straße hakt‘s nicht zum ersten Mal

Hellweger Anzeiger Interessentenliste wächst

Im Rathaus klingelt das Telefon Sturm: So wird das neue Baugebiet vermarktet

Meistgelesen