Fäkalien in der ganzen Wohnung verteilt: Das musste Nathalie Gribik aus Methler jetzt erleben. Grund für das Drama war ein verstopftes Klo – und Nachbarn, die immer weiter spülten und spülten. Und es schwappte und schwappte.

Methler

, 21.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Traurig steht Nathalie Gribik in ihrer Wohnung – oder eher in dem, was davon übrig geblieben ist. Wo einst Laminat lag, ist nur noch nackter, kalter Betonboden, in den zwei Kinderzimmern befinden sich kaum noch Möbel und die Küche ist ebenfalls leer geräumt. Die kürzlich neu angeschaffte Waschmaschine lässt sich nicht mehr benutzen, weil darin Fäkalien schwammen. „Darin will ich meine Wäsche nicht mehr waschen“, sagt Gribik.

Dass eine verstopfte Toilette so viel Unheil anrichten kann, ist kaum vorstellbar. Doch genau damit begann die Horrorwoche für die junge Mutter. Am Montag, 12. August, hat Gribik bemerkt, dass ihre Toilette verstopft ist. „Ich habe sofort bei der LEG angerufen. Man sagte mir, dass man sich kümmere“, erinnert sich Gribik. Auch die Nachbarn informierte sie. „Ich habe gesagt, dass sie nicht spülen sollen. Aber sie spülten. Mehrmals. Und es schwappte und schwappte.“

„Es hat enorm gestunken. Ich habe mich gefühlt wie in der Kanalisation.“
Kathrin Gribik, Mieterin

Die Nachbarn benutzten ihre Toiletten und bei Gribik lief das Wasser inklusive Fäkalien aus ebendieser in die Wohnung und verteilte sich allmählich. Gribik habe sich daraufhin wieder an die LEG gewandt und gesagt, dass es ein Notfall sein. „Die Dame am Telefon meinte aber, dass es kein Notfall sei“, behauptet Gribik.

Die Verzweiflung der zweifachen Mutter war so groß, dass sie schließlich die Feuerwehr alarmierte. Und die habe die Situation als Notfall eingestuft. Der Feuerwehrmann habe bei der LEG angerufen und darauf gedrängt, dass jemand den Haupthahn abdrehen oder ein Klempner sich um die Verstopfung kümmern solle.

Letzterer kam gegen 18 Uhr auch, beseitigte die Verstopfung und saugte das Wasser ab, das sich bereits in Flur, Kinderzimmern und Küche verteilt hatte.

Das bestätigt auch die LEG. Zwischen 13 und 14 Uhr soll der Schaden als Notfall aufgenommen worden sein, ab 17.45 Uhr sei eine Fachfirma vor Ort gewesen. „Selbstverständlich ist solch eine Verstopfung ein Notfall!“

„Ich habe mich gefühlt, wie in der Kanalisation“

Gribik stand am Montagabend wieder im Trockenen – doch das verstopfte Rohr hatte Schäden hinterlassen. Und die nahm Gribik nicht nur mit den Augen wahr. „Es hat enorm gestunken. Ich habe mich gefühlt, wie in der Kanalisation“, sagt sie. Erlöst werden sollte sie von dem Gestank erst Tage später: Am Dienstag habe sich niemand gemeldet, am Mittwoch habe sie die LEG kontaktiert und sei erneut hingehalten worden. „Ich habe mich dann an den Mieterschutz gewendet.“

Der Anwalt des Mieterschutzbundes habe der LEG mitgeteilt, dass diese eine Ersatzunterkunft zur Verfügung stellen solle. Und das tat sie am Freitag laut Gribik auch.

Ihr sei angeboten worden, in einer Wohnung im Nachbarhaus im dritten Stock unterzukommen. „Sie ist im Rohzustand, hat keine Lampen und keinen Fußboden. Ich sollte meine Möbel abbauen und dahin bringen, damit Freitagmorgen eine Reinigungsfirma kommen kann“, sagt Gribik ungläubig. Sie sei nicht umgezogen, sondern blieb in ihrer Wohnung bzw. in dem einen Zimmer, das nicht überflutet worden war.

Am Freitag sei dann eine Putzkraft mit „einem Lappen und Glasklar“ bewaffnet vorbeigekommen, um das Badezimmer zu reinigen. „Das hat mein Cousin aber vorher schon erledigt.“ Die Putzkraft sei dann unverrichteter Dinge wieder gegangen und habe ihr letztendlich nicht weitergeholfen.

Eine Fäkalienflut überschwemmte ihre Wohnung: „Ich fühlte mich wie in der Kanalisation“

Die Waschmaschine der Gribiks ist recht neu. Nachdem Nathalie Gribik Fäkalien darin fand, will sie die Maschine nicht mehr benutzen. © Stefan Milk

LEG entschuldigt sich für Missverständnis

Dass die Reinigungskraft nur das Badezimmer putzen wollte, war so vorgesehen, aber nicht, weil keine weitere Maßnahme von der LEG vorgesehen war, wie der Vermieter auf Nachfrage klarstellt. Für die Sanierungsarbeiten, die sie der Mieterin bereits zugesagt hatten – eine Reinigung und Trocknung der verschmutzten Böden – sei diese Kraft von vornerein nicht beauftragt worden. „Im Eifer des Gefechts ist es hier wohl zu einer missverständlichen Kommunikation gekommen, wofür wir uns in aller Form entschuldigen“, so die LEG.

„Selbstverständlich ist solch eine Verstopfung ein Notfall!“
LEG IMMOBILIEN AG

Die Sanierungsarbeiten sollen laut LEG an diesem Mittwoch starten. „Dazu gehören die hygienische Reinigung auch der anderen betroffenen Zimmer sowie die Trocknung und die Verlegung eines neuen Fußbodens.“ Und auch für die Unterbringung der Frau hat die LEG nun gesorgt. Am Montagmorgen kam ein Umzugsunternehmen, um die Möbel einzulagern, bevor die Sanierung startet. Gribik wird etwa zwei Wochen in einem Hotel unterkommen.

Dass Gribik erst in die leere Wohnung ziehen sollte, hat laut LEG einen guten Grund: „Für die professionelle Sanierung war ein temporärer Auszug der Mieterin und ihrer beiden Kinder nötig. Hierfür hatten wir den Umzug in eine nahe Leerwohnung zwei Häuser weiter als Übergangslösung angeboten, da wir zu dem Zeitpunkt noch von einer kurzfristigen Behebung des Schadens ausgegangen waren und der Familie möglichst schnell eine Übernachtungsmöglichkeit anbieten wollten.“ Eine schnelle, unbürokratische Hilfe stehe in solchen Fällen an erster Stelle.

Spenden erwünscht

Wer hilft der jungen Familie?

  • Kathrin Gribik muss sich neue Möbel, eine neue Waschmaschine und Kleidung für ihre Kinder kaufen. Über Sach- oder Kleiderspenden (Sohn: 8 Jahre, Tochter: 11 Jahre) wäre sie sehr dankbar.
  • Wer helfen möchte, kann sich unter kamen@hellwegeranzeiger oder Tel. (02307) 26 000 23 melden. Wir stellen den Kontakt zu Familie Gribik her.

Gribik hofft nun, dass ihre Wohnung schnell wieder bewohnbar sein wird – vor allem, weil ihre zwei Kinder nächste Woche wieder in die Schule müssen. Gribik hat einen achtjährigen Sohn und eine elfjährige Tochter. Beide sind derzeit bei ihren über 70 Jahre alten Großeltern in Essen untergekommen. Eine Dauerlösung ist das nicht.

Eine Fäkalienflut überschwemmte ihre Wohnung: „Ich fühlte mich wie in der Kanalisation“

Auch das Zimmer ihres Sohnes ist fast komplett leer geräumt. Der Teppich muss noch getrocknet werden. © Stefan Milk

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