Ein Vorstoß für mehr Denkmalschutz: „Wollen, dass die Zerfledderung der Altstadt aufhört“

dzInitiative ehrenamtlicher Denkmalschützer

Energischer Vorstoß von Kamens ehrenamtlichen Denkmalschützern: Sie wollen nicht nur einzelne Baudenkmäler schützen, sondern ganze Stadtbereiche. Dazu machen sie jetzt konkrete Vorschläge.

Kamen

, 28.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Egal ob die Alte Apotheke am Geist, das Gebäude der Stadtbücherei oder die malerischen Fachwerkhäuser am Markt. Kamen ist reich an Baudenkmälern. „Wir haben tolle Einzeldenkmäler, daran gibt es nichts zu rütteln“, sagt Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß.

Doch dem 82-jährigen Ortshistoriker und anderen Ortsheimatpflegern wie Wilfrid Loos (71) fehlt ein wichtiger Baustein in der Denkmalpflege: Der über das einzelne Denkmal greifende Schutz von ganzen Stadtbereichen, die historischen Wert haben. Wie es das in Unna und anderen Nachbarstädten gibt. Beispiel: Wenn Fenster kleinteilig mit Sprossen versehen sind, sollten auch die Häuser nebenan damit bestückt werden. „Große Fenster passen nicht zu Sprossenfenstern“, so Loos.

Ein Vorstoß für mehr Denkmalschutz: „Wollen, dass die Zerfledderung der Altstadt aufhört“

Auch das Haus Heeren soll unter den erweiterten Denkmalschutz im Rahmen einer Denkmalbereichssatzung fallen. © Stefan Milk

Ein Vorschlag, wie erweiterter Denkmalschutz funktionieren kann

Deswegen haben Stoltefuß als sachverständiger Bürger des Planungs- und Verkehrsausschusses und Loos als Vertreter der Ortsheimatpfleger nun einen konkreten Vorschlag formuliert, wie das auch in Kamen funktionieren kann: Mit vom Stadtrat zu beschließenden Satzungen, die vorschreiben, wie die historischen Gebäude gestaltet werden dürfen. „Wir wollen, dass die Zerfledderung der Altstadt aufhört“, so Stoltefuß. Eine Gestaltungssatzung bzw. eine Denkmalbereichssatzung sei die letzte Chance, den Wert der Innenstadt zu wahren. Die Vorschläge hat die Arbeitsgemeinschaft der Ortsheimatpfleger in einer Broschüre zusammengefasst, die den Titel „Unsere Stadt Kamen“ trägt. Sie hat eine kleine Auflage und soll an Denkmalschutz Interessierte abgegeben werden.

Ein Vorstoß für mehr Denkmalschutz: „Wollen, dass die Zerfledderung der Altstadt aufhört“

Kamens ehrenamtlichen Denkmalschützer haben bereits vor einem Jahr ihre Vorstellungen über mehr Denkmalschutz zu Papier gebracht. Mit ihren neuen Vorschlägen werden sie jetzt konkreter. © Stefan Milk

Kontakt zum Denkmalamt Münster nicht zustande gekommen

Die Ortsheimatpfleger haben bereits Kontakt zu allen Fraktionen im Stadtrat aufgenommen und auch Gespräche geführt. Auch die Stadtverwaltung ist informiert. Das Anliegen, so Stoltefuß, habe man auch versucht, beim Westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster vorzutragen. Erfolglos, wie er enttäuscht konstatiert. „Trotz mehrfacher Bitten hat es kein Gespräch gegeben.“ Dabei stehe es im Leitsatz der Behörde, ehrenamtlichen Denkmalpflegern Beratung angedeihen zu lassen. Dem Vernehmen nach, so Stoltefuß, habe nun die Stadtverwaltung Kontakt mit Münster aufgenommen. Deswegen sei er hoffnungsfroh, dass der Vorstoß der Denkmalpfleger auch zu einem Ergebnis führe.

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Bau-Ensembles in der historischen Altstadt besonders schützen

Bereits im März 2018 hatten die Ortsheimatpfleger ihre Initiative gestartet und die Politik mit ihrem Anliegen vertraut gemacht. Mit den detaillierten Vorschlägen werden sie nun konkret. „Es ist unser Wunsch, dass die verbliebenen Bau-Ensembles in unserer historischen Altstadt besonders geschützt und das Stadtbild durch eine umfassende Planung, hin zu einer sehenswerten und erlebbaren Stadt, aufgewertet wird“, schreiben sie in der Broschüre. Zurzeit gebe es keine planerische Perspektive, wie der Erhalt der historischen Altstadt und anderer schützenswerter Bereiche gesichert werden könne. „Alle umliegenden Städte - von Lüdinghausen bis Iserlohn - haben das“, so Stoltefuß.

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Satzungs-Vorschläge auch für die Altstadt und Heeren

Eine Denkmalbereichssatzung fordern Kamens ehrenamtliche Denkmalschützer beispielsweise für die Untere Bahnhofstraße zwischen dem Kreisel an der Maibrücke im Norden und dem Kreisel an der Koppelstraße im Süden. Allein zehn Baudenkmäler, die im Villenstil der Gründerzeit errichtet wurden, gibt es dort. „Durch eine Denkmalbereichssatzung soll der Erhalt der Eigenart des historisch geprägten Teils der Bahnhofstraße in seiner städtischen Struktur und Gestalt erreicht werden“, heißt es. Auch für die Altstadt rund um den Alten Markt und für das alte Dorf Heeren mit dem Haus Heeren, der Kirche und der Straße Kateneck haben sie Satzungsvorschläge.

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