Wenn der Begriff „Musical“ nicht passen mag und „Ruhrgebiet-Revue“ zu bieder anmutet, erfindet der Kamener Bernd Böhne einfach den Begriff Ruhrical – und das beschreibt die Show treffend.

Kamen

, 03.05.2019, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Radio Ruhrpott – Der Sound von hier!“ Es ist eine Ruhrgebiets-Hitparade, die der Kamener Bernd Böhne geschaffen hat. Sie geht im Theater Forum Castrop-Rauxel über die Bühne. Mit viel Liebe zum selbst kleinsten Detail ist es eine Hommage ans Radio, eine Liebeserklärung an den Pott und ein Spiel mit den Macken, Eigenarten und Schrullen, aber auch der Tugend, dem Ehrverständnis und dem Stolz der Revierbewohner.

Ein Ruhrical mit dem Sound von hier

Auch Hausmeister Machulke ist dabei. Die Kunstfigur von Bernd Böhne sorgt für Heiterkeit. © Stefan Milk

Der Sound von hier

Das Premierenpublikum reißt es am Donnerstagabend von den Sitzen - und zwar so früh, dass Hauptdarsteller Markus Psotta mit kleinen Gesten darum bitten muss, doch wieder Platz zu nehmen, damit einer der wenigen Handlungsstränge des Stückes bis zum tatsächlichen Ende fortgesetzt werden kann.

Wie der Name schon sagt, geht es um Radio Ruhrpott. Der UKW-Sender auf 103,7, der in Castrop-Rauxel selbst auf dem Mofa eingeschaltet wird. In der Sondersendung „Der Sound von hier“ legt Moderator Sam Maldock (Tlako Mokgadi) einen Hit nach dem anderen auf. Er gibt Hintergrundinformationen, wenn der Bezug zum Ruhrgebiet nicht sofort erkennbar ist, oder fungiert als Showstopper, wenn der Szenenwechsel auf der Bühne zu krass geworden wäre.

Von Grönemeyers „Bochum“ über Westernhagens „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ bis zu Sashas „I Believe“ ist alles dabei. Selbst der Schlager-Tango „Der Mond von Wanne- Eickel“ erhält einen Ehrenplatz. Nena und Extrabreit dürfen genauso wenig fehlen wie Hape Kerkelings „Das ganze Leben ist ein Quiz“ oder Helge Schneiders Katzeklo.

Ein Ruhrical mit dem Sound von hier

Das Premierenpublikum reißt es am Donnerstagabend von den Sitzen - und zwar so früh, dass Hauptdarsteller Markus Psotta mit kleinen Gesten darum bitten muss, doch wieder Platz zu nehmen. © Stefan Milk

Grönemeyer und Helge Schneider

Dass Marc Stahlberg vor allem Grönemeyer und Helge Schneider zum Verwechseln imitieren kann, führt mehrfach zu Szenenapplaus.

Radio-Ruhrpott-Moderator Sam Maldock, der an den legendären WDR-2-Moderator Mal Sondock erinnern soll, nimmt jedoch auch eine Schlüsselrolle zum Bühnengeschehen ein, denn natürlich verfolgt nicht nur das Theaterpublikum das Radio-Programm, sondern auch das Bühnenpärchen Petra und Richie, der eigentlich Peter „Pedda“ Richards heißt. Der junge Musiker träumt davon, einmal im Radio gespielt zu werden, und seine „neue Liebe“ Petra ist nicht nur „wie ein neues Leben“, sie übernimmt kurzerhand auch das Management von „Richie und den Ruhricals“ und stiefelt in den Radiosender.

Es könnte alles so schön sein, wäre Richies Chef auf Zeche Erin, der Reviersteiger von Bodelschwingh, nicht ausgerechnet Petras Vater. Der verbietet der Tochter nicht nur den Umgang mit dem Musiker über Tage, unter Tage will er von dessen Verbesserungsvorschlägen auch nichts wissen.

Singt ein Teil des Publikums vom ersten Song an stetig mit, wird es bei den Szenen, die im Flöz vor Kohle spielen, komplett still. Geht es hier doch ganz subtil um Werte, um Zusammenhalt, um den Kumpel, ohne dessen Hilfe man es alleine nie wieder nach oben schaffen würde. Und bei dem es völlig egal ist, wo er herkommt.

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Das Steigerlied angestimmt

Und als Richie hier, begleitet von Geräuschimitator Lino Beatbox, das Steigerlied anstimmt, wird das Theater zu einem großen Chor und die gemeinsam gesungene Ruhrgebiets-Hymne zu einem Gänsehaut-Moment.

Als dann noch die Geräusche der Abbruchmaschinen langsam den Rhythmus von Wolfgang Petrys „Wir sind das Ruhrgebiet“ übernehmen und so zum nächsten Song überleiten, wird auf vielen Plätzen mitgerockt, während auf der Bühne die Schippe zur Luftgitarre wird.

Da bleibt am Ende gar keine andere Möglichkeit, als Queens „Radio Gaga“ in „Radio Ruhrpott“ umzudichten – und zum Mitmachen musste man das Publikum da nicht mehr auffordern.

Weitere Aufführungen

Das Ruhrical

  • Weitere Aufführungen gibt es am 4. Mai um 20 Uhr, am 5. Mai um 16 Uhr, am 14. und 15. Juni um 20 Uhr sowie am 16. Juni um 16 Uhr. Im Juli gibt es 20-Uhr-Vorstellungen am 12. und 13. Juli sowie eine 16-Uhr-Vorstellung am 14. Juli.
  • Weitere Termine für den Herbst und 2020 werden in Kürze veröffentlicht.
  • Tickets unter www.proticket.de oder der Hotline 0231/9172290.
  • Internet: www.radioruhrpott.de

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