Spektakuläres Bauverfahren für die Villa Möcking. Weil es kaum Platz für großes Baugerät gibt, wird das Haus um den riesigen Kran herum gebaut. Der Kran schwingt sogar über die Lutherkirche hinweg.

Kamen

, 12.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bereits ein einziges Bauteil des wuchtigen Krans ist fast so lang wie die halbe Nordstraße. Das leuchtend gelbe Element liegt noch auf der Straße – lang ausgestreckt vor der Baustelle für die „Villa Möcking“. Der Aufbau des Baukrans, den Fachleute als „Oberdreher“ bezeichnen, ist handfestes Zeichen dafür, dass die Bauarbeiten in eine neue Phase gehen.

Dirk Schnaube, Bauleiter bei der Bergkamener Wohnungsbaugesellschaft beta Eigenheim, nickt: „Jetzt beginnt der Rohbau.“ Damit wird der neue Baufortschritt auch für Passanten sichtbar – die Baustelle war für einige Wochen stillgelegt, weil Archäologen Spuren aus früheren Jahrhunderten sicherten.

Der 40 Meter lange Ausleger liegt auf der Nordstraße neben dem Baufeld für die Villa Möcking und wird gleich vom Autokran angehoben. Die Höhe des Baukrans wurde so ausgewählt, dass der Auflieger über die Lutherkirche hinweg schwingen kann.

Ein Teil des Oberdreherkrans hängt am Haken eines zweiten Krans. Am Mittwoch wird ein Kran an der Nordstraße aufgebaut. Besonderheit: Das Haus wird um ihn herum gebaut. Erst zum Ende der Bauarbeiten wird der Kran aus dem dann fast fertigen Haus herausgehoben. © Janecke

Ausleger hat eine Länge von 40 Metern

Noch liegt der riesenhafte Ausleger, 40 Meter lang, am Boden. Auf der Nordstraße geht schon seit dem frühen Morgen nichts mehr, seitdem die Einzelteile für den Baukran antransportiert werden. Von der Anlieferung ist kurz auch die Oststraße betroffen, als die Lastwagen mit den Bauteilen den Weg blockieren und sich die Wagen dahinter stauen.

Kurz darauf, die Oststraße ist wieder frei, geht es mit dem Aufbau des Turms los, der mithilfe eines ausfahrbaren Autokrans schnell in die Höhe wächst. „Der Kran muss höher sein als die Lutherkirche. Der Ausleger könnte somit über den Turm der Kirche hinweg schwingen“, erläutert Schnaube die Auflage. Die malerische Kirche der Ev. Gemeinde Kamen ist etwa 25 Meter hoch und damit deutlich kleiner als die Pauluskirche, die es auf 60 Meter bringt.

Klare Linien, cremefarbener Ton und städtebaulich gut in die vorhandene Fassadengestaltung eingebunden: Die Villa Möcking (hier eine Illustration) soll an der Nordstraße einen modernen Akzent mit historischem Charme setzen.

Klare Linien, cremefarbener Ton und städtebaulich gut in die vorhandene Fassadengestaltung eingebunden: Die Villa Möcking (hier eine Illustration) soll an der Nordstraße einen modernen Akzent mit historischem Charme setzen. © beta

Ein eigenes Fundament für den Baukran

Ein derlei großes Baugerät kann nicht einfach so aufgestellt werden. „Dafür haben wir ein eigenes Fundament gegossen“, erläutert Schnaube. Das Kranfundament besteht aus 75 Kubikmetern Beton und hat eine Grundfläche von acht mal acht Quadratmetern. „Eine Riesentonnage, in der noch zusätzlich fünf Tonnen Stahl verbaut sind“, so Schnaube. Das Kranfundament, das noch unterhalb der späteren Sohlplatte des eigentlichen Bauwerks liegt, bleibt dort vermutlich für die Ewigkeit: „Das kann man nicht wieder herausreißen. Es wird später zubetoniert“, so Schnaube.

Am späten Nachmittag steht der Kran. Er ist so hoch, dass er auch über den Turm der Lutherkirche schwingen könnte.

Am späten Nachmittag steht der Kran. Er ist so hoch, dass er auch über den Turm der Lutherkirche schwingen könnte. © Stefan Milk

Neuer Kran ist nun buchstäblich Dreh- und Angelpunkt

Der neue Kran ist nun buchstäblich Dreh- und Angelpunkt für die Arbeiten an der Villa Möcking, die an der Nordstraße mit den künftigen Hausnummern 4 bis 6 entsteht, dort, wo früher das Möbelhaus Möcking war. Das Traditionsgeschäft war im Januar 2017 geschlossen worden. Im April vorigen Jahres startete der Abriss des markanten Gebäudes.

Der Neubau soll ebenso markant werden – mit kubistischer Anmutung und klaren Linien über vier Geschosse, auf denen ein zurückliegendes Staffelgeschoss aufgesetzt wird.

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Zwei Gebäude, die über eine Tiefgarage verbunden sind

Das große City-Bauprojekt besteht aus zwei Gebäuden, die durch eine Tiefgarage miteinander verbunden sind: Das Hauptgebäude zur Nordstraße wird über 19 Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten verfügen, das rückseitig liegende Stadthaus erhält zwei Wohnungen. Bei den Wohneinheiten wird es sich um 2,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen handeln. 21 Stellplätze werden in der Tiefgarage für die neuen Eigentümer vorgehalten. Die Zufahrt erfolgt rückwärtig – vorbei am Commerzbank-Parkplatz – über die Kampstraße.

Nächster Bauabschnitt: Das Fundament für die Tiefgarage

Soweit, dass man in die Tiefgarage fahren kann, ist es freilich noch nicht. Jetzt geht es erst einmal daran, das Fundament für die mit 300 Bohrpfählen gesicherte Tiefgarage zu legen. „Da gehen hunderte von Tonnen Stahlbeton hinein“, schildert der Bauleiter. Das könne, je nach Witterung, ein bis zwei Monate lang dauern. Danach geht es dann in den Hochbau. Besonderheit: Das Gebäude wird sozusagen rund um den großen Baukran gebaut. „Ja“, sagt Schaube, „der Kran bleibt stehen. Sogar die Decken werden dort, wo er ist, zunächst ausgespart.“ Zum Ende der Bauarbeiten wird der Baukran dann von einem Autokran herausgehoben. „Und er wird dann in umgekehrter Reihenfolge abgebaut, wie er aufgebaut wurde.“

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Kompliziertes Verfahren notwendig durch beengte Platzverhältnisse

Nötig wird das komplizierte Verfahren, weil es innerstädtisch nur wenig Platz für derlei schweres Baugerät gibt. „Wir können den Kran ja nicht einfach auf der Nordstraße abstellen. Und auch auf Grundstücken in der Nachbarschaft ist kein Platz“, so Schnaube. Der Ballastkasten mit den schweren Gewichten, der den Kran im Gleichgewicht hält, benötige zudem einigen Platz, wenn sich der Kran um seine Achse dreht.

Nach und nach wird der Turm jetzt im Gebäude verschwinden, wenn die Außenmauern wachsen. Die Architekten haben bei der Planung darauf geachtet, dass sich das Gebäude trotz moderner Zeichnung gut in das Nordstraßen-Gefüge einpasst, wie zur benachbarten Villa, die denkmalgeschützt ist.

Vertikale Erker, klare Linien, fließende Übergänge und ein cremefarbener Ton des Putzes und der Teilverklinkerung sollen das neue Gebäude gut in die vorhandene Bebauung einbinden. Die Architekten bezeichnen die Nordstraßen-Ansicht als „dreiteilige Blockrandbebauung“. Der mehrteilige Kran gehört freilich nicht dazu: Vor Fertigstellung wird er verschwinden.

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