Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ein Riese und zwei Zwerge teilen sich den Buchhandel in Kamen

dzMayersche-Fusion

Der örtliche Buchhandel ist geschrumpft, aber neben der jetzt mit Thalia fusionierenden Mayerschen in der City behaupten sich inhabergeführte Läden in zwei Stadtteilen.

Kamen

, 10.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Mayersche Buchhandlung gilt als Gewinnerin eines Verdrängungswettbewerbs auf dem Buchmarkt in der Kamener Fußgängerzone. Ob Weltbild, Hopp oder Hagena – andere Buchläden auf der Bummelmeile existieren nicht mehr.

Doch auch ein Riese wie die Mayersche wirkt klein gegenüber der Marktmacht eines Online-Konkurrenten wie Amazon. Das zeigte sich am Donnerstag durch die Nachricht der Fusion der großen Buchhandelsketten Mayersche und Thalia. Aus den 55 Mayerschen Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie den rund 300 Buchhandlungen von Thalia im deutschsprachigen Raum wird nach Angaben der beiden Unternehmen der bedeutendste familiengeführte Sortimentsbuchhändler in Europa.

Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Fusion auf die einzige Filiale der Mayerschen Buchhandlung im Kreis Unna negativ auswirken wird. Von Umfirmierungen oder Schließungen war in den Informationen, die die Filialen aus ihren Zentralen erhielten, nicht die Rede. In dem Kamener Laden an der Weststraße ging der Betrieb am Donnerstag seinen normalen Gang. Filialleiterin Meike Westermann verwies auf die offiziellen Presseinformationen zur Fusion.

Dass Thalia und die Mayersche sich zusammentun, liefert den Anlass, auf die jüngere Entwicklung des Buchhandels in Kamen zurückzublicken. Während die Mayersche die Rolle des großen Platzhirschen in Kamen-Mitte einnimmt, behaupten sich sowohl in Methler als auch in Heeren-Werve zwei kleinere Buchgeschäfte.

Mobilé in Methler, Schulte in Heeren-Werve

Mobilé an der Schimmelstraße in Methler erhielt 2017 den Deutschen Buchhandlungspreis. Das Besondere der kleinen Sortimentsbuchhandlung: Rund fünf Monate im Jahr sind die Buchhändler Matthias und Hildegard Grüger mit einem mobilen Stand unterwegs, um Bücher zu verkaufen, zum Beispiel auf Messen, Stadtfesten oder im Sommer in Urlaubsorten am Meer.

Willi Schulte an der Mittelstraße in Heeren-Werve hat sich ebenfalls behauptet, während andere Buchläden aus der Stadt verschwanden. Schulte ist nicht nur eine Adresse für Bücher, sondern auch für Büro- und Schulbedarf und Spielwaren.

Mayersche Buchhandlung seiet 2010 in Kamen-Mitte

Als die Mayersche Buchhandlung im September 2010 ihre Kamener Filiale im früheren Spielwarengeschäft Karrenberg eröffnete, gab es allein in der Innenstadt mit Hagena, Weltbild und Hopp vier Buchläden. Nur die Mayersche ist geblieben.

2015 kam das Aus für den Buchfilialisten Weltbild am Willy-Brandt-Platz. Die insolvente Verlagsgruppe begründete das Aus mit schwachen Umsätzen. „Wir müssen bedauerlicherweise die Filiale zum Ende Februar 2015 schließen, weil sie nicht wirtschaftlich gearbeitet hat und die Umsätze nicht die Kosten deckten“, hieß es. Die Mitarbeiter erhielten ein Versetzungsangebot oder ein Angebot zum Wechsel in eine Transfergesellschaft.

2013 kapitulierte die „Buchhandlung am Markt“ an der Marktstraße vor der Konkurrenz: Der letzte inhabergeführte Buchladen in der Fußgängerzone schloss nach dem Weihnachtsgeschäft. Der Umsatz sei seit Eröffnung der Mayerschen stark eingebrochen, doch das sei nur einer von verschiedenen Gründen für die Schließung. „Ich kann den Bürgern der Stadt nicht vorschreiben, wo sie einkaufen. Und der Bürger hat entschieden, wo er einkaufen will“, begründete Mitinhaberin Gerlinde Hopp damals den Rückzug. 1998 hatten die Versandbuchhändler Peter und Gerlinde Hopp ihr erstes Ladenlokal in Kamen eröffnet.

Fast zeitgleich zur Eröffnung der Mayerschen war im Jahr 2010 Schluss bei Hagena an der Weststraße. „In sich wandelnden Zeiten muss man dem Markt, dem veränderten Kundenverhalten und den durch Neue Medien und Internet begünstigten neuen Geschäftsmodellen Tribut zollen“, sagte damals Inhaberin Alexandra Wullkopf.

Mit großem Interesse verfolgen Buchhändler wie Matthias Grüger von Mobilé in Methler nun die Fusion der beiden Großen. „Die Verlage werden Bauchschmerzen bekommen“, meint er. Denn es entstehe auch eine neue Einkaufsmacht. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen, sagt er im Hinblick darauf, dass die Kartellbehörden der Fusion noch zustimmen müssen.

Was die Konkurrenz des Online-Handels angeht, geht es kleinen Buchgeschäften wie Mobilé nicht anders als den größeren. „Wir bekommen das zu spüren“, sagt Matthias Grüger. Er sagt aber auch selbstbewusst: „Wir können schneller liefern als Amazon.“

Lesen Sie jetzt