Ein reich gedeckter Tisch für Vögel in den Wintermonaten

dzNatürliche Gärten

Wer Vögeln im Winter etwas Gutes tun will, greift häufig zum Vogelfutter. Dass das aber nur oberflächlich hilft, mahnt der Ornithologe Karl-Heinz Kühnapfel an. Er setzt auf wilde Gärten.

Methler

, 21.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Winterzeit ist für die heimische Vogelwelt eine Strapaze. Futter wird rar, die Temperaturen sinken stark. Nicht jede Vogelart zieht gen Süden, manche schlagen sich hierzulande mit der dunklen Jahreszeit rum.

Wie kann ein Vogelfreund da helfen? Der Methleraner Ornithologe Karl-Heinz Kühnapfel weiß die Antwort. Er sagt: „Vogelfutter, das ist okay. Es sollte sich aber niemand einbilden, dass man der Vogelwelt damit helfen kann.“ Was wirklich hilft, das seien natürliche Gärten. Denn die spenden den gefiederten Tieren die Nahrung, die sie so dringend brauchen.

Ein reich gedeckter Tisch für Vögel in den Wintermonaten

Wildwuchs mit System: Im Garten von Karl-Heinz Kühnapfel finden Vögel auch im Winter viel Futter. © Marcel Drawe

„Heute sehen viele Gärten ja aus wie Ausstellungen von Gartencentern“, sagt Kühnapfel mit ernster Stimme. Wer Vögeln und der Tierwelt allgemein einen Gefallen tun will, sollte auf Wildkräuter und Vielfalt statt auf Zuchtexemplare und minutiös geschnittene Grasflächen setzen. Dann würden auch die Vögel genug Nahrung finden und auch in den Wintermonaten in den wilden Gärten vorbeischauen. Denn in Hölzern, Sträuchern, Laub- und Komposthaufen finden die Insekten und Würmer ein Zuhause, mit denen sich die Vögel den Bauch vollschlagen können.

Auch eine überlegte Auswahl verschiedener Pflanzen kann helfen. Wilder Wein, Beerensträucher und Efeu bieten den gefiederten Tieren auch in der kalten Jahreszeit ein reichhaltiges Menü. Darüber hinaus sollte man auch mal eine Fläche des Gartens gar nicht beackern und dort Wildkräuter – die Kühnapfel nicht Unkraut nennen will – wachsen lassen. Erst Ende Februar sollte man den wilden Wuchs dann wieder etwas zurückschneiden.

Ein reich gedeckter Tisch für Vögel in den Wintermonaten

Rotkehlchen sind eine von vielen Vogelarten, die einen auch im Winter besuchen können. © Stefan Milk

Der Vorteil: Wildkräuter wachsen von alleine und durch die Vögel kommen durch deren samenhaltige Ausscheidungen auch immer mehr hinzu.

„Da muss man dann auch mal mutig sein“, meint der Ornithologe. Wenn Nachbarn einen auf den Wildwuchs im Garten ansprechen, sollte man nicht einknicken. „Da muss man umdenken. Man kann die Natur nicht so behandeln wie das eigene Wohnzimmer, wo alles fein säuberlich ist.“

Ein reich gedeckter Tisch für Vögel in den Wintermonaten

Futterstelle mit Haselnüssen. Gegen das Füttern hat Kühnapfel nichts. „Doch das ist nicht des Pudels Kern“. © Marcel Drawe

Viele Vögel zu Gast

Das Projekt Naturgarten kann sich lohnen – gerade für Vogelliebhaber. „Rotkehlchen und Zaunkönige fliegen bei uns vorbei. Heute Morgen habe ich schon fünf Buchfinken gesehen“, erzählt Kühnapfel. An guten Tagen habe er auch im Winter bis zu 15 verschiedene Vogelarten bei sich im Garten zu Gast. Darunter auch Kohl- und Blaumeisen, Amseln, Elstern und Krähen.

Ganz verschmähen will Kühnapfel das Vogelfüttern aber doch nicht. „Das ist nicht des Pudels Kern, aber zur eigenen Freude ok.“ Für die Fütterung braucht man sowohl eine Futterstelle, die man kaufen oder sich selbst basteln kann. Vogelfuttermischungen gibt es etwa in entsprechenden Fachmärkten, laut Kühnapfel kann man da ruhig zugreifen.

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