Ein Geldtopf für Südkamen: Diese Projekte schlagen Bürger vor

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Eine Wasserzapfstelle im Bürgerwald, ein virtuelles Heimathaus im Internet und Licht für dunkle Fußwege: Diese und weitere Vorschläge würden Bürger gern in Südkamen realisieren – mit Geld aus dem Bürgerhaushalt.

Kamen, Südkamen

, 20.01.2020, 19:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeder Stadtteil in Kamen hat einen Geldtopf bekommen, aus dem Bürgervorschläge in die Tat umgesetzt werden sollen. Die erste Gelegenheit, konkrete Vorschläge abzuliefern, gab es am Montagabend bei einer Bürgerversammlung in Südkamen.

35 Teilnehmer und Mitwirkende, darunter neun Verwaltungsmitarbeiter und sieben Ratsmitglieder, erschienen im Johannes-Buxtorf-Haus zur ersten von vier Bürgerversammlungen in den Stadtteilen. Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) erläuterte zu Beginn die Spielregeln des sogenannten Bürgerhaushalts. Diese lauten in Kurzfassung: Vorschlagen, Beraten, Abstimmen. Jeder soll seinen Vorschlag vorstellen. Der Vorschlag muss den Ortsteil betreffen – und von der Stadtverwaltung in diesem Jahr umsetzbar sein. „Damit man schnell was sieht“, sagte Kappen. Die Anwesenden sollen die Vorschläge beraten und anschließend über die Reihenfolge auf der Vorschlagsliste abstimmen. In einem späteren Schritt prüft die Stadtverwaltung die Machbarkeit, bevor der Stadtrat die Umsetzung beschließt.

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Bevor die Bürger ihre Vorschläge loswerden konnten, gab es von Kämmerer Ralf Tost eine kurze Lektion über den städtischen Haushalt mit Gesamtausgaben von 133 Millionen Euro, Schulden von rund 127 Millionen und Investitionen von 14,3 Millionen Euro. Zum Vergleich: 45.000 Euro stecken in den neuen Stadtteilbudgets, die auf einen Beschluss des Stadtrats von September 2019 zurückgehen. Davon sind 4600 Euro für Südkamen vorgesehen.

Der erste Bürgervorschlag kam von Hanno Peppmeier. Der Anwohner des Südfriedhofs und SPD-Vorstandsmitglied berichtete, ihn hätten Stimmen erreicht, die eine Wasserentnahmestelle im „Bürgerwald“ vorgeschlagen haben. Zudem schlage er eine Sitzgelegenheit dort vor. Das alles beziffert auf 1500 Euro. Karl-Heinz Degenhardt ergänzte im Verlauf der Versammlung: „Mehrere Wochen im Jahr steht da tischhohes Unkraut. Da müsste ein Weg eingebaut werden“, sagte er. Karsten Heil schlug vor, Bäume künftig anders anzuordnen.

Ortsheimatpfleger Peter Resler brachte die Ortsgeschichte ins Gespräch. „Wir möchten gern ein virtuelles Heimathaus für Südkamen schaffen“, sagte er. Er und seine Kollegen hätten viel Material über die Historie des Stadtteils gesammelt, insgesamt 17 Gigabyte Daten. Das Heimathaus soll eine Internetseite sein. „Für 460 Euro könnten wir das sofort starten und dann wären zwei Jahre abgedeckt“, sagte Resler.

Ein Geldtopf für Südkamen: Diese Projekte schlagen Bürger vor

Bürgerhaushalt Bürgerversammlung Südkamen © Marcel Drawe

Bürgerhaushalt

45.000 Euro für die Stadtteile

  • Die Stadt Kamen stellt insgesamt 45.000 Euro für Projekte bereit: für Kamen-Mitte 21.000 Euro, für Methler 11.350 Euro, für Heeren-Werve 8200 Euro und für Südkamen 4600 Euro.
  • Bürger sollen Projekte in Bürgerversammlungen vorschlagen, über deren Realisierung später der Stadtrat entscheidet. Nach einer ersten Bürgerversammlung in Südkamen sind weitere Treffen am Dienstag, 21. Januar, im Rathaus in Kamen-Mitte, am 28. Januar im Lutherzentrum in Heeren-Werve und am 29. Januar im Bürgerhaus Methler geplant. Beginn ist jeweils um 18 Uhr.
  • Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) hat ihre nächste Sprechstunde am Dienstag, 21. Januar, ab 11 Uhr im Pavillon am Willy-Brandt-Platz.

Ein dunkler Weg zwischen Perthesstraße und Schönem Fleck ist Roswitha Fluess aufgefallen. „Da ist ein Patt, der ist stockdunkel“, sagte sie. „Da brauchen wir dringend eine Beleuchtung.“

Ernst Stricker berichtete, der Schützenverein Südkamen spare für ein neues Gewehr im Wert von 1000 Euro und rege einen Zuschuss an. Zudem beantrage die Gruppe „Rad und Tat“ des Ev. Männerforums einen Zuschuss von 200 Euro für Werkzeug.

Die Dachvereinigung „Runder Tisch“ Südkamener Vereine plant ein Bürgerfest. „Ein Anreiz für Vereine, um neue Mitglieder zu gewinnen“, findet Volker Reckmann, der dafür Geld lockermachen will.

Heiko Martin vom Kleingartenverein „Schöner Fleck“ bat um Unterstützung für ein Insektenschutzprojekt und nannte eine Summe von 2000 Euro. Doris Werner, Grünen-Vorstandsmitglied, regte das Anlegen eines Blühstreifens an der Fichtestraße an.

Bürgermeisterin Kappen schaltete sich immer wieder in die Vorschlagsrunde, die von Werner Wiggermann moderiert wurde, ein. So deutete sie an, dass Projekte wie die Straßenbeleuchtung und die Wasserentnahmestelle auch realisiert werden könnten, ohne das Bürgerbudget zu belasten. Zweifel äußerte sie, ob die Anschaffung eines Gewehrs für die Schützen die Kriterien des Stadtteilbudgets erfülle.

Das Fazit des Abends nach einer Diskussionsrunde, in der die Teilnehmer noch einzelne Posten umschichteten: Für fast alle Projekte wird wahrscheinlich Geld fließen.

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