Zurzeit befinden sich so viele Baugebiete in der Entwicklung wie lange nicht mehr. Nicht nur mit Klimaschutzssiedlung und Wohngebiet an der Seseke, sondern auch mit einem Areal in Südkamen.

Kamen

, 27.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Südkamen wird bald ein prägendes Gebäude verlieren. Der Bauernhof Schulze-Bergcamen mit seiner imposanten Fachwerkfassade steht vor dem Abriss.

Die Südkamener Landwirtefamilie, die aus dem Ort weggezogen ist, hat das etwa 10.000 Quadratmeter große Grundstück samt dem landwirtschaftlichen Gebäudekomplex, das aus Haupthaus und Scheune besteht, an die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna (WFG) veräußert.

Die alten Gebäude sollen aber nicht restauriert und neu genutzt werden. Die WFG wird sie abreißen lassen. Denkmalschutz besteht nicht.

Die Arbeiten sollen durch das Abbruchunternehmen Linkamp aus Anröchte durchgeführt werden, wie WFG-Sprecherin Elke Böinghoff auf Anfrage informiert. Zurzeit laufen vorbereitende Arbeiten, die sich aufwendiger erweisen als geplant. Der Abbruch wird sich deswegen etwas verzögern. Fristgerecht sind auf dem mehrere tausend Quadratmeter großen Areal bis Ende März bereits Rodungsarbeiten ausgeführt worden.

Das Grundstück des ehemaligen Hofs Schulze-Bergcamen liegt direkt an der Südkamener Straße. Diese wird ab Kreuzung Buschweg zur Sackgasse, wenn die Südkamener Spange fertiggestellt ist.

Das Grundstück des ehemaligen Hofs Schulze-Bergcamen liegt direkt an der Südkamener Straße. Diese wird ab Kreuzung Buschweg zur Sackgasse, wenn die Südkamener Spange fertiggestellt ist. © Borys Sarad

WFG macht die Fläche marktreif

„Es ist geplant, das Areal für neue Wohnbebauung zu entwickeln“, berichtet Böinghoff. Pläne, ob es sich um Einfamilienhäuser oder Mehrfamilienhäuser handeln wird, gibt es noch nicht. Denn das Gelände wird von der WFG lediglich marktreif gemacht und dann wieder veräußert. An einen Investor, der dann auch seine Vorstellungen verwirklichen darf.

Einen Bebauungsplan, der Richtlinien für die Bebauung festlegt, gibt es für die ehemalige Hofstelle nicht. Die neuen Wohnhäuser sollen aber lediglich auf dem Hofgrundstück, das von Südkamener Straße und dem Buschweg abgegrenzt wird, entstehen. „Es betrifft nicht die benachbarte Ackerfläche“, wie Böinghoff berichtet.

Das Fachwerkhaus an der Südkamener Straße steht nicht unter der Denkmalschutz, auch wenn es mit seiner Fassade ein imposantes Bild ergibt.

Das Fachwerkhaus an der Südkamener Straße steht nicht unter der Denkmalschutz, auch wenn es mit seiner Fassade ein imposantes Bild ergibt. © Stefan Milk

Neue Toplage für das Wohnen in Kamen

Die ruhige, naturnahe und innenstadtnahe Lage darf wohl dann als Toplage für künftiges Wohnen in Kamen bezeichnet werden, auch wenn die Bahnlinie Dortmund-Hamm nicht allzu weit entfernt ist. Die an der Grundstücksgrenze verlaufende Südkamener Straße, die dort jetzt noch Westicker Straße und Dortmunder Allee verbindet, wird zur Sackgasse umfunktioniert, wenn (bzw. falls) die Südkamener Spange gebaut wird. Danach sieht es nach jahrzehntelanger Planungszeit tatsächlich aus. Im Jahr 2024 könnte die neue Verkehrsachse eröffnet werden.

Wann erste Mieter bzw. Eigentümer auf dem Hof-Areal einziehen können, darüber gibt es zurzeit noch keine Prognosen. Denn das Verfahren, den ehemaligen Bauernhof für eine Wohnbebauung zu erschließen, steht erst ganz am Anfang. Folgerichtig gibt es auch noch keinen Investor. Die Stadt Kamen, so bestätigt Stadtsprecher Peter Büttner, sei sowohl im Gespräch mit der WFG als auch mit dem Kreis Unna, um das Verfahren zu begleiten.

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„Irgendwann setzt der Verfall ein“

Das Gebäude, so weiß der Südkamener Ortsheimatpfleger Karl-Ernst Böhm, steht seit etwa zehn Jahren leer. Als ehrenamtlicher Denkmalschützer bedauert er zwar den Verlust des Gebäudes mit dem auffälligen Fachwerk, weiß aber auch, dass es jetzt nicht mehr zu retten ist. „Irgendwann setzt der Verfall ein – besonders bei Fachwerkhäusern wird das dann auffällig“, sagt er.

Er wird vermutlich noch das eine oder andere Bild von dem Gehöft schießen – wie andere Ortsheimatpfleger sammelt er die Bilder der Stadt, um nachfolgenden Generationen zu zeigen, wie Kamen einmal ausgesehen hat.

Auch vom Hof Schulze-Bergcamen werden nur noch Bilder übrig bleiben.

Mehrere Baugebiete in der Entwicklung

Zurzeit befinden sich so viele Baugebiete in der Entwicklung wie lange nicht mehr. Insgesamt gibt es 400 Interessenten für Baugrundstücke in Kamen, die bei der Stadt gelistet sind. Hier ein Überblick:

Klimaschutzsiedlung: Wohnen im Einklang mit der Natur südlich des Dorfs Methler. Vermarktet werden Grundstücke für 30 freistehende Häuser, zwei Doppelhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser mit maximal sechs bis acht Wohneinheiten. Die Grundstücke sind zwischen 300 und 600 Quadratmeter groß. Die Vermarktung soll im Herbst beginnen. 105 Interessenten stehen zurzeit auf der noch offenen Liste, die im Rathaus geführt wird. Wer sich um ein Grundstück bewerben will, kann sich telefonisch oder per Email ans Rathaus wenden (siehe Anhang).

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Wohnen am Fluss: 90 Grundstücke stehen auf dem 6,3 Hektar großen Grundstück zur Verfügung. Erwartet wird, dass darauf 100 bis 140 Wohneinheiten entstehen. Mehr als zwei Geschosse, sprich Erd- und Obergeschoss, sind nicht erlaubt - bis auf ein zusätzlich ausgebautes Dach. An allen vier Seiten wird das Areal von der Natur abgeschirmt. Die Erschließung ist ab 2021 geplant, die Vermarktung der Grundstücke ab 2022. Auch hier wird eine Liste mit Interessenten im Rathaus geführt.

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Heimstraße: Der geplante Bauplatz auf dem Sportplatz des SuS Kaiserau ist knapp zwei Hektar groß und liegt unmittelbar an der Ecke Heimstraße/Germaniastraße. Einem Vorschlag aus dem Bürgerhaushalt 2017 zufolge könnte sich das Areal für ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt eignen, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der UKBS. Das Planverfahren steht erst am Anfang. Bis es konkreter wird, können noch zwei Jahre vergehen.

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Die Liste mit Interessenten für Wohngrundstücke in Kamen wird in der Abteilung Liegenschaften geführt. Ansprechpartner ist Christoph Watolla unter Tel. (02307) 1481300 und über die Email-Adresse „christoph.watolla@stadt-kamen.de“.
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