Bernhard Büscher war Bezirkspolizist in Kamen. Dass er auch Gedichte schreibt, wussten wohl die wenigsten. In seinem E-Book kann nun jeder lesen, was Büscher erlebt hat.

Kamen

, 23.04.2019 / Lesedauer: 4 min

„Wenn man seine Gedanken aufschreibt, dann geht man nicht davon aus, dass das die Öffentlichkeit interessiert. Es war für mich selbst gut“, sagt Bernhard Büscher. Der pensionierte Bezirksbeamte hat in seinem (Berufs-) Leben viel erlebt und bereits seit seiner Jugend Erlebnisse und Gedanken niedergeschrieben - aber nicht als Tagebucheinträge, sondern in Gedichtform. Dass seine Gedichte gut sind und die Öffentlichkeit sehr wohl interessieren, kam erst durch einen Zufall ans Tageslicht. Heinrich Peuckmann, ein Freund Büschers und selbst Autor, las die Gedichte. „Er hat gesagt, dass sie gut sind“, so Büscher. Peuckmann schickte Büschers Gedichte an seine Verlegerin Stefanie Stöhr und auch die fand, dass sie „ein guter Beitrag zur deutschen Literatur“ sind. Nun wurden Büschers Gedichte als E-Book veröffentlicht, derzeit nur bei Amazon zu kaufen, bald auch bei anderen Händlern.

Kamener Ex-Polizist Bernhard Büscher schreibt Gedichte über alltägliche Begegnungen

Der Titel des E-Books ist „Das sind die Hände“. So heißt das erste Gedicht Büschers, das je veröffentlicht wurde. Im Rahmen der Aktion „Plakatgedichte“ war der Text über Büschers Mutter überall in Bergkamen zu lesen. Büschers Gedanken – denn das ist es, worüber er schreibt – sind nun für jeden zum Preis von 3,99 Euro zugänglich. Personen, denen er begegnet ist, persönliche Erlebnisse, aber auch kritische und politische Zeilen über Themen wie den Klimawandel oder die Flüchtlingskrise stehen in dem E-Book.

Als Polizist habe er die Menschen gesehen, wie sie sind, und war einer von ihnen. „Ich wollte immer alltäglich sein, einfach so, wie ich bin. Ich bin kein Machtmensch, sondern nur Schiedsrichter“, so Büscher. Als Polizist habe er nie Widerstand erfahren, weil er mit den Leuten gesprochen und ihnen zugehört habe. Er hat hingehört, beobachtet – und begleitet. Aus Erfahrungen wurden Gedichte, die zum Beispiel von einem Kind mit Down-Syndrom handeln, das täglich über die Straße ging, an der Büscher Tag für Tag stand und das immer selbstständiger wurde und sich weiterentwickelte; von dem einstigen Problemjungen, der sich nach Jahren als Familienvater bei Büscher für sein entgegengebrachtes Vertrauen bedankt hat – oder von der Frau in einer Bäckerei, die immer da war, die aber niemand kannte.

Kritik an Klimapolitik: Bernhard Büscher spricht Politiker direkt an

Bernhard Büscher schreibt aber nicht nur über Begegnungen mit anderen Personen, sondern auch über seine eigene Familie, versetzt sich in die Lage eines Flüchtlings oder spricht Politiker direkt an. „Man wird mutiger und schreibt über Dinge, über die man sonst nicht geschrieben hätte“, so Büscher über die positive Resonanz auf seine Zeilen. Was all seinen Gedichten gemein ist: Sie regen zum Nachdenken an. „Man soll über die Menschen nachdenken und es nicht einfach abtun“, sagt Büscher. Er habe sich als Polizist immer Zeit für die Menschen genommen, sodass mancher Streit ohne Verfahren ad acta gelegt werden konnte. „Die Kollegen meinten dann, ich sei nur zu faul zum schreiben“, sagt er schmunzelnd. In seinen Gedichten bringt Büscher offen und ehrlich zum Ausdruck, was ihn beschäftigt. Für sein Buch „Das sind die Hände“ musste er „nur“ abtippen, was bereits in seinem Kopf war. Einige Gedichte hatte er schon schriftlich, die anderen schrieb er für das Buch auf. „Dann war mein Kopf leer.“ Von Dauer war dieser Zustand aber freilich nicht. Die Erinnerung an Begegnungen, Personen und auch Gedanken zu seiner Heimatstadt Kamen bewogen ihn dazu, weiterzuschreiben – bis sein nächstes Buch erscheint, dürfte es also nicht mehr allzu lange dauern.

Zerstört

Es war ein friedliches Dorf
sie lebten von der
Landwirtschaft, hatten
nicht viel, waren zufrieden.

Dann kamen Männer
bohrten auf ihren Feldern
nahmen ihnen das Land
gaben ihnen Arbeit

damit sie ihr Land
durchwühlten um
Bodenschätze zu fördern
und verseuchten es dabei

Als alles durchwühlt war
ließen sie es zerstört
zurück. Menschen
waren ihnen egal.

Sie mussten ihr Dorf
verlassen, um zu überleben

(Bernhard Büscher)

Büscher hat der Ehrgeiz gepackt. „Ich habe festgestellt: Das geht!“ Als sein Freund Heinrich Peuckmann ihm vorschlug, etwas zum 125-jährigen Jubiläum der Philharmonie München zu schreiben, ging ihm das leicht von der Hand. Doch auch hier fließen seine eigenen Gedanken und Empfindungen ein: „Ich mag Musik und weiß, wie Musik auf mich wirkt. Und so wirkt sie auch auf andere, denke ich“, so Büscher. Vier von Büschers Gedichten schickten die Freunde auch an Thomas Bachmann, der eine Anthologie mit Gedichten vieler Autoren herausbringen würde. „Ich war gespannt, ob er eines von meinen Gedichten veröffentlichen wird,“ so Büscher. Bachmann veröffentlichte alle vier.

Helga

Sie fährt mit ihrem Rollstuhl
durch die Stadt. Seit ihrer Kindheit
ist sie darauf angewiesen, für alles
in ihrem Leben braucht sie Hilfe.

Sie beschwert sich nicht
sie ist dankbar. Wenn sie fährt
lauscht sie den Vögeln, erfreut sich
am Lachen der Kinder

Sieht den Menschen zu, freut sich
über ein Hallo, ein kurzes Gespräch
schließt Freundschaft mit ihrem Lächeln
das dem anderen hilft

(Bernhard Büscher)


Der Schriftsteller und der Polizist

Sie trafen sich bei einer Lesung
Der eine las eine seiner Geschichten
der andere kannte die Geschichte
Er war ein Teil davon

(Bernhard Büscher)


Hallo Erde

Du gibst uns die Luft
zum Atmen
du gibst uns das Wasser
zum Trinken
du gibst uns das Land
zum Leben

Wir verpesten
die Luft
wir vergiften
das Wasser
wir verseuchen
das Land

Erst wenn
wir
nicht mehr
da sind
kannst du dich
erneuern

(Bernhard Büscher)

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