„Ich bin jetzt weg von Akten und Gemeindeordnung und näher am Leben“, sagt Hermann Hupe und freut sich über seine neuen Aufgaben unter freiem Himmel.

von Stefan Milk

Kamen

, 18.08.2019, 14:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Schulleiter des Gymnasiums waren ihm zeitweilig über 1000 Schüler und etliche Lehrer anvertraut, als Bürgermeister war er Chef von einigen hundert Mitarbeitern und kümmerte sich mit ihnen um das Wohl von knapp 50.000 Menschen. Beide Aufgaben hat Hermann Hupe souverän gemeistert.

Vor einem Jahr ging er in den Ruhestand und ahnte noch nicht, dass er ein paar Monate später gemeinsam mit Ehefrau Christine Hupe Verantwortung für über 100.000 Bienen übernehmen würde. „Ich wollte keinen Hund haben und auch keine Bienen“, schmunzelt der Pensionär, doch seine Frau war anderer Meinung.

„Es ist faszinierend, wie gut so ein Volk organisiert ist.“

Und die setzte sie mit guten Argumenten durch. Wenn Hermann Hupe jetzt über den Mischlingsrüden Tommy spricht, wird seine Stimme noch eine Spur wärmer. Die tiefe Zuneigung zu dem struppigen Vierbeiner kann er nicht verhehlen.

Ähnlich verhält es sich, wenn er von den Bienenvölkern erzählt: „Wir schauen regelmäßig in die Bienenstöcke und es ist faszinierend, wie gut so ein Volk organisiert ist und wie reibungslos alles funktioniert.“ Hupe erzählt, dass sie auch früher durchaus an Umweltthemen interessiert gewesen seien, durch ihr neues Hobby der Respekt vor der Natur aber noch erheblich gewachsen sei.

Neue Aufgaben für den ehemaligen Bürgermeister

Christine und Hermann Hupe genießen mit Hund Tommy den Sommer in ihrem Garten auch, wenn sie gerade nicht mit ihren Bienen beschäftigt sind. © Stefan Milk

Natürlich wird man nicht so einfach Imker. Um mit Bienenvölkern umgehen zu können, muss man viel lernen. Und das taten Hupe und seine Frau Christine. Ein knappes halbes Jahr, einmal wöchentlich, drückten die beiden studierten Lehrer die Schulbank beim Imkerverein Unna und lernten alles über die Imkerei. Zumindest in der Theorie. Damit es auch praktisch klappt, pflegen sie den Kontakt zu Gleichgesinnten. „Der Austausch mit erfahrenen Imkern ist sehr wichtig“, sagen Hupes und sind froh, dass sie sich immer an ihren „Patenimker“ Paul Dircks, den Vorsitzenden des Imkervereins, wenden können.

Neue Aufgaben für den ehemaligen Bürgermeister

Am Einflugloch des Bienenstocks ist stets reger Betrieb. © Stefan Milk

Die zwei Völker produzieren über 40 Kilogram Honig

Inzwischen haben die beiden Wasserkurler „Jungimker“ auch die vereinseigene Honigschleuder in Anspruch genommen. Ihre zwei Völker bescherten ihnen über 40 Kilogramm Honig, den sie selbst schleuderten. Das sei nicht so viel, sagt Hupe, sie hätten die Waben nicht restlos ausgeschleudert und fügt schmunzelnd hinzu: „Die Bienen sammeln keinen Honig, damit wir ihn ihnen wegnehmen.“

Hobby, das Respekt verlangt

Damit macht er deutlich, dass seine Frau und er ihren Bienen genug Honig lassen wollen, damit sie als Imker nicht allzuviel „zufüttern“ müssen. „Bienen sind ein Hobby, dem man mit großem Respekt begegnen sollte“, sind sich Hupes einig und bringen damit zum Ausdruck, dass es ihnen nicht um die Produktion von Honig geht, sondern Aspekte wie Naturnähe, Bestäubung von Pflanzen und Umweltschutz ihnen wichtiger sind.

Zahlen aus der Imkerei

Die Honigbiene

  • Ein Volk besteht aus 50.000 bis 60.000 Bienen.
  • Die Königin paart sich während der Hochzeitsflüge mit bis zu 12 Drohnen.
  • In der Hochphase legt sie dann bis zu 2000 Eier täglich.
  • Eine Königin wird 3 bis 4 Jahre alt, eine Arbeiterin lebt im Sommer nur zwei bis sechs Wochen, im Winter bis zu einem halben Jahr.
  • Das Sammelgebiet eines Bienenvolkes ist bis zu 50 Quadratkilometer groß.
  • Für ein Pfund Honig müssen Arbeitsbienen bis zu 120.000 km Flugstrecke zurücklegen.
  • Die Zahl der Imker in Deutschland nimmt zu. Der Deutsche Imkerbund (DIB) zählte im vergangenen Jahr rund 120.000 Mitglieder, gut 6000 mehr als 2017.

Tiefe Einblicke in die Natur der Biene konnten die Beiden gewinnen, als sie ihren ersten sogenannten „Ableger“ bildeten. Dazu werden mehrere Brutwaben aus einem Volk entnommen, Leerwaben und Rahmen hinzugefügt und in einen leeren Bienenstock gehängt. Die Arbeitsbienen und Drohnen werden mit „umgesiedelt“.

Eine Arbeiterinnenlarve muss dann zur Königinnenzelle werden. Wenn daraus dann eine Königin wird, muss sie nach dem Hochzeitsflug auch zurückkehren. In Hupes Fall tat sie das und begann auch fleißig Eier zu legen. Die Aktion „Ableger“ ist also auf einem guten Weg. „Alle drei Völker sind gesund, darüber sind wir sehr froh“, sagt Christine Hupe.

Neue Aufgaben für den ehemaligen Bürgermeister

Hermann Hupe öffnet einen der Bienenstöcke, um einen Blick auf die Waben zu werfen. © Stefan Milk

Varoamilbe ist der ärgste Feind

Der nächste bedeutende Schritt im Bienenjahr wird die Behandlung der Bienenvölker gegen die Varoamilbe sein. Dazu wird 60prozentige Ameisensäure in den Bienenstöcken verdunstet.

Bevor Hupes das zum ersten Mal selbst tun, wollen sie dabei ihrem Patenimker über die Schulter schauen. „Die Varoamilbe ist der einzige Grund, warum Honigbienen ohne uns Menschen vermutlich nicht überleben könnten“, sagt Hupe.

Darüber hinaus sind die Aufgaben, die Hobbyimker zu erledigen haben, vielfältig. Dazu gehört das Bespannen der Wabenrahmen mit Draht und das anschließende „Anlöten“ der Wachsplatten ebenso wie das Zufüttern im Herbst. Natürlich kontrollieren Hupes regelmäßig ihre Bienenstöcke und freuen sich, wenn alles in Ordnung ist und hoffen, dass das so bleibt.

Neue Aufgaben für den ehemaligen Bürgermeister

Imker Hermann Hupe zeigt eine Wabe mit einem geschlossenen Brutnest © Stefan Milk

Weg von den Akten, näher am Leben

Die Frage an den ehemaligen Bürgermeister, ob ihm sein neues Leben gefällt, ist überflüssig. Die Zufriedenheit ist ihm deutlich anzusehen. Stellt man diese Frage dennoch, schwärmt Hupe von Reisen mit Ehefrau Christine, langen Spaziergängen mit seinem „vierbeinigen Kumpel Tommy“, ausgiebigem Lesen, der Beschäftigung mit den Bienen und der Möglichkeit, mit Freunden ein Bier zu trinken, ohne auf Termine achten zu müssen. „Ich bin jetzt weg von Akten und Gemeindeordnung und näher am Leben“, freut sich Hupe ein Jahr nach seiner Verabschiedung. Und hat noch viele Ideen für die kommenden Jahre.

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