Tonies sind der neue Renner in der Stadtbücherei Kamen

dzStadtbücherei Kamen

Was früher die Hörspiel-Kassette war, ist heute der Tonie: Die kleinen Hörspiel-Figuren sind bei Kindern äußerst beliebt. Günstig sind sie freilich nicht. Umso gefragter sind sie in der Stadtbücherei Kamen.

Kamen

, 28.01.2020, 15:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Natürlich zählen Bücher nach wie vor zum Kerngeschäft von Andrea Sternal. Sie ist schließlich Leiterin der Stadtbücherei Kamen. Aber längst wird nicht mehr nur auf Papier gelesen. Und die Bücherei reagiert darauf: „Wir haben gerade mit Hilfe unseres Fördervereins sieben neue Tablets angeschafft“, sagt Sternal. Die Ipads kommen bei den Bibliotheksführungen für Kinder und Jugendliche zum Einsatz. Die können auf diese Weise die Bücherei interaktiv erkunden und bewegen sich in einer ihnen vertrauten Medienwelt.

Im vergangenen Jahr haben Sternal und ihre Kollegen über 50 Führungen organisiert. Oberstes Ziel: Die Lust am Lesen wecken. Und das schon bei Kindern, die eigentlich noch gar nicht lesen können. Zu den Führungen kommen auch Kindergartenkinder. Bilderbücher und Vorlesen sollen die an eine Karriere als lustvolle Leser heranführen.

Die Hälfte der 3000 Nutzer sind Kinder und Jugendliche

Offenbar mit Erfolg: „Wir haben mehr als 3000 aktive Nutzer“, sagt Sternal. „Mehr als die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche.“ Noch eindrucksvoller liest sich die Jahresbilanz, wenn man die diversen Veranstaltungen einbezieht, die die Bibliothek zum Teil mit Partner wie der Volkshochschule ausrichtet: „Wir hatten 70.000 Besucher“, sagt Sternal.

Tonies sind der neue Renner in der Stadtbücherei Kamen

Büchereileiterin Andrea Sternal zieht eine positive Jahresbilanz und blickt auch optimistisch in die Zukunft. © Stefan Milk

Im laufenden Jahr sollen es ähnlich viele werden, diverse Lesungen, zum Beispiel mit Frank Solberg am 13. Februar und Horst Hensel am 24. März. Am 28. Februar liest mit Wladimir Kaminer ein prominenter Autor. „Diese Veranstaltung ist aber schon ausverkauft“, sagt Sternal.

Sie will in diesem Jahr aber auch andere Veranstaltungsformen ausprobieren, die ein dezidiert jüngeres Publikum ansprechen: einen Comic-Workshop und einen Poetry-Slam zum Beispiel.

Die Büchereichefin macht sich keine Sorgen wegen der Digitalisierung

Die Digitalisierung spürt Sternal. Aber sie macht ihr keine allzu großen Sorgen. Gut, Musik-CDs sind in der Bücherei inzwischen kaum noch gefragt. Da zeigt sich der Siegeszug des Streamings. Auch E-Books sind auf dem Vormarsch. Das merkt die Bücherei bei der Online-Ausleihe. Die Jahresstatistik liegt noch nicht vor, aber der Trend ist eindeutig.

Tonies sind der neue Renner in der Stadtbücherei Kamen

Azubis Alisha Luley (re) und Vanessa Benson mit Ipads, die bei Büchereiführungen für Schulklassen und Kindergartengruppen zum Einsatz kommen. © Stefan Milk

Stadtbücherei hat über 115 Tonies im Angebot

Und es gibt neue Techniken, die die Lust auf Geschichten und auf Lesen fördern. „Wir haben inzwischen über 115 Tonies“, sagt Sternal. „Die sind der Renner.“ „Tonies“ sind Hörfiguren. Wenn man sie auf die entsprechende Box setzt, kann man eine Geschichte oder ein Hörspiel anhören. Letztlich funktioniert das wie ein Hörbuch. Die Figuren allerdings haben den Vorteil, dass sie den Hauptpersonen der Geschichten nachempfunden sind.

Kinderbuch-Klassiker sind auch als Tonies gefragt

Das können Märchengestalten, Tiere oder andere Figuren sein, die sich im Kinderzimmer großer Beliebtheit erfreuen. Sternal freut es besonders, dass es auch „Tonies“ mit Klassikern wie dem Räuber Hotzenplotz, der Kleinen Hexe und der Biene Maja gibt. Mit denen sind schon die Eltern der aktuellen „Tonie“-Nutzer großgeworden.

Viele von ihnen dürfte die Ausleihmöglichkeit in der Bücherei nicht zuletzt aus Kostengründen schätzen. Denn während die Tonie-Box in der Anschaffung mit 79 Euro noch erschwinglich erscheint, kosten die einzelnen Figuren um die 15 Euro – deutlich mehr etwa als eine Kassette, CD oder Streaming-Angebot.

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In die allgemeine Klage, dass die Jugend von heute sich nicht mehr für gute Geschichten begeistern lässt, will Sternal deshalb ausdrücklich nicht einstimmen. Es komme eben darauf an, wie man die neue digitalen Möglichkeiten nutzt, um die Lust aufs Lesen zu wecken. Darüber, dass der Bücherei irgendwann einmal die Kundschaft ausgeht, macht sich Sternal deshalb keine Sorgen. Und sie ist sicher, dass auch gedruckte Bücher weiter zu ihrem Kerngeschäft gehören: „Die bleiben!“

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