Drohendes Mikroplastik-Verbot: Kunstrasenplätze bleiben so, wie sie sind

dzSportanlagen

Plastikkügelchen auf Kunstrasen-Plätzen sind ins Gerede geraten – wegen mutmaßlicher Gesundheits- oder Umweltgefahren. Kamen will einem möglichen Mikroplastik-Verbot nicht vorgreifen. Die Alternative wäre teuer.

Kamen

, 15.11.2019, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die einzigen Experimente auf Kunstrasen-Plätzen in Kamen bleiben wohl fußballerischer und spieltaktischer Art. Keine Experimente gibt es beim Bodenbelag. Drei Spielflächen bleiben trotz ökologischer Bedenken mit Kunststoffkügelchen belegt. Kork ist unter anderem aus Kostengründen keine Alternative, wie aus seiner Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen hervorgeht.

Die Grünen fragten bereits im August an, ob sich ein von der EU geplantes Mikroplastik-Verbot auf Kunstrasenplätze auswirken könnte. Fraktionssprecherin Anke Dörlemann verwies auf eine Fraunhofer-Studie, aus der hervorgehen soll, dass durch das Granulat bis zu 11.000 Tonnen Mikroplastik jährlich ins Grundwasser gelangen.

Die Stadtverwaltung bestreitet in ihrer nun im Schulausschuss erfolgten Antwort nicht, dass Mikroplastik mutmaßlich schädlich für die Umwelt ist. Sie sieht aber aus verschiedenen Gründen keinen akuten Handlungsbedarf, wie Markus Höper vom Sportamt deutlich machte.

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Grundsätzlich können auf Kunstrasenplätze verschiedene Arten von Granulat zum Einsatz kommen. „Nie verbaut“ hat die Stadt laut Höper das unter Krebsverdacht geratene Material Styrol-Butadien-Kautschuk („SBR“). Dieses besteht aus Altreifenmaterial. Höper sagte, das in Kamen sogenanntes EPDM-Granulat (Ethylene-Propylene-Dien-Monomer) eingebaut worden sei. Der erst in diesem Jahr sanierte Kunstrasenplatz in Methler sei mit Quarzsand befüllt worden. Zuvor lag dort nach früheren Angaben des Ingenieurs Herbert Vennegerts Einstreugranulat aus TPE (Thermoplastische Elastomere).

Auch das weniger gesundheitsschädliche Material könnte von einem eventuellen Mikroplastikverbot betroffen sein. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) lässt derzeit prüfen, welche Auswirkungen eine Beschränkung von Mikroplastik hätte. Empfehlungen an die Europäische Kommission sind noch nicht in Sicht.

Erst in ungefähr fünf Jahren steht mit dem Kunstrasenplatz in Heeren-Werve die nächste Sanierung eines Kunstrasenplatzes an. „Bis dahin werden sich Regelungen ergeben“, meint Höper.

Für einen vorzeitigen Austausch des Granulats sieht die Stadt keinen Anlass. Die Grünen hatten sich nach Kork erkundigt, doch dabei sei das Problem, dass es vom Wind verweht oder ausgeschwemmt werde. „Wir werden nicht vorzeitig etwas austauschen, wenn es nicht sein muss“, so Höper.

Rund 50.000 Euro pro Platz würde es kosten, das Kunststoffgranulat absaugen und entsorgen zu lassen. Bei den betroffenen drei städtischen Kunstrasenplätzen (ohne Methler) kämen also 150.000 Euro zusammen.

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