Ungewöhnlicher Gast: Diese Kamenerin schmust mit einer Dohle

dzTierliebe

Die Dohle Neo kuschelt gerne mit Melanie Baierbach. Die hat den Jungvogel liebevoll aufgezogen. Doch wie lange Neo noch bei ihr bleiben wird, ist ungewiss.

Kamen

, 23.08.2019, 14:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Neo!“ ruft Melanie Baiersbach laut. Sie streckt ihren Arm in die Höhe und blickt nach oben in die umliegenden Baumkronen. Doch angeflogen kommt kein Greifvogel und Baiersbach ist auch freilich keine Falknerin. Auf den Arm der Kamenerin lässt sich eine zierliche Dohle nieder.

Baiersbach streichelt Neo vorsichtig an der Brust. Der Dohle gefällt‘s. „Ich hab ihn letztens 20 Minuten lang gekrault. Er hat es genossen und die Augen geschlossen.“ Ob Neo wirklich ein „Er“ ist, weiß Baiersbach allerdings nicht sicher. „Deswegen habe ich den Vogel auch Neo getauft.“

Wenn sie die Kamenerin nicht aufgenommen hätte, wäre die verschmuste Dohle wohl nicht mehr am Leben. Eine Freundin habe ihr den schwachen, jungen Vogel gebracht, weil er aus dem Nest gefallen sei. „Er war etwa sechs Wochen alt und hat fast nur geschlafen“, erinnert sich Baiersbach. Neo hatte damals noch einen gelben Schnabel.

Ungewöhnlicher Gast: Diese Kamenerin schmust mit einer Dohle

Neo ist eine junge Dohle. Ob Männchen oder Weibchen weiß man nicht. © Stefan Milk

Melanie Baiersbach füttert schwache Dohle

Baiersbach rief in einer Vogelauffangstation an, um sich einen Rat zu holen. Dass der Vogel so viel geschlafen hat, beunruhigte die Experten. Sie sagten Baiersbach, dass der Vogel wahrscheinlich nicht überleben werde. Doch Baiersbach gab alles. „Ich fütterte ihn vier Wochen lang von 6 bis 22 Uhr alle halbe Stunden. Alles andere ist liegen geblieben“, sagt sie.

Anfangs musste sie dem schwachen Tier die Mischung aus Nüssen und Sonnenblumenöl wie eine Vogelmutter richtig in den Rachen schieben, damit Neo fraß. „Es war mehr Arbeit als bei einem kleinen Kind. Das muss nur alle vier Stunden gefüttert werden“, sagt Baiersbach.

Doch es hat sich gelohnt. Heute flattert Neo von Baum zu Baum. Er ist noch etwas unsicher unterwegs, aber entwickelt sich gut. „Er wird noch wachsen“, weiß Baiersbach, die den Vogel manchmal auf der Schulter mit sich herumträgt – und neugierige Blicke erntet.

Neo ist aber nicht nur anhänglich, sondern auch intelligent. „Das Fliegennetz an meiner Balkontür bekommt er problemlos auf“, so Baiersbach. Und wenn der Vogel hereinwill, klopft er mit dem Schnabel an die Scheibe der Tür. „Wenn ich nicht aufmache, fliegt er auf die andere Seite zu dem zweiten Balkon.“ Trotzdem gibt es noch lernen. „Er darf nicht zu Fremden gehen, das hat er schon verstanden.“

Ungewöhnlicher Gast: Diese Kamenerin schmust mit einer Dohle

Neo lässt sich gerne streicheln. © Stefan Milk

Wie es jetzt weitergeht, weiß die Vogelmama nicht

Ob Neo, der tagsüber draußen herumfliegt und nachts in der Wohnung schläft, bei Melanie Baiersbach und ihrem Sohn Jaden bleiben wird, weiß Baiersbach nicht. Bis nächstes Jahr bliebe er sicher, hätten ihr die Experten der Vogelauffangstation gesagt. Was dann passiert, weiß man nicht. „Es kann sogar sein, dass er einen Partner findet und ihn dann vorstellt“, sagt Baiersbach. Es könne sein, dass der Vogel immer wieder zu ihr zurückkehrt. Muss es aber nicht.

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Dass Baiersbach sich an Experten wendet ist genau richtig und wichtig. Wer einen Vogel entdeckt und glaubt, dass er Hilfe braucht, sollte sich an Fachleute wenden und nicht voreilig reagieren. Denn nicht jedes Tier, das augenscheinlich allein und hilflos auf dem Boden sitzt, ist auch wirklich von seinen Eltern verlassen worden.

Einsperren wird Baiersbach den Vogel nicht. „Er soll frei bleiben“, sagt sie.

Eine Vogelexpertin ist Baiersbach übrigens nicht. Ein Händchen hat sie dafür aber offensichtlich und ein großes Herz für Tiere: „Als kleines Kind habe ich mal eine Taube aufgezogen.“

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